Expertenwissen

Mein Internist, Arthrose & Ich: ein Expertengespräch

Habe ich Arthrose? Habe ich Rheuma? Habe ich Arthritis? Machen sich Gelenkschmerzen bemerkbar, tauchen Fragen auf: Welchen Arzt suche ich auf? Ist Arthrose heilbar? Muss ich meinen Lebensstil ändern?

Und vor allem ist eine Frage wichtig: Wie kommt es zur Diagnose von Arthrose? Ich weiß nicht, wie es euch ergeht oder ergangen ist? Als die ersten Gelenkbeschwerden auftauchten, was habt ihr gemacht? Erst einmal abgewartet? Mit Schmerzsalbe eingeschmiert? Topfen aufgelegt? Beim Orthopäden oder Sportmediziner einen Termin gemacht? Welchen Arzt sucht man bei Beschwerden und Schmerzen in den Gelenken überhaupt auf? Wie kommt es zur Diagnose von Arthrose? Ich habe erst mal meinem Internisten aufgesucht.

Damit bin ich – nachzulesen im folgenden Interview – nicht falsch gelegen. Viele Menschen die Gelenksbeschwerden haben, konfrontieren erst einmal ihren Hausarzt oder Internisten mit dieser Frage und das meist im Rahmen einer Gesundenuntersuchung. Demnach lag es auch nahe, dass ich mein erstes Ärzte-Interview für meinen Blog mit einem Internisten geführt habe. Natürlich nicht irgendeinem.

Dr. Roland Fuschelberger ist Internist im Gesundheitszentrum Lanserhof mit eigener Praxis in Aldrans in Tirol, ärztlicher Leiter von kiweno (ein Tiroler Start-up Unternehmen das auf die Testung von Nahrungsunverträglichkeiten spezialisiert ist) und last but not least der Internist meines Vertrauens:

 

Wie kommt es zur Diagnose Arthrose

Interview mit Dr. Roland Fuschelberger geführt von Bloggerin Barbara Egger, November 2015. Fotos: tirolfoto.at

Herr Dr. Fuschelberger, wie kommt es zur Diagnose Arthrose, wer ist die erste Anlaufstelle bei sich anbahnenden Gelenksschmerzen? Doch in der Regel der Hausarzt oder Internist?

Dr. Roland Fuschelberger: Ja, in der Regel ist es der Hausarzt oder der Internist. Oft kommen die Patienten im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung zu mir und erwähnen häufig in einem Nebensatz: „Ach ja und meine Gelenke tun auch weh. Ich bin eigentlich gar nicht wegen dem da. Es ist auch nicht ganz so dramatisch. Aber da und dort spüre ich meine Gelenke.“

Fragen die Patienten auch ganz gezielt nach?

Dr. Fuschelberger: Manche Patienten kommen mit der direkten Ansage: „Ich habe Gelenksbeschwerden. Habe ich Rheuma? Habe ich eine entzündliche Gelenkserkrankung?“ Andere Patienten beschreiben mir gezielt: „Mir tun die Gelenke in der Früh weh, ich spüre eine gewisse Steifigkeit.“ Wiederum andere erzählen mir davon, dass schon ihre Eltern und Großeltern damit ein Leiden hatten und wünschen eine Abklärung.

Wie erfolgt die Abklärung von Gelenksbeschwerden?

Dr. Fuschelberger: Klassisch durch Blutuntersuchungen und der möglichen Einbeziehung von weiteren Fachärzte wie Rheumatologen, Orthopäden, etc. Die Laboruntersuchungen des Blutes ergeben, ob entzündliche Faktoren oder Rheumafaktoren vorliegen. Die Erfahrung zeigt aber, dass sich ein Großteil der Beschwerden auf Abnützung am Gelenk zurückführen lässt. Diese Abnützung kann sich durch Überlastung aktivieren und immer wieder Entzündungen hervorrufen, auch dauerhafte.

Dr. Roland Fuschelberger: „Ein Großteil der Beschwerden lässt sich auf Abnutzung der Gelenke zurückführen.“

Das nennt sich dann wie?

Dr. Fuschelberger: Das ist dann die berühmte aktivierte Arthrose. Wir sehen also schon in den ersten Untersuchungen beim Hausarzt oder Internisten, wohin die Richtung geht. Das Spannende dabei ist aber immer wieder, dass manchmal die Bildgebung nicht mit dem klinischen Bild (also den genannten Beschwerden des Patienten) überein stimmt. Das heißt, ich kann am Bild oft sehr wenig sehen, der Patient hat aber starke Beschwerden. Umgekehrt kann ich am Bild sehr viel, ja einen regelrecht katastrophalen Zustand des Gelenks sehen und der Patient klagt gar nicht so sehr wegen der Beschwerden.

Ich: „So ging es mir auch. Bei einem Facharzt, bei dem ich wegen meiner Gelenkbeschwerden an den Daumen vorsprach meinte etwas verständnislos und ohne Mitleid: „Die Bilder zeigen, dass Sie gar nicht solche Schmerzen haben können, wie Sie angegeben haben. Ich habe daraufhin den Arzt gewechselt.

Das bedeutet im Umkehrschluss, der Zustand des Gelenkes allein sagt nicht alles aus?

Dr. Fuschelberger: Das Gelenk ist das eine. Aber rundherum gibt es das Bindegewebe, die muskuläre Versorgung, es gibt Fehlstellungen in den Muskelachsen oder beim Fußgewölbe. Alleine eine muskuläre Fehlstellung kann für Beschwerden am Knie sorgen. Deshalb ist es bei Gelenksbeschwerden auch so wichtig, das Bindegewebe und die muskuläre Versorgung zu beachten und im Falle auch einen Physio- oder Osteopathen mit ein zu beziehen.

Es muss also nicht immer gleich das Gelenk bereits angegriffen sein?

Dr. Fuschelberger: Ganz genau. Es gibt auch Spezialisten dafür, sich die Muskelketten näher anzuschauen. Bei Kniegelenks- oder Wirbelsäulenbeschwerden muss nicht immer das Gelenk bzw. die Wirbelsäule an sich die Ursache sein. Es kann auch das Fußgewölbe oder die Hüfte Kniebeschwerden verursachen oder die Lendenwirbelsäule kann Wirbelsäulenbeschwerden verursachen.

Welche Untersuchungen kommen neben Labor und bildgebenden Verfahren beim Erstkontakt mit Hausarzt oder Internist bezüglich Gelenksbeschwerden noch zum Tragen?

Dr. Fuschelberger: Den Laboruntersuchungen und möglichen bildgebenden Verfahren (Röngten, Ultraschall) gehen zuerst eine genau Untersuchung voraus: Ist das Gelenk geschwollen? Ist die Beweglichkeit eingeschränkt? Und dann klärt sich, ob Spezialisten hinzuzuziehen sind.

Arthrose zählt zu den rund 400 Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Ist das diagnostisch schwierig exakt zu klären?

Dr. Fuschelberger: Wir wissen, dass es viele mögliche Ursachen für Gelenksbeschwerden gibt. Das kann die Abnützung sein, das können die Muskelketten sein, es kann sich um Arthrose handeln, es kann Arthritis sein. Es kann auch Überbelastung sein oder sich um eine Autoimmunerkrankung handeln. Aber alle diese Varianten lassen sich relativ gut über Laboruntersuchungen feststellen.

Wie kommt es zur Diagnose Arthrose

Es gibt viele mögliche Ursachen für Gelenksbeschwerden. Das kann die Abnützung sein, das können die Muskelketten sein, es kann sich um Arthrose handeln, es kann Arthritis sein. Es kann auch Überbelastung sein oder sich um eine Autoimmunerkrankung handeln.

Ist eine Form der Früherkennung von Arthrose möglich?

Dr. Fuschelberger: Dazu ein Beispiel. Schickt man einen über 50-jährigen Patienten zum MRT der Wirbelsäule, werden sich mit ziemlicher Sicherheit ein hoher Prozentsatz an Veränderungen finden, die aber nicht mit dem klinischen Bild korrelieren, d.h. der Patient hat keine Beschwerden. Dasselbe Ergebnis hat man auch, wenn man Patienten ab einem gewissen Alter zu einem Hüft-, Schulter- oder Fingerröntgen schickt. Die Abnützungen sind da, aber der Patient hat (noch) keine Beschwerden.

Also keine Früherkennung?

Dr. Fuschelberger: Nicht so, wie man sich das landläufig vorstellt. Es werden zunehmend in der Forschung genetische Merkmale hinzugezogen. Die Genetik birgt jedoch die Gefahr, dass sie uns lediglich ein Risikopotential aufzeigt, berücksichtigt aber nicht den Lebensstil. Aber um auf den Punkt zu kommen. Es gibt in der Frühdiagnostik keine Laborwerte, die beweisen oder Anhaltspunkte dafür geben, dass der oder die PatientIn Arthrose bekommen wird.

Was kann man präventiv tun?

Dr. Fuschelberger: Grundsätzlich ist Bewegung immer gut. Die Gelenke gehören bewegt. Aber die Bewegung muss richtig ausgeführt werden. Es ist sicherlich nicht förderlich nur eine einzige Sportart zu betreiben und die Gelenke einseitig zu belasten. Grundsätzlich aber wird mit Bewegung die Durchblutung verbessert. Wenn beispielsweise das bergab Gehen schmerzt, sollte man es vermeiden und stattdessen bergauf gehen und mit dem Lift vom Berg runter fahren.

Weshalb bekommt man Arthrose? Ist es jahrelange falsche Ernährung, sind es die Gene, ist es eine weltweit zu beobachtende Alterserscheinung?

Dr. Fuschelberger: Von manchen Arthrosen, etwa die vorne in den Fingergelenken (Heberden- und Bouchardarthrosen), weiß man sehr wohl eine Vererbung. Es gibt eine Veranlagung dazu, da spielen genetische Merkmale eine Rolle. Bei Frauen spielt auch der Hormonhaushalt eine Rolle. Gerade nach dem Wechsel können Gelenksbeschwerden auftreten. Natürlich stellt sich auch die Frage nach Ernährung und Übergewicht. Beim Thema Ernährung gehen die Meinungen allerdings auseinander.

Ich: „Jetzt sind wir tatsächlich beim Thema. Es gibt Leute, die sagen mir: Du hast sicher deshalb Arthrose, weil du gerne Fleisch isst. Als wüssten die, wie viel Fleisch ich esse, nur weil ich im Gasthaus gerne mal ein Wiener Schnitzel bestelle, übrigens ausschließlich vom heimischen Kalb. Und das gibt`s nicht in jedem Gasthaus.“

Inwiefern gehen beim Thema Ernährung die Meinungen auseinander?

Dr. Fuschelberger: Wir wissen, dass der Konsum von zuviel rotem und geräuchertem Fleisch Entzündungen fördern kann. Ein Hinweis darauf ist ja die kürzlich erfolgte WHO-Warnung. Doch wie so oft im Leben macht es die Menge und die Ausgewogenheit aus. Die Frage ist, ab wann ist der Fleischkonsum hoch und was ist im Einzelfall wirklich viel Fleisch. Wichtig ist Fleisch mit Gemüse, Salate und Ballaststoffen zu kombinieren. Auch kommt es auf die Fleischqualität an.

Dr. Roland Fuschelberger: Also, so wie die Kuh dasteht, kann ich prinzipiell noch nicht sagen, ist der Konsum von Fleisch schädigend oder nicht. Es kommt auf die Haltung und Fütterung der Tiere an.

Warum ist die Fleischqualität ein Thema?

Dr. Fuschelberger: Auf Almen grasgefütterte Tiere bilden Omega-3-Fettsäuren, die zu den hochwertigen ungesättigten Fettsäuren zählen. Die wirken entzündungshemmend. Bei mit Kraftfutter gefütterten Masttieren bildet sich Omega-6. Das wirkt entzündungsfördernd. Grundsätzlich ist Massentierhaltung in der Ernährung ein Problem. Wir dürfen uns also nicht wundern, dass Ernährungsstudien zeigen, dass Fleischkonsum schädlich sein kann.

Ich: „Da kommt mir ein Rindvieh in den Sinn, über das sogar Studien gemacht wurden. Es ist der Tiroler Grauvieh Almochs: Er hat aufgrund der Grasfütterung nachweislich einen deutlich höheren Anteil an Omega-3-Fettsäuren.“

Warum sind weltweit Millionen Menschen von Arthrose betroffen?

Dr. Fuschelberger: Weil hier sehr viele Faktoren zusammenkommen. Zum einen ist es der Bewegungsmangel, wobei man hier im Einzelfall wieder unterscheiden muss. Doch es geht um viel sitzende Tätigkeit. Es geht um Ernährung. Es geht zum Beispiel auch um Umwelttoxine. Wenn ich belastet bin durch meine Umwelt, lagern sich diese Giftstoffe im Bindegewebe und in den Knochen ab.

Wie kommt es zur Diagnose Arthrose

Internist Dr. Roland Fuschelberger im Interview mit Bloggerin Barbara Egger von www.tiroltutle.at

Es ist also nicht erwiesen, dass Arthrose ausschließlich etwa durch genetische Veranlagung oder durch falsche Ernährung oder durch das Altern entsteht?

Dr. Fuschelberger: Richtig. Hier spielen alle Faktoren zusammen. Wobei bei den klassischen Abnützungen auch ein Zusammenhang mit möglichen Arbeitstätigkeiten besteht, auch Übergewicht spielt eine Rolle, wenn wir beispielsweise an die Belastung der Kniegelenke denken.

Es gibt auch viele Leistungssportler, die in späteren Jahren mit Arthrose zu kämpfen haben?

Dr. Fuschelberger: Man kann durchaus festhalten, dass Leistungssport auf Dauer nicht gesund ist. Hier flacht die Kurve nach oben ab. Ein gewisses Maß an Sport und Bewegung ist gesund, beim Leistungssport erleben wir tatsächlich beinahe eine Umkehrung. Man kann auch zuviel Sport betreiben. Wie überall macht die Dosis das Gift. Was noch dazukommt ist, dass Leistungssportler häufig einseitig Sport betreiben, eben nur diese eine Sportart. Und häufig kommen zur Überbelastung auch noch Verletzungen der Gelenke dazu.

Warum ist Arthrose bis heute nicht heilbar?

Dr. Fuschelberger: Gute Frage. Vergleichen wir es mit einer Gefäßerkrankung oder einem drohenden Herzinfarkt. Hier können wir ja auch nicht heilen, es erfolgt eine Notfalltherapie. Der Patient erhält einen Stent, das Gefäß ist wieder offen. Aber den Grundzustand der Gefäße kann ich nicht heilen. Es gibt bei Gelenken mögliche Ansätze den Abbau zu verlangsamen, aber eine tatsächliche Heilung oder Umkehrung gibt es (noch) nicht.

Wird es in Zukunft Heilung geben?

Dr. Fuschelberger: Möglicherweise über das Immunsystem. Wenn bei Arthrose entzündliche Parameter vorhanden sind, könnte man über das Immunsystem intervenieren. Hier könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es in der Forschung Erkenntnisse geben wird, wie man diesen Kreislauf unterbrechen kann.

Wie kommt es zur Diagnose von Arthrose

Internist Dr. Roland Fuschelberger gibt Antwort auf die Frage, ob die Forschung neue Erkenntnise bringen wird, um Arthrose heilen zu können

Es gibt Organtransplantationen, warum keine Knorpeltransplantationen?

Dr. Fuschelberger: Das gibt es bereits. Knorpel sind züchtbar. Aber diese Form der Heilung ist derzeit nur punktuell möglich, z.B. bei jüngeren Menschen nach einer Verletzung. Man kann ein zerstörtes, abgeriebenes Gelenk nicht wirklich reparieren. Dennoch erwarte ich, dass die Forschung beim Gelenksersatz weiter vorangehen wird.

Werden Stammzellen beim Gelenksaufaufbau eine Rolle spielen?

Dr. Fuschelberger: Das ist durchaus möglich. Eine Verjüngungskur des Kniegelenks ist zwar noch Zukunftsmusik und derzeit noch im Bereich der experimentellen Forschung. Ich denke aber, in den Ländern in denen Stammzellentherapie erlaubt ist, wird auch Forschung in diese Richtung betrieben.

Dr. Roland Fuschelberger: „Klassische Heilung gibt es nicht. Die einzige Alternative ist derzeit der künstliche Gelenksersatz, so wie wir das bei Kniegelenken oder Hüften kennen.“

Ich: „Dann bitte für mich neue Daumengelenke!“

In Internetforen finden sich Hinweise, dass die Einnahme von Glycin Arthrose heilen kann?

Dr. Fuschelberger: Es gibt tatsächlich Meinungen, dass Eiweißmangel die Knorpeldegeneration bewirkt. Ich glaube aber nicht, dass ein fehlender Stoff im Körper des Menschen Arthrose auslöst. Dafür ist dieses Thema zu komplex. Es mag sein, dass im Einzelfall eine Mischung aus Mikro-Nährstoffen sinnvoll ist. Auch eine Einnahme von Mineralstoffen ist nicht unbedingt nötig, wenn man sich ausgewogen ernährt.

Welche natürlichen Mittel können Arthrose positiv beeinflussen?

Dr. Fuschelberger: Beispielsweise pflanzliche Nährstoffe wie Weihrauch, Kurkuma, Omega 3 Fette, einen Kollagen-Komplex oder ein entzündungshemmendes Enzym wie Bromelain. Diese Mittel können die Arthrose möglicherweise verzögern oder auch in Einzelfällen zum Stillstand bringen.

Welche Massnahmen können noch helfen?

Dr. Fuschelberger: Man sollte auch auf die Ernährung achten. Manchen Betroffenen tut es gut, wenn sie eine Zeit lang auf glutenhältiges Getreide verzichten oder auf Milchprodukte verzichten und das obwohl Milch Kalzium enthält. Auch der Zuckerkonsum spielt eine Rolle. Das ist oft ein Eigenversuch angebracht, denn auch hier gibt es Unterschiede von Betroffenen zu Betroffenen.

Viele Arthrose-Betroffene nehmen jahrelang Medikamente? Andere gar keine. Wo ist die goldene Mitte?

Dr. Fuschelberger: Mein Ansatz ist die Änderung des Lebensstils, die Änderung der Ernährung und die Gabe von pflanzlichen Mikro-Nährstoffen (z.B. Omega-3). Beim Hormonabfall in der Vor-Menopause ist es bei Frauen oft typisch, dass diffuses Gelenksziehen oder Fingergelenksbeschwerden auftreten. Da hilft im Einzelfall Lyprinol, ein Extrakt aus der Grünlippmuschel, sehr gut.

Wie kommt es zur Diagnose Arthrose

Dr. Roland Fuschelberger

 

Wenn das alles nicht hilft?

Dr. Fuschelberger: Wenn die Beschwerden so stark sind, dass sie den Tagesablauf und die Lebensqualität beeinträchtigen, dann solle man kurmäßig zu Schmerzmitteln greifen. Chronische Schmerzen über einen langen Zeitraum führen im Gehirn auf hormoneller Ebene zu Veränderungen. Man muss einfach schauen, in welche Richtung es geht. Vielleicht hilft eine Kombination aus Änderung des Lebensstils, Ernährungsweise, pflanzliche Mittel und Phasen der Einnahme von Schmerzmitteln.

Dr. Roland Fuschelberger: „Wenn man nur klassische entzündungshemmende Schmerzmittel über einen sehr langen Zeitraum einnimmt, sollte man sich Alternativen überlegen, wie Infiltrationen und Gelenksersatz.“

 Apropos Infiltrationen. Gibt es eine Faustregel, wie oft man das tun kann und wie lange?

Dr. Fuschelberger: Ich sehe bei zwei Infiltrationen jährlich kein Problem. Muss aber monatlich infiltriert werden, besteht ja auch ein Risiko bei der Infiltration an sich. Bei völliger Überlastung des Gelenks gibt es noch die Möglichkeit der Ruhigstellung mit Schienen. Auch pulsierende Magnetfeldtherapie kann bei Arthrose Erfolge bewirken. Immer häufiger zur Anwendung kommt auch die Lasertherapie. Das Laserlicht regt die Energieproduktion und Sauerstoffversorgung, ändert lokal den Stoffwechsel, ist stark entzündungshemmend. Wir wenden diese Therapie im Gesundheitszentrum Lanserhof an und konnten damit bereits sehr interessante Ergebnisse erzielen.

Ich: „Ich selbst nehme keine Schmerzmittel. Bei Diclofenac bekomme ich Ausschlag. Von Voltaren wird mir schlecht. Deshalb greife ich beim Angebot der Infiltration zu.“

Kann die Nicht-Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmitteln zu einer Verschlechterung der Beschwerden bei Arthrose führen?

Dr. Fuschelberger: Schmerz ist nicht zuletzt ein Warnsignal. Sind Knochen und Knorpel gereizt bzw. abgerieben, kommt es zum Schmerz. Das signalisiert dem Verstand weniger zu tun, sich etwa weniger zu bewegen. Wenn sich Betroffene jetzt in die völlige Inaktivität begeben, werden Muskeln abgebaut. Damit verschlechtert sich die Situation tatsächlich.

Kann demnach aus Arthrose Rheuma werden?

Dr. Fuschelberger: Wenn es eine Arthrose, also Abnützung ist, führt das nicht zu Rheuma. Trotzdem kann jemand der Arthrose hat, auch rheumatische Beschwerden bekommen. Aber grundsätzlich wandelt sich Arthrose nicht in Rheuma um. Da besteht kein Risiko. Darüber hinaus werden bei der jährlichen Gesundenvorsorge bei Verdacht auf Rheuma weitere Faktoren erhoben.

Warum werden Infiltrationen in der Regel von Orthopäden oder Sportmedizinern ausgeführt?

Dr. Fuschelberger: Das hat mit der Ausbildung zu tun. Ein Internist hat in der Ausbildung wenig mit Gelenken zu tun, eher noch der Allgemeinmediziner mehr. Das Entscheidende ist die Erfahrung. Je mehr jemand infiltriert, umso mehr Erfahrung. Es gibt auch genügend Ärzte, die punktgenau mit der Hilfe von Ultraschall infiltrieren. Gerade bei kleinen Gelenken wie den Daumengelenken ist es wichtig, genau in den Gelenksspalt zu infiltrieren.

Ich: „Ich persönlich habe den Eindruck, dass Daumen- und Fingergelenke in der Medizin etwas stiefmütterlich behandelt werden. Ich will ja niemanden etwas unterstellen, aber hat das damit zu tun, dass Frauen stärker von Fingerarthrosen betroffen sind?“

 Betroffene mit Kniegelenks- oder Hüftbeschwerden suchen Orthopäden, Unfallchirurgen und Sportmediziner auf. Bei Fingergelenksarthrosen ist das auf den ersten Blick nicht so klar?

Dr. Fuschelberger: Grundsätzlich alles was mit Gelenken zu tun hat, ist Thema der Orthopäden. Es gibt aber auch Unfallchirurgen, die auf Hand- und Fußchirurgie spezialisiert sind. Häufig sind solche Experten aber ausschließlich an Kliniken zu finden und hier geht es zumeist um die operative Tätigkeit. Auf der anderen Seite ist die Rhiz-Arthrose etwas, was extrem weh tut und unangenehm ist. Daher gibt es auch hier Spezialisten, leider aber keinen Gelenksersatz.

Ich: „Schön, dass ein Arzt mal sagt, wie besch… Rhizarthrose ist.“

Warum gibt es eigentlich (noch) keinen künstlichen Daumengelenksersatz?

Dr. Fuschelberger: Theoretisch müsste das eigentlich möglich sein. Da müsste man Spezialisten aus der Mikrochirurgie befragen. Ohne sich hier festlegen zu wollen, hat die mögliche Vorrangstellung von Knie und Hüfte beim Gelenksersatz auch damit zu tun, dass Gehen wichtiger wie Greifen ist. Da kann man ja auch die andere Hand nehmen. Der Druck ist bei Knie und Hüfte einfach höher, den Betroffenen zu helfen. Salopp formuliert geht es hier auch um Angebot und Nachfrage.

Danke für das Gespräch.
Wie kommt es zur Diagnose Arthrose

Ausführliches Interview zu dem Thema: Wie kommt es zur Diagnose Arthrose

Fotos: Spiess Foto Tirol

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