Übergewicht bei Arthrose und zu wenig Bewegung
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Übergewicht bei Arthrose und zu wenig Bewegung: ein Teufelskeis!

Zuletzt aktualisiert am 2. Mai 2024 von tirolturtle

Übergewicht bei Arthrose und zu wenig Bewegung: Ein Teufelskreis, dem man entkommen kann. Auch mit zwei künstlichen Kniegelenken!

Übergewicht bei Arthrose und zu wenig Bewegung. Das ist ein folgenschweres Zusammenspiel, wenn es um das Thema Schmerzen und Beweglichkeit geht. Grundsätzlich lastet jedes Kilo (Über)Gewicht auf den Kniegelenken.

Allein beim Gehen lastet das 3,5-fache des eigenen Körpergewichts auf dem Knie des gerade auftretenden Beins.

Beim Stolpern ist es die achtfache Belastung. Man kann sich also bildlich vorstellen, wie hoch die Belastung ist, wenn Arthrose Patienten hundert Kilogramm und darüber wiegen.  Im Umkehrschluss gilt deshalb: Jedes abgenommene Kilo zählt, und zwar mehrfach!

Meine bessere Hälfte hat über die Jahre konstant an Gewicht zugelegt. Zuletzt (Stand 2020) waren es über 120 Kilo. Zudem leidet mein Mann an Arthrose, hat 2009 einen Teilschlitten im rechten und 2019 eine Totalendoprothese im linken Knie erhalten.

Natürlich war und ist meinem Mann bewusst, dass eine Gewichtsreduktion sinnvoll ist. Er hat es auch mehrfach versucht. Mit mehr oder weniger Erfolg.

Rückblickend haben jeweils dreiwöchige F.X. Mayr Kuren – erstmalig im Jahr 2013 – am meisten gebracht und ein sichtbares Ergebnis gezeigt. Alle zu Hause begonnenen und auch konsequent durchgeführten Diäten endeten immer wieder im berühmten Jo-Jo-Effekt.

Das sogenannte „Gewichtsmanagement“ gilt als Grundlage jeder konservativen Arthrose Behandlung. Doch wie Leidgeprüfte wissen, ist das leichter gesagt als getan.

Auch bei meinem Mann ist es so, dass er sein Gewicht nicht konstant halten kann. Mit dem Älterwerden und diversen Komorbiditäten (Bewgungseinschränkung, Schmerzen, Bluthochdruck, metabolisches Syndrom, etc. )stieg das Gewicht zunehmend an und gipfelte im Corona-Jahr 2020 beim Höchstgewicht von 123 Kilogramm.

Übergewicht bei Arthrose und zu wenig Bewegung: der Teufelskreis

Es ist ein Teufelskreis und vielen Arthrose Betroffenen mit Übergewicht ergeht es ähnlich. Die wichtigsten Säulen des Arthrose Selbstmanagement sind:

  • in Bewegung bleiben und
  • Gewichtsmanagement.

Doch wie soll man in Bewegung bleiben, wenn die Gelenke schmerzen, wenn Knie- oder Hüftschmerzen der tägliche Begleiter sind. Hier können Schmerzmanagement, Physiotherapie, Bewegungstraining, medikamentöse Behandlungen, Orthesen, etc. helfen.

Wenn möglich, sollte man die Bewegung nicht einschränken. Stattdessen moderat bewegen und die geeignete Sportart finden, wie etwa rudern, Rad fahren, schwimmen, etc. Dazu unbedingt professionellen Rat einholen, welche Sportart zum vorliegenden Arthrosegrad und zum Bewegungsradius aufgrund von Übergewicht, mangelnder Fitness, etc. passt.

Wie schon beschrieben, erhielt mein Mann 2009 einen Teilschlitten im rechten und 2019 eine Knie-TEP im linken Kniegelenk. Dem Einsatz der Knie-TEPs ging jeweils ein jahrelanger Schmerz-Marathon voraus.

Nicht zuletzt entschied sich meine bessere Hälfte für den Gelenkersatz, um dem Teufelskreis zwischen:

  • zu wenig Bewegung und Gewichtszunahme und
  • chronischem Schmerz und Bewegungsbeeinträchtigung

zu entkommen. Auch hatte mein Mann den ausdrücklichen Wunsch und die Zielsetzung, nach dem Erhalt der Totalendoprothese im linken Knie (mit Arthrofibrose* Komplikation 2019) und Erreichen des Höchstgewichts (2020)  das Gewichtsmanagement in Angriff zu nehmen und sich konsequent zu bewegen.

*Was das ist und wie man dieses Krankheitsbild behandelt, kannst du im Arthrofibrose-Schwerpunkt auf meinem Blog nachlesen. Das Ziel sich konsequent zu bewegen musste vorerst noch warten. Zuerst musste die Arthrofibrose am Knie behandelt werden.

Mithilfe eines ganzheitlichen im Herbst 2019 gestarteten Behandlungskonzeptes, gelingt es die Arthrofibrose zu heilen. Im Februar 2020 steht mein Mann erstmals wieder auf Skiern, beginnt im April zu golfen, fährt den ganzen Sommer mit dem E-Bike auf unsere schönen, umliegenden Almen, nützt den Hometrainer und geht ins Fitness-Studio zum Rudern.

Übergewicht bei Arthrose und zu wenig Bewegung: Ernährung umstellen

Ergänzend zur gezielten und regelmäßigen Bewegung, absolvierte mein Mann im Juni 2020 eine dreiwöchige F.X. Mayr Kur in Gröbming in der Steiermark.

Dazu bereitet er sich daheim, mit einer ambulanten und fachärztlich begleitenden zehntägigen F.X. Mayr Kur, vor. Insgesamt ist es mit folgenden Maßnahmen:

  1. konsequente Ernährungsumstellung
  2. konsequente Bewegung (Hometrainer, Rudern im Fitness-Studio, Golfen und E-Biken)
  3. Zehn Tage ambulante und fachärztlich betreute F.X. Mayr Kur
  4. Drei Wochen stationäre F.X Mayr Kur

gelungen, siebzehn Kilogramm abzuspecken!

Mehr über die F.X. Mayr-Kur und Vorbereitung darauf, kannst du in der Artikelserie Arthrofibrose behandeln und heilen nachlesen. Zudem hat mein Mann erstmals das Buchinger Heilfasten auspobiert.

Arthrofibrose am Knie behandeln und heilen Teil 2

Übergewicht bei Arthrose und zu wenig Bewegung: Tipps

Hier habe ich noch weitere Tipps für dich, wie du deine Ernährung mit Arthrose gestalten kannst: Ruth Rösch ist Mitglied der Arthrose Forum Austria Selbsthilfe und selbst Arthrose Betroffene. Für die Fachzeitschrift Ernährung im Fokus hat die Ernährungswissenschaftlerin einen ausführlichen Fachartikel geschrieben.

Mit freundlicher Genehmigung steht dieser Fachartikel zum Thema Ernährung und Arthrose zum Download zur Verfügung. Auf dem Blog von Ruth Rösch findest du ebenfalls Fachbeiträge zu Arthrose und Ernährung.

Forscher*innen des Instituts für Gesundheitswissenschaften an der FH St. Pölten untersuchen (Stand Juni 2023) gemeinsam mit der Universität für Weiterbildung Krems und der Universität Wien, wie eine neue Therapie bestehend aus einer Kombination von Ernährung und Bewegung zur Verbesserung der Lebensqualität von Patient*innen mit Kniearthrose beitragen kann.

Es werden übrigens laufend Proband*innen gesucht. Hier geht es zur Anmeldung für die Studie NUMOQUA -Ernährung und Bewegung zur Verbesserung der Lebensqualität bei Kniearthrose.

Im Interview mit nd-aktuell.de sagt Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde am Immanuel-Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde der Charité Berlin mit Schwerpunkten Ernährungsmedizin und Heilfasten, ob man Arthrose durch Ernährung beeinflussen könne:

Man kann sie dadurch nicht heilen, da Arthrose ein Abnutzungsprozess ist. Im Gegensatz zu früher weiß man heute aber, dass die Krankheit auch starke entzündliche Anteile hat. Und die kann man durch Ernährung gut beeinflussen. Außerdem ist Übergewicht ein grundsätzlicher Risikofaktor. Auch hier kann gute Ernährung viel leisten.

Nur ein zugenommenes Pfund kann bei Menschen mit Gelenkschmerzen vier Pfund Druck auf die Knie bedeuten. Aber es funktioniert auch umgekehrt: 15 Pfund (ca. 7 kg) weniger können die Knieschmerzen halbieren – heißt es im „The Weight & Osteoarthritis“ Folder der Osteoarthritis Action Alliance.

Hier kannst du die Anleitung zum Abnehmen der Osteoarthritis Action Alliance downloaden und den Zusammenhang zwischen Gelenkschmerzen und Gewicht verstehen lernen (in englischer Sprache!).

Zahlreiche Tipps zum Thema Ernährung, Arthrose und Gelenke findest du auf dem NDR-Onlineportal. Die Ernährungs-Docs bieten Tipps, Videos und Fachbeiträge zu den Themen, Entzündungen mit gesunder Ernährung lindern, Ernährungsumstellung, Ernährung bei Arthrose oder Gewürze gegen Entzündung.

In der Ausgabe vom 19. Februar 2024 beschäftigen sich die NDR Ernährungs-Docs gemeinsam mit den NDR Bewegungs-Docs mit der Frage: so viele kranke Gelenke. Kann das wirklich nur Arthrose sein? Diesmal geht es um eine Betroffene, die in Knie, Hüfte, Schulter, Finger und Nacken Schmerzen und Arthrose hat.

Befunde zeigen, dass die Patientin nicht rheumatisch erkrankt ist. Sie hat instabile Gelenke, die in Kombination mit Übergewicht, die Beschwerden auslösen. Ein gezieltes Bewegungskonzept und Ernährungsumstellung soll die Entzündung und Belastung auf die Gelenke reduzieren. Ernährungs-Doc Matthias Riedl rät zu folgenden Maßnahmen und Patientin erzählt über ihre Erfolgserlebnisse:

Das Gewicht der Patientiun beträgt 86 Kilogramm. Das Körpergewicht mal 3,5 ergibt  300 kg Belastung bei jedem Schritt. Das Ernährungsprotokoll ergibt, dass die Betroffene zu 90 % hochverarbeitete Lebensmittel zu sich nimmt.

Eine Gewichtsabnahme von fünfzehn Kilogramm sei ratsam. Das sei das erste „Drittel der Miete“. Mit Heilfasten, das eine „enorme Auswirkung auf die Entzündlichkeit des Körpers hat“ soll die Gewichtsreduktion erreicht werden.

Erlaubt sind Fastengetränke aus frisch gepresstem Obst und Gemüse mit max. 500 Kalorien pro Tag. Dazu über den Tag verteilt kommen ungesüßte Tees und Wasser. In die Fastengetränke soll die Patientin täglich 5 Gramm Hagebuttenpulver mischen.

Nach dem Fasten soll die Patientin periodisch weiterfasten: zwei Mahlzeiten innerhalb von acht Stunden, sechzehn Stunden keine Mahlzeit. Das ist das sogenannte Intervallfasten.

Gerichte mit antientzündlichen Zutaten wie z.B. ein Karotten-Ingwer Smoothie vormittags und abends gebratener Seelachs mit Kartoffel- Lauchgemüse, zuckerarme Beeren, grünes Gemüse, frische Kräuter, Omega3-haltige Öle. sollten auf dem Speiseplan stehen. 

Die Patienten, die bisher noch nie gefastet hat, findet immer mehr Gefallen an der Ernärhrungsumstellung und kommt gut damit zurecht. „Intervallfasten ist mein Ding“, sagt sie. Sie beginnt erst ab Mittag zu essen.

Ihre Lieblingsmahlzeiten: Magertopfen mit etwas Wasser verrührt, dazu Hirseflocken, Leinsamen, Walnüsse und zuckerarmes Obst, wie Erdbeeren oder Apfel mit Zimt. Neues Lieblingsgewürz: das antientzündliche Kurkuma. Auch Tofu steht nun hoch im Kurs, abens gibts z. B. Kichererbsen mit Kartoffel-Curry und gebratene Pute.

Ein weitere Tipp ist die „Goldene Milch“: die Zutaten sind Wasser, Milch, Kurkuma Tee, Kurkuma Gewürz, Pfeffer, Zwischendurch, berichtet die Patientin, wird auch mal wieder „gesündigt“ mit Pizza, Schoko und Café Latte.

Insgesamt aber lebe sie viel gesünder und sei auch sehr sportlich geworden mit Schwimmen, Walking und Fitnesstudio. Auch eine regelmäßige Physiotherapie zeigt Erfolge. Behandelt wird nach einem speziellen von Bewegungs-Doc Christian Sturm verordneten Konzept. Ziel sei Muskelspannung und Muskelaufbau. 

„Ich genieße das Leben, wie schon seit Jahren nicht mehr“, sagt die Betroffene im TV-Beitrag. Nach einem halben Jahr Ernährungsumstellung, Bewegung und Physiotherapie lautet die Bilanz: die Patientin kann sich besser bewegen, hat keine Schmerzen, nimmt keine Schmerzmittel mehr, hat dreizehn Kilogramm abgenommen, die Entzündungswerte sind gesunken, der Schlaf ist besser, der Energiehaushalt reguliert und die Lebensfreude gestiegen. 

 

Auf meinem Blog findest du ergänzend dazu eine Reihe an Beiträgen zum Thema Sport und Bewegung mit Arthrose. Beispielsweise ein Interview mit Gelenkexperte Priv.-Doz. Dr. Christian Hoser über die Sportarten, Wandern und Skifahren mit Arthrose in Hüfte und Knie.

Weiters findest du auf meinen Blog eine Übersicht an Arthrose Ratgebern und Büchern plus Empfehlungen der AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V., welche Sportarten bei Arthrose geeignet sind.

Katja Lotz leitet das Forschungsprojekt „Personalisierte Ernährung“ an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn und forscht mit ihrem Team an einer Applikation, die die Kunden bereits im Supermarkt dabei unterstützen soll, die für sie optimalen Lebensmittel auszuwählen. In einem ZDF-Beitrag über personalisierte Ernährung sagt sie:

Das klassische Blutbild gibt immer noch den besten Aufschluss, welche Nährstoffe kritisch sein könnten. Zudem gibt es heute Sensoren, die den Blutzucker in livetime tracken und so schnell einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr gewisser Lebensmittel und Symptomen wie Migräne feststellen können.

Zur Frage, ob personalisierte Ernährung im Umkehrschluss bedeute, dass allgemeingültige Ernährungsempfehlungen überholt sind, meint die Expertin im ZDF-Interview:

Hier finde tatsächlich gerade ein Umdenken bei den Ernährungsgesellschaften statt, Grundlage bleibe aber eine pflanzenbasierte Ernährung mit einem kleinen Anteil an tierischen Lebensmitteln. Von der wisse man heute, dass sie am besten geeignet sei, den Menschen und Planeten gesund zu halten. Es gibt aber zum Beispiel Menschen, die keine Hülsenfrüchte vertragen. Sie brauchen dann andere Proteinquellen. Nicht alles ist für alle gleichermaßen gut.

Es gibt auch Expertenmeinungen, die sagen, dass Betroffene ein genetisches Paket tragen. Das heißt, wie ein Gelenk geformt ist und wie die Qualität des Gewebes ist. Dazu kommt, dass die Abnützung bei dem einen schneller als bei einem anderen Betroffenen erfolge. Auch wenn das Gelenk gleich ausschaut, beide gleich gebaut sind und beide gleich viel Sport machen.

Zusammenfassend sei also die Gewebequalität eine unterschiedliche zwischen den zwei Patienten und dazu komme das genetische Grundpaket. Natürlich würden Bewegung, Ernährung, Gewichtsreduktion helfen.

Trotzdem würden sich Patient*innen innerhalb eines Korridors bewegen. Man könne nicht, was die Natur genetisch mitgegeben hat, komplett mit Ernährung umdrehen.

Man könne aber mit gesunder Ernährung und gesundem Lebensstil, das Maximum aus dem herausholen, was genetisch vorgegeben worden ist. Aber es nicht mit Ernährung oder Nahrungsergänzungsmitteln ungeschehen machen.

10 Gebote der gesunden ErnährungSich gesund zu ernähren bedeutet weit mehr, als Kalorien zu zählen und auf die richtigen Inhaltsstoffe von Speisen und Getränken zu achten.

Neben dem Fokus auf pflanzenbasierte Ernährung setzen aktuelle Empfehlungen zunehmend auch auf Nachhaltigkeit, Regionalität und Saisonalität von Lebensmitteln.

Die Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin (ÖAIE) hat 2023 die wichtigsten wissenschaftlichen Studien der letzten Jahre sowie aktuelle Ernährungsempfehlungen der WHO zusammengefasst und daraus 10 Gebote, die eine leicht verständliche Anleitung für gesunde Ernährung geben, entwickelt.

Die „10 Gebote der gesunden Ernährung“ stehen unter www.wissenschaftessen.at samt detaillierter Erläuterungen zum Download zur Verfügung.

 

Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.

Foto: privat

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