Skifahren mit Knieprothese und Teilschlitten
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Skifahren mit Knieprothese und Teilschlitten: Mein Mann kann`s

Zuletzt aktualisiert am 14. Februar 2020 von tirolturtle

Skifahren mit Knieprothese und Teilschlitten. Wie das möglich ist, zeigt das praktische Beispiel von Sportfotograf Erich Spiess. 

Wenn es um das Thema Skifahren mit Knieprothese und Teilschlitten geht, ist eine Grundvoraussetzung wichtig: Du solltest ein geübter Skifahrer oder Skifahrerin sein und den Grundsatz „allowed with experience“ beachten.

Weiters sollten Skifahrer mit Knie- oder Hüftprothesen schon vor dem Gelenkersatz auf Skiern gestanden sein. Neulingen ist das Skifahren mit Prothese nicht zu empfehlen.

Was das Thema Sicheres Skifahren mit Prothesen betrifft, empfehle ich dir meinen Blogbeitrag über die Initiative der Innsbrucker Praxis Gelenkpunkt.

Patienten mit künstlichen Knie- und Hüftgelenken können im Rahmen dieser Initiative an einem gemeinsamen Skitag teilnehmen und erhalten von Ärzten und Skilehrern Tipps.

Sicheres Skifahren mit Prothese: Skitag in Tirol

Zu diesen Patienten mit künstlichen Kniegelenken zählt auch meine bessere Hälfte Erich Spiess. Seit 2009 hat Erich eine Teilprothese, einen sogenannten Schlitten im rechten Knie.

Bis es zum Kniegelenkersatz kam, ging ein langer Leidensweg voraus mit jahrelangen Schmerzen, nächtlichem Wälzen im Bett, Bewegungseinschränkungen, Einnahme von Schmerzmitteln, Topfenwickel, Infiltrationen….

Bei Knieschmerzen sind Sportarten wie Radfahren und Rudern ideal. Das kam meinem Mann zugute, denn er liebt diese Sportarten. Auch das Golfen und moderates Wandern macht ihm Spass. Die Knieschmerzen aber waren ein steter Begleiter.

Das Skifahren liegt Erich im Blut. Eine eigene Skikarriere war angedacht, endete aber bereits im ersten Jahr im Skigymnasium in Stams mit einer schweren Knieverletzung.

Nach einer Fotolehre und erfolgreichen Meisterprüfung als Fotograf arbeitete Erich über viele Jahre als Pressefotograf für die österreichischen Tageszeitungen Kurier und Tiroler Tageszeitung.

Bis er sich als Sportfotograf selbständig machte und der Weg wieder zurück in den Skisport führte. Seither tourt mein Mann mit dem Skizirkus um die Welt und liefert für Medien und Kunden aus der Sportindustrie Actionbilder aus dem Skiweltcup.

Da ich gerade dabei bin diesen Blogbeitrag von 2015 zu überarbeiten, siehst du hier topaktuelle Bilder von der Weltcupsaison 2019/20 mit ÖSV-Läufer Fabio Gstrein und dem deutschen Abfahrtssieg von Thomas Dressen in Saalbach-Hinterglemm im Februar 2020.

 

Skifahren mit Knieprothese und Teilschlitten

 

Als Fotochef des Österreichischen Skiverbandes (u.a. auch langjähriger Foto-Koordinator des Olympic Team Austria) kümmert er sich um die Anliegen der internationalen Fotopresse, koordiniert Akkreditierungen, Foto-Standplätze, Ablauf der Siegerehrungen u.v.m.

Erich fährt also von Berufs wegen Ski. Und das nicht auf breit gewalzten und flachen Pisten, sondern häufig auf steilen, eisigen Hängen. Einen Weltcuphang zu befahren, ist für die sogenannte „Inspektion“ nötig.

Gemeinsam mit Verantwortlichen der FIS muss geklärt werden, wo und an welchen Plätzen die Fotografen auf einer Weltcup-Piste stehen und ihre Fotos schießen dürfen. Schließlich geht es auch um die Sicherheit der Fotografen.

Steht Erich selbst am Hang auf der Piste, sind häufig Steigeisen nötig. Immer mit dabei ein ca. 35 Kilo schwerer Foto-Rucksack. Um diesen Beruf ausüben zu können, muss man körperlich fit und vor allem ein sehr guter Skifahrer sein.

 

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Das mit dem Skifahren ist für meine bessere Hälfte kein Problem. Man sieht Erich beim Skifahren nicht an, dass ihn Knieprobleme plagen.

Das Talent für das Skifahren wurde ihm wohl  in die Wiege gelegt. Schließlich stammt mein Mann aus einer bekannten Zillertaler Skifahrerfamilie. Cousin Ulli Spiess hat als erster Ski-Athlet die Kamelbuckel auf der Saslong Weltcup Piste in Gröden übersprungen.

Das Talent für das Skifahren kann Erich in seinem Beruf gut gebrauchen. Vor allem kam es ihm zugute, als sich mein Mann entschied, das jahrelange Leiden rund um sein Knie zu beenden. Seit 2009 hat er eine Knieprothese bzw. einen Teilschlitten im rechten Knie.

Über diese Entscheidung ist er bis heute glücklich. Wie es zur  Entscheidungsfindung kam, welcher Leidensweg dem vorausging und welchen Erfolg die Knie-OP gehabt hat, dazu habe ich meinen Mann befragt:

Skifahren mit Knieprothese: Interview mit meinem Mann

Wie lange schon leidest du an Arthrose und in welchen Gelenken?

Erich Spiess: Ungefähr zehn Jahre vor meiner OP im Jahr 2009 begann das Leiden im rechten Knie.

Wie ist es dir über die Jahre damit ergangen?

Die Schmerzen, die immer schlimmer wurden habe ich, um meinen Job weiterhin ausüben zu können, über die Jahre mit Schmerzmittel, wie Voltaren bekämpft und zusätzlich alternative Behandlungsformen, wie z.B. Topfen auflegen, angewendet.

In welchen Bereichen hat dich die Arthrose am meisten eingeschränkt?

Am meisten beim bergab Gehen und besonders wenn ich mich auf den Weltcuppisten mit Steigeisen bewegen musste.

Bei welchen Tätigkeiten waren die Schmerzen am stärksten?

Besonders starke Schmerzen hatte ich beim Schuhe binden und beim Anziehen der Skischuhe.

Welche konservativen Therapien hast du über welchen Zeitraum angewendet?

Ich habe mich über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren mehrfach am Knie infiltrieren lassen. Zuerst nur 1 x im Jahr. Knapp vor der OP drei bis viermal im Jahr.

Wann kam die Überlegung für einen operativen Eingriff und weshalb?

Die Entscheidung für die OP reifte ca. ein Jahr davor. Ich konnte mittlerweile kaum noch schlafen und bin zwei bis dreimal pro Nacht vor lauter Schmerzen aus dem Schlaf erwacht.

Wie war die erste Reaktion des behandelnden Arztes?

Mein damals zuständiger Arzt war der Meinung, dass ich noch zu jung für ein künstliches Kniegelenk sei. Ich war damals 56 Jahre alt.

Warum hast du den Arzt gewechselt bzw. eine Zweitmeinung eingeholt?

Beim Einholen einer Zweitmeinung erklärte mir mein späterer Arzt, dass die Haltbarkeit von künstlichen Kniegelenken wesentlich höher sei als früher. Sein Argument, ab sofort schmerzfrei zu leben und eventuell in 10 bis 15 Jahren das Kniegelenk wieder auszutauschen, überzeugte mich voll.

Wer hat die OP schließlich durchgeführt und wo?

Prof. Dr. Christian Fink im Sanatorium Hoch Rum bei Innsbruck

Welche Operation wurde genau durchgeführt?

Es wurde eine Schlittenprothese im rechten Knie eingesetzt. Dabei handelt es sich um einen Teilersatz des Kniegelenks. Es ist eine kleine Variante einer Knieprothese und kommt infrage, wenn alle Bänder am Kniegelenk noch erhalten und funktionsfähig sind und bei einer einseitigen Abnutzung des Gelenksknorpels.

Wie war die anschließende Therapie und wie lange warst du im Krankenhaus?

Ich war zehn Tage im Sanatorium und begann schon am zweiten Tag nach der OP mit einer leichten Reha. Anschließend machte ich in der Sporttherapie Huber in Innsbruck drei bis viermal pro Woche über einen Zeitraum von ca. sechs Wochen eine Physiotherapie.

War die OP für dich erfolgreich?

Ja sehr.

Was hat sich geändert seit der OP?

Ich kann wieder durchschlafen und habe beim bergab Gehen keine Schmerzen mehr. Das ist zum einen in meinem Beruf wichtig. Ich muss ja mit den Steigeisen auf der Skipiste auch bergab gehen können. Es ist aber auch privat sehr wichtig, weil wir hier in Tirol viele schöne Wanderwege und Berggipfel haben und wir als Familie gerne gemeinsam wandern.

Die OP ist jetzt fast acht Jahre her. Immer noch zufrieden, keine Beschwerden?

Sehr zufrieden. Ich kann alles machen.

Würdest du die OP wieder und wenn ja früher machen?

Warum unnötig Schmerzen haben. Ich würde mich sofort wieder operieren lassen. Vielleicht hätte ich die OP sogar früher machen sollen.

Welche sind deine Lieblingssportarten?

Golfen, Radfahren, Wandern und Skifahren.

Bei welchem Sport bzw. Aktivität hat die OP die größte Verbesserung gebracht?

Beim Wandern. Früher war das Wandern eine einzige Qual. Heute habe ich keine Probleme damit, gehe aber immer und nach wie vor mit Stöcken bergab.

Hat dir das Skifahren jemals Probleme bereitet?

Früher hatte ich – für Außenstehende unsichtbar – beim Skifahren Schmerzen. Bereits sechs Monate nach der Knie-OP bin ich beim Skiweltcup-Opening in Sölden im Ötztal erstmals wieder auf Skiern gestanden. Vom ersten Schwung weg gab es überhaupt keine Probleme.

Wenn du auf vereisten Weltcup Pisten unterwegs bist, um deinen Beruf als Sportfotograf auszuüben, fürchtest du dich zu verletzen?

Ich muss jede noch so vereiste Weltcup Piste hinunterfahren. Keine Sekunde denke ich dabei an die Knieprothese.

Wie schaut es mit dem linken Knie aus? Schmerzen? Kommt das auch für eine Knie-OP in Frage?

Derzeit habe ich leichte Schmerzen. Falls diese zunehmen – sofort OP.

Deine Teilprothese kann mit einer Vollprothese ausgetauscht werden? Steht eine solche OP gefühlsmäßig schon bald ins Haus?

Derzeit habe ich nicht das geringste Problem.

Skifahren mit Knieprothese und Teilschlitten

Ski-WM St. Moritz Medaillen-Fotoshooting mit Bode Miller. © Andreas Blatter

Skifahren mit Knieprothese und Teilschlitten

Edit Februar 2020: Skifahren mit Prothese 

Seit der Veröffentlichung dieses Blogbeitrags im Jahr 2016 sind einige Jahre vergangen. Der 2009 im rechten Knie eingebaute Teilschlitten funktioniert immer noch einwandfrei.

Probleme aber bereiteten meiner besseren Hälfte in den letzten Jahren die einseitige Belastung. Diese entwickelte sich aufgrund starker Knieschmerzen und Arthrose Grad 4 im linken Knie. Die sogenannte Schonhaltung führte dazu, dass auch das „gute linke Knie“ mit dem implantierten Teilschlitten immer stärker in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Da die konservativen Therapien wie Bewegung, Gewichtsreduktion, Schmerzmittel, Infiltrationen, Topfen auflegen, etc. ausgeschöpft waren und keine Linderung brachten, hat sich Erich Anfang des Jahres 2019 für den künstllichen Gelenkersatz entschieden.

Im Mai 2019 wurde operiert. Erich erhielt eine Totalendoprothese im linken Knie. Bis es soweit war, hielt sich mein Mann mit Rudern und Radfahren fit. Das Skifahren stellte er über den Winter 2018/2019 nahezu komplett ein.

Seinen Beruf übt Erich, inzwischen Mitte 60, immer noch aus. Als Selbständiger macht ihm das Fotografieren und die Arbeit im Skizirkus immer noch Spass. Auf das Befahren von steilen, eisigen Hängen wird aber verzichtet.

Kooperationen mit anderen Fotografen machen es möglich, dass sich Erich auf „Jubelbilder“ im Zielbereich und seine Koordinationstätigkeit als Fotochef in den Pressezentren der Weltcup-Orte konzentrieren kann.

Nach der erfolgten Knie-OP im Mai 2019 wollte mein Mann im Winter 2019/2020 wieder auf Skiern stehen. So das erklärte Ziel. Dieses Ziel ließ sich fürs erste leider nicht verwirklichen.

Die OP verlief erfolgreich. Die Knieprothese sitzt richtig. Doch kam es in den Wochen nach der OP und vestärkt durch die Reha zu Komplikationen. Es hatte sich eine starke Arthrofibrose gebildet. Das entzündete Gewebe rund um das operierte Knie sorgte für erhebliche Beeinträchtigungen und Schmerzen.

Was bei Arthrofibrose hilft und wie man Arthrofibrose am Knie behandeln kann,  habe ich in einem extra Blogbeitrag zusammengefasst.

Arthrofibrose am Knie behandeln und heilen

Nur mit einer konsequenten Einstellung und einem von den behandelnden Ärzten geschnürten ganzheitlichem Behandlungskonzept war es möglich, die Arthrofibrose in den Griff zu bekommen.

Diese Konsequenz wurde belohnt. Musste Erich zum Start der Wintersaison 2019/2020 passen, war es im Februar 2020 erstmals so weit. Er stand wieder auf Skiern. Für ein, zwei kurze Fahrten auf einer gut präparierten, nicht eisigen Piste, kam das Glück wieder zurück.

Dieser Testversuch macht Erich sehr zuversichtlich. Skifahren ist seine Lieblingssportart. In Maßen und wenn die Voraussetzungen passen, wird das Skifahren wieder möglich sein.

Im Video siehst du Erich glücklich über ersten Testversuch auf Skiern. Das Video entstand im Februar 2020 während des Ski-Weltcups in Saalbach Hinterglemm.

 

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Fotos: Spiess, Blatter

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