Expertenwissen

Arthrose + Prothese + Skitag = sicheres Skifahren

In Tirol gibt es eine bemerkenswerte Initiative von Sportmedizinern. Arthrose-Betroffene mit künstlichen Kniegelenken werden zum gemeinsamen Skitag eingeladen und erhalten von Ärzten und Skilehrern Tipps für sicheres risikofreies Skifahren.

Gelenksabnützungen und -verletzungen in den Knien führen häufig zu chronischen Schmerzen. Am meisten wünschen sich Betroffene endlich wieder schmerzfrei zu sein und sich aktiv bewegen zu können. Das Implantieren einer Teil- oder Vollprothese ermöglicht ihnen das. Viele Patienten haben aber Angst davor, wie die Rückkehr in das aktive Leben nach dem Erhalt eines künstlichen Kniegelenkes aussehen wird.

Während sich das Alltagsleben in den meisten Fällen ungehindert fortführen lässt, steht hinter sportlichen Aktivitäten ein großes Fragezeichen. Vielleicht den geliebten Sport nicht mehr so ausüben zu können wie früher oder sogar ganz aufgeben zu müssen, löst zwiespältige, ja negative und traurige Gefühle unter den Betroffenen aus.

ConstantiniMayer

Beim Skitag 2013 dabei: der österreichische Fussballtrainer Didi Constantini (zwei Teilprothesen) und Karl Mayer (r.), Leiter der Tiroler Skischule Mutters-Natters (zwei Vollprothesen)

Verständlich. Hier bei uns in Tirol, aber auch in Österreich und im gesamten Alpenraum zählen Skifahren und Skitourengehen zu den beliebten Wintersportarten. Doch stellt Skifahren insbesondere für die (künstlichen) Kniegelenke eine doch belastungsintensivere Sportart dar. Auch das mit dem Skifahren verbundene Verletzungsrisiko ist hoch.

Früher war Skifahren verboten. Noch Ende der 90iger Jahre herrschte unter vielen Experten die Meinung vor, dass Patienten mit künstlichen Kniegelenken gar nicht Skifahren sollten. So wurde beispielsweise durch die Belastung beim Skifahren eine frühzeitige Lockerung der Prothese befürchtet. Diese Sichtweise hat sich Gott sei Dank geändert, nicht zuletzt aufgrund der heutigen medizinischen Möglichkeiten. Darüber aber in künftigen Blogbeiträgen mehr.

Was jedenfalls die Belastung und das Verletzungsrisiko beim Skifahren betrifft, hat sich in Tirol eine bemerkenswerte Initiative gebildet. Die Innsbrucker Sportmediziner Christian Fink, Christian Hoser und Peter Gföller laden in regelmäßigen Intervallen zum Skitag für Patienten mit Knieprothesen ein. Es geht darum, maximale Sicherheit bei sportlichen Aktivitäten zu geben und die Betroffenen dazu zu motivieren, nach dem Implantieren einer Teil- oder Vollendoprothese im Knie wieder aktiv und mit einem sicheren Gefühl Sport auszuüben.

Ich war als Beobachterin beim Skitag dabei. Ich selbst durfte mir im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit beim Skitag 2013 ein Bild davon machen, wie sich rund 40 Patienten aus ganz Österreich mutig die Pisten im Tiroler Skigebiet Mutterer Alm hinunter stürzten. Außenstehenden würde beim Zuschauen niemals auffallen, dass diese 50- bis über 80 Jahre alten Skifahrerinnen und Skifahrer alle eines gemein hatten: nämlich eine Teil- oder Totalendoprothese in einem oder in beiden Kniegelenken.

Neben den Ärzten dabei waren auch ausgebildete Tiroler Skilehrer dabei. Sie zeigten die Verletzungsrisiken auf und gaben Tipps und Hilfestellung, wie die Betroffenen ihre Skitechnik verbessern können. Schließlich sollte es darum gehen, sich mit einer Knieprothese auch auf der Skipiste wohl zufühlen und den Wunsch nach Mobilität in der Freizeit auch nach dem Implantieren einer Knieprothese nachkommen zu können.

Tipps für das Skifahren mit Knieprothese. Was ist nun zu beachten bei sportlichen Aktivitäten mit künstlichen Kniegelenken? Wie bei allen sportlichen Aktivitäten gilt, das Verletzungsrisiko gering zu halten. Es gilt weiters den Grundsatz „allowed with experience“ zu beachten. Das bedeutet, dass Betroffene schon vorher dem Implantieren einer Knieprothese auf Skiern gestanden sein sollen. Beim Skifahren selbst geht es darum, wie man mit einer Prothese richtig Ski fährt, wie man am besten belastet oder das Gewicht verteilt. Beim Skitouren Gehen ist besonders bei Bruchharsch die Verletzungsgefahr nicht außer Acht zu lassen.

 

 

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