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Arthrose

Wechsel von Knie- und Hüftprothesen: Fallzahlen wichtig

Zuletzt aktualisiert am 26. Oktober 2020 von tirolturtle

Wechsel von Knie- und Hüftprothesen: Die Fallzahlen wichtig. Das belegen zwei Studien, die im Journal of Arthroplasty veröffentlicht worden sind.

Beim Wechsel von Knie- und Hüftprothesen sind die Fallzahlen wichtig. Studien belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen Fallzahlen und Qualität beim Wechsel (Revision) von Hüft- und Knieprothesen gibt.

Das geht aus einer gemeinsamen aktuellen Pressemitteilung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC)  hervor. In einer Presseaussendung heißt es dazu:

  • Je häufiger der Wechsel einer Hüft- oder Knieprothese in einer Klinik durchgeführt wird, desto seltener kommt es zu Komplikationen oder Todesfällen.
  • Diesen Zusammenhang zwischen Fallzahl und Qualität bei Hüft- und Knieprothesenwechseln belegen nun zwei Studien des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), die im „Journal of Arthroplasty“ veröffentlicht worden sind.
  • Sie beruhen jeweils auf Analysen der Abrechnungsdaten von mehreren Tausend bei der AOK versicherten Patienten, bei denen die Prothese wegen Verschleiß oder Lockerung gewechselt werden musste.
  • Bisher lagen für beide Eingriffe kaum Daten zum sogenannten „Volume-Outcome-Zusammenhang“ vor.
  • Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) zeigen die Ergebnisse, dass Prothesenwechsel in spezialisierten Zentren durchgeführt werden sollten.

Hüftprothesenwechsel: mehr Komplikationen als bei Erst-Implantation

In die aktuelle Auswertung zum Hüftprothesenwechsel sind anonymisierte Daten aus rund 17.800 aseptischen Wechsel-OPs eingeflossen, die zwischen 2014 und 2016 bei mehr als 16.300 AOK-Versicherten stattfanden:

  • Die Operation ist deutlich komplikationsträchtiger als die Erst-Implantation einer Hüftprothese, denn häufig lässt sich das neue Implantat nach dem Entfernen der alten Prothese schwieriger verankern.
  • Das spiegelt sich in den Ergebnissen wider: Bei jeder siebten Operation musste innerhalb eines Jahres neu operiert werden. 2,6 Prozent der Patienten verstarben innerhalb von 90 Tagen nach dem Eingriff.
  • In Kliniken, die nur wenige Operationen pro Jahr durchführten, gab es höhere Komplikations- und Sterblichkeitsraten als in den Krankenhäusern mit hohen Fallzahlen.
  • So lag die Revisionsrate in Kliniken mit jährlich 12 oder weniger Fällen um ein Viertel höher als in Kliniken mit mindestens 53 Fällen pro Jahr, die Sterblichkeitsrate lag sogar um 113 Prozent höher.
  • Auch in Kliniken mit 13 bis 24 Eingriffen pro Jahr waren die Komplikationsraten um 18 bzw. 79 Prozent erhöht.

Wechsel von Knieprothesen: je mehr Fälle um so niedrigere Revisionsrate

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Auswertung zum Knieprothesenwechsel: Hier wurden Daten zu rund 23.600 aseptischen Wechsel-OPs zwischen 2013 und 2017 bei knapp 21.600 Patienten berücksichtigt:

  • Die Gesamtrate der Fälle, in denen innerhalb eines Jahres eine erneute, nicht geplante Operation notwendig war, lag bei 8,5 Prozent.
  • In Kliniken mit hohen Fallzahlen (mehr als 53 OPs pro Jahr) war die Revisionsrate mit 7,4 Prozent deutlich niedriger als in Kliniken mit niedrigen Fallzahlen (weniger als 12 OPs pro Jahr), die eine Revisionsrate von 9,4 Prozent aufwiesen.
  • Das entspricht einer Risikoerhöhung in Kliniken mit niedrigen Fallzahlen um das 1,44-fache.
  • Das Risiko für unerwünschte Ereignisse wie Blutungen oder Infektionen lag in der Gruppe der Kliniken mit den höchsten Fallzahlen (2,4 Prozent) ebenfalls niedriger als in der Gruppe der Kliniken mit den niedrigsten Fallzahlen (3,4 Prozent).

Wechsel von Knie- und Hüftprothesen in Deutschland:

Hüft- und Knieprothesenwechsel werden in Deutschland in sehr vielen Kliniken durchgeführt. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede bei den klinikbezogenen Fallzahlen. So wurden im Jahr 2017 in mehr als 1.100 Kliniken Hüftprothesen gewechselt.

Davon machten 537 Kliniken diese Operation höchstens 12 Mal im Jahr, das heißt im Mittel höchstens einmal im Monat. Bei den Knieprothesenwechseln fallen 621 der insgesamt rund 1.000 Kliniken, die Wechseloperationen durchführen, in diese Kategorie.

„Der Wechsel eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenks ist ein komplexer medizinischer Eingriff, der viel operative Erfahrung und spezielle medizinische Logistik erfordert,“

sagt Studien-Mitautor Prof. Andreas Halder, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und Ärztlicher Direktor der Sana Kliniken Sommerfeld.

„Diese planbaren Operationen werden nach dem Aufschub infolge der Coronavirus-Pandemie jetzt schrittweise wieder vermehrt durchgeführt. Die Studien zeigen, dass ein Prothesenwechsel in Kliniken mit höheren Fallzahlen seltener mit Komplikationen verbunden ist und daher in spezialisierten Zentren erfolgen sollte.“

In spezialisierten Zentren wie dem EndoProthetikZentrum (EPZ) sowie dem Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung (EPZmax) der DGOOC gelten bereits heute Mindestmengen für Wechseloperationen. So müssen in einem EPZmax mindestens 50 Wechseloperationen pro Jahr durchgeführt werden.

Der Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), Jürgen Klauber, fordert, weiter an der Qualitätsagenda für die Kliniken zu arbeiten und die aktuellen Mindestmengen-Regelungen auszuweiten:

„Die Einführung von gesetzlichen Mindestmengen für die Prothesenwechsel an Hüfte und Knie ist überfällig.“

 

  • Es sei unverständlich, dass nur für die deutlich komplikationsärmere Erstimplantation einer Knieprothese in Deutschland seit 2004 eine gesetzliche Mindestmenge von 50 Eingriffen gilt. Hier müsse dringend nachgebessert werden.
  • Mindestmengen werden vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erlassen und regeln, dass komplexe Operationen und Behandlungen in deutschen Kliniken nur dann durchgeführt werden dürfen, wenn dort Ärzte und ihre Teams ein Mindestmaß an Erfahrung haben.
  • Die Fallzahlen von Hüft- und Knieprothesenwechseln in den einzelnen deutschen Krankenhäusern werden im Webportal AOK-Krankenhausnavigator veröffentlicht. Falls in einer Klinik nur wenig solche Operationen durchgeführt werden, erfolgt ein Hinweis.
  • Für den Hüftprothesenwechsel werden bei ausreichender Fallzahl zusätzlich Komplikationsraten berichtet. Entsprechende Angaben für den Knieprothesenwechsel sind ab Oktober 2020 geplant.

Wechsel von Knie- und Hüftprothesen in Österreich:

Rund 1,4 Millionen Menschen sind in Österreich, etwa fünf Millionen in Deutschland von Arthrose betroffen.* Rund 40.000 endoprothetische Eingriffe allein in Österreich, stehen rund 400.000 Eingriffe in Deutschland gegenüber.

Dazu kommen weitere knapp 4.000 Operationen allein in Österreich, um künstliche Knie- oder Hüftgelenke auszuwechseln. Amerikanische Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Revisonsoperationen bis 2030 sogar um bis zu 600 % ansteigen wird.

Österreich liegt mit einer bevölkerungsbezogenen Implantationsdichte von 210 pro 100.000 Hüft-Total-Endoprothesen (HTEP), sowie 202 pro 100.000 Knie-Total-Endoprothesen (KTEP) im internationalen Spitzenfeld. Mehr dazu im Jahresbericht Knie- und Hüftendoprothetik in Österreich. **

  • Über das Portal Kliniksuche.at – Herausgeber ist das österreichische Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz – können Patienten das passende Krankenhaus für ihr Krankheitsbild finden.
  • Wählt man beispielsweise den Bereich „Bewegungsapparat“ aus und unter „Leistung/Diagnose“ den Begriff „Knieprothese“, erhalten Patienten eine Liste aller Krankenhäuser in Österreich mit Anzahl der Fälle und Bewertungskriterien. Dabei geht es darum, inwieweit Qualitätsmanagement, Risikomanagement oder Krankenhaushygiene in den Arbeitsalltag verankert sind.
  • Zertifizierte Endoprothetik Zentren oder Endoprothetik Zentren mit Maximalversorgung in Österreich oder Deutschland finden Betroffene auf www.endocert.de. Mehr dazu auch im Jahresbericht Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) 2019.
  • Dazu einfach auf www.endomap.de das gewünschtes Bundesland eingeben und ein Endoprothetik Zentrum wird angezeigt. Auch in Österreich.

 

Was der Stand der Dinge bei Fallzahlen, Revisionen, Komplikationen und die Qualität und Weiterentwicklung von Implantaten ist, erfährst du im großen  Interview mit Priv.-Doz. Dr. Jochen Hofstätter.

Spezialisiert auf Hüft-Endoprothetik plädiert der Wiener Gelenkexperte und Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie ganz klar für die Etablierung eines Endoprothesenregister Österreich.

Wie eine Revision aus Sicht von Betroffenen abläuft, kannst du in den persönlichen Erfahrungsberichten von Bloggerkollege Peter Herrchen zum Thema Komplett-Revision der Hüfte in 12 Kapiteln nachlesen.

Wem gehört eigentlich das Implantat? Über Eigentumsrechte an explantierten Medizinprodukten haben die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) sowie die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) Statements verfasst.

Wenn du noch mehr über Arthrose erfahren möchtest, dann empfehle ich dir meine persönlich recherchierte Liste über die 50 wichtigsten Gelenke-Portale im deutschsprachigen Raum, die Arthrose Hilfe und Information bieten.

 

* Quelle: Österreichische Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie.

**Quelle:  Bundesministerium Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz

Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.

Foto: Shutterstock

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