Endocert Prüfsiegel
Arthrose

EndoCert: was verspricht das Endoprothetik-Qualitätssiegel?

EndoCert ist ein Versprechen: Kliniken, die Hüft- und Knieprothesen implantieren, müssen die neuesten Erkenntnisse zum Patientenwohl integrieren.

Kann das EndoCert Prüfsiegel das Versprechen, stets die neuesten Erkenntnisse in klinische Abläufe zu integrieren, das übrigens auch für österreichische Kliniken mit dem EndoCert Zertifikat gilt, halten?

Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. sagt ja: Verlässlich hohe Qualität in der Hüft- und Knieendoprothetik ist das erklärte Ziel. Die bestmögliche Versorgung soll möglichst allen Patientinnen und Patienten zugutekommen.

Etwa 400.000 künstliche Hüft- und Kniegelenke setzen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland jedes Jahr ein. In Österreich sind es in etwa 40.000.

Schon jetzt können Patientinnen und Patienten von Standzeiten über 15 Jahren ausgehen, oftmals auch deutlich länger. Doch bei einem niedrigen Prozentsatz der Behandelten muss das Implantat vorzeitig gewechselt werden.

Die Gründe sind etwa Auskugelung des Gelenks, Infektionen, Lockerungen und Schmerzen. Oft liegen dem frühzeitigen Implantatversagen bekannte medizinische oder strukturelle Risiken zugrunde.

Was die medizinische Seite angeht, würden Studien zeigen, dass bestimmte Patientengruppen von vornherein ein höheres Risiko im Zusammenhang mit der Operation haben, etwa durch fortgeschrittenes Alter und Gebrechlichkeit, männliches Geschlecht, Adipositas, Voroperationen und Begleiterkrankungen wie Diabetes.

Die Versorgung müsse deshalb auch auf diejenigen ausgerichtet sein, die nicht ideal gesund und fit in den Eingriff gehen. Die Prothesen sollen möglichst lange halten und ihren Trägerinnen und Trägern eine gute und schmerzfreie Funktion bieten.

„Es ist deshalb notwendig, laufend den neuesten Stand der Wissenschaft zu Medizin und Strukturen in die Klinikabläufe zu integrieren“, sagt Professor Dr. med. Georgi Wassilew, AE-Generalsekretär und Direktor der Klinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie am Universitätsklinikum Greifswald.

Eine zentrale Voraussetzung für optimale Behandlungsergebnisse sei hohe Qualität und Erfahrung auf allen Versorgungsstufen, von OP-Vorbereitung bis Nachsorge.

Hier würden große Fallzahlen der Einrichtungen, verbunden mit einheitlichen, an neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgerichtete Qualitätsstandards Sicherheit und Orientierung bei der Wahl ihrer Klinik bieten.

Die EndoCert-lnitiative stellt eine qualitativ hochwertige Durchführung solcher Eingriffe sicher, heißt es über das „weltweit erste Zertifizierungssystem“ in der Endoprothetik auf der EndoCert Website.

Doch was ist EndoCert genau?

Um die Qualität der endoprothetischen Versorgung zu erhalten und zu verbessern, ist ein hohes Maß an Spezialisierung, Kompetenz und Erfahrung erforderlich.

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (DGOOC) hat mit der Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE) und dem Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) eine Initiative zur Zertifizierung medizinischer Einrichtungen für den Gelenkersatz entwickelt.

Dafür wurden 2009 – auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse – Kriterien aufgestellt, die zu einer Verbesserung der Versorgungsqualität und Erhöhung der Patientensicherheit bei der Implantation von Endoprothesen (künstlicher Gelenkersatz) führen sollen.

Nach zwei Pilotphasen, in denen die aufgestellten Kriterien intensiv überprüft wurden, startete das Verfahren im Oktober 2012.

Seither  haben medizinische Einrichtungen, die sich intensiv mit dem künstlichen Gelenkersatz beschäftigen, die Möglichkeit, sich nach Erfüllung der Anforderungen und einer zweitägigen Überprüfung (Audit) als EndoProthetikZentrum (EPZ) bzw. als EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung (EPZmax) zertifizieren zu lassen. 

EndoCert ist gleichzeitig auch ein„lernendes“ Zertifizierungssystem. Denn laut Eigenangaben der EndoCert Initiative ist die ständige Weiterentwicklung im Sinne eines lernenden Systems ein wesentliches Element. D.h. es basiert auf einem wissenschaftlich fundierten Anforderungskatalog zur Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Dieser stellt sicher, dass immer die neuesten Erkenntnisse zum Patientenwohl integriert sind. Jährliche Audits zum Erhalt des Zertifikats sind ebenso verplichtend

Während die Teilnahme von Kliniken am Endoprothesenregister Deutschand (EPRD) freiwillig ist, ist die Mitarbeit am EPRD für Kliniken, die das Prüfsiegel EndoCert tragen, verpflichtend.

Die im EPRD erfassten Daten bieten nicht nur Einblicke in die Qualität der verwendeten Implantate. Darüber hinaus ermöglichen sie die Beurteilung der Versorgungsqualität sowie Erkenntnisse zu Risikofaktoren von Patientinnen und Patienten. Die so gewonnenen Erkenntnisse kommen zukünftigen Prothesentragenden zugute.

Wie Dr. med. Holger Haas, Chefarzt Zentrum Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin am Gemeinschaftskrankenhaus Bonn und Vorsitzender der Zertifizierungskommission EndoCert betont, gehe es bei EndoCert um gelebte Qualität in der Endoprothetik, nicht um ein „Einmalzertifikat“.

Das Qualitätssiegel EndoCert stellt durch ein anspruchsvolles Zertifizierungsverfahren einheitliche Qualitäts- und Strukturstandards sicher. Mit Stand 2023 sind 44 Prozent der Endoprothesen-Kliniken in Deutschland nach EndoCert zertifiziert.

 

Auf der Website von EndoCert gibt es für Patientinnen und Patienten die Möglichkeit nach EndoProthetikZentren in:

  • Deutschland
  • Österreich
  • Schweiz
  • und Luxemburg

zu suchen. Dazu direkt auf der EndoCert Website aufrufen und im Menü auf den Punkt Patienteninfo klicken oder am rechten oberen Rand der Website auf den Button: Suchen Sie ein zertifiziertes EndoProthetikZentrum in Ihrer Nähe?

Die User werden dann auf EndoMap weitergeleitet – das ist eine Datenbank, in der alle zertifizierten Einrichtungen in Deutschland, Österreich und Schweiz aufgelistet sind.

Bei der Suche stehen das jeweilige Land (zwischen D, Ö, CH und LUX), Bundesland, Postleitzahl und Art der Einrichtung (EPZ oder EPZMax) zur Auswahl.

EndoCert: Gibt es zertifizierte Kliniken in Österreich?

In Österreich sind foglende EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung (EPZmax):

  • EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung Universitätsklinik für Orthopädie Innsbruck
  • EndoProthetikZentrum Orthopädie Ried
  • EndoProthetikZentrum Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern
  • EndoProthetikZentrum Kepler Universitätsklinikum Linz
  • EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung der Univ. Klinik für Orthopädie am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien
  • EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung Orthopädisches Spital Speising II. Orthopädische Abteilung

und folgende EndoProthetikZentrum (EPZ)) gelistet:

  • EndoProthetikZentrum Orthopädisches Spital Speising I. Orthopädische Abteilung
  • EndoProthetikZentrum Schwaz
  • EndoProthetikZentrum Villach
  • EndoProthetikZentrum am Herz-Jesu Krankenhaus Wien, I. Orthopädische Abteilung
  • EndoProthetikZentrum am Herz-Jesu Krankenhaus Wien, II. Orthopädische Abteilung

 

Beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik e.V. (AE) im Dezember 2023 in Leipzig, wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig Qualitätskriterien und Mindestmengen in der Endprothetik sind.

Experten beleuchteten die aktuellen Standards in der Endoprothetik und welche Rolle Zertifizierungen wie EndoCert, Registerarbeit beim EPRD, Mindestmengen und spezialisierte Zentren dabei spielen.

Sie zeigen auch auf, warum die AE in der deutschen Krankenhausstrukturreform die einmalige Chance sieht, verbindliche Qualitätsstandards wie das Prüfsiegel EndoCert und die Teilnahme am EPRD in der Breite der Versorgung zum Wohl aller Patientinnen und Patienten zu verankern.

Hier die Forderungen der Fachgesellschaft nach verpflichtenden Qualitätsstandards:

Höchstmögliche Behandlungsqualität und Patientenwohl müssen erste Priorität beim Ersatz von Hüft- und Kniegelenken haben.

Derzeit sind 44 Prozent der Endoprothesen-Kliniken in Deutschland nach EndoCert zertifiziert, knapp 500 Einrichtungen. Dies bedeutet deshalb nicht notwendigerweise, dass die nicht-zertifizierten schlechtere Arbeit machen, aber die Sicherheit gelebter Prozesse auf dem neuesten Stand haben Patientinnen und Patienten nur bei dem EndoCert-Siegel.

Wir setzen uns deshalb für die verpflichtende Einführung dieser Zertifizierung im Rahmen der Krankenhausstrukturreform ein. Eine Konzentration auf spezialisierte Kliniken mit adäquaten Mindestmengen ist „unverzichtbar“, um eine korrekte Indikation und eine korrekte Durchführung endoprothetischer Operationen zu garantieren.

In einem im Dezember 2023 erschienen Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt betont Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, ärztlicher Direktor des Herzogin Elisabeth Hospitals Braunschweig, Chefarzt der Orthopädischen Klinik, dass es erwiesen sei, dass die Bildung von Zentren und Mindestmengen die Qualität verbessern.

Es gebe zahlreiche Studien und Register, auch das deutsche Endoprothesenregister (EPRD), die klar einen Zusammenhang zwischen Mindestmenge und Qualität belegen.

Dabei verweist der Experte beispielhaft auf Schlittenprothesen, die im Jahresbericht des Endoprothesenregisters Deutschland eine „klare Überlegenheit“ der Kliniken mit mehr als 100 Versorgungen insbesondere zu den Kliniken mit weniger als 30 Versorgungen belegten.

Um noch einmal auf die Situation in Österreich zurückzukommen, gibt es nach derzeitigem Stand (2023) kein einheitliches Endoprothesenregister nach deutschem Vorbild.

Jedoch sind österreichische Krankenhäuser nach Endocert zertifiziert, siehe Liste oben. Beispielhaft möchte ich dazu die Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie Innsbruck anführen.

Auf der Suche nach einem EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung in Tirol wird die entsprechende Klinik angezeigt und kann man sich das Zertifikat inklusive Angabe der Leitung des EndoProthetikZentrums und Hauptoperateure ansehen und downloaden.

Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.

Quelle: Pressemappe der AE Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e.V.

Foto: Shutterstock

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