Infiltrationen Daumengelenk bei Rhizarthrose
Arthrose

Infiltrationen in das Daumengelenk: Mein Erfahrungsbericht

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Infiltrationen in das Daumengelenk bei Rhizarthrose. Mein persönlicher Erfahrungsbericht mit Kortison und Hyaluronsäure.

Es ist meine hartnäckige Rhizarthrose, deretwegen ich begonnen habe zu bloggen. Als selber Betroffene kann ich meine persönlichen Erfahrungen und Recherchen weitergeben. Neben Ergotherapie und Orthesen sind auch Infiltrationen in das Daumengelenk eine Behandlungsmöglichkeit.

Vor allem wenn die Schmerzen dauerhaft sind. Da braucht es aus meiner persönlichen Sicht eine Art Reset. Einen Neustart also. Dabei haben mir Infiltration in das Daumengelenk gut geholfen. Bei Rhizarthrose geht es ja nicht bloß um Schmerzen. Rhizarthrose geht häufig mit Kraftverlust einher.

Alltägliche Handgriffe werden zum Problem. Die Kraft lässt nach. Das Greifen wird immer beschwerlicher. Welche Beinträchtigen Rhizarthrose in den Daumengelenken verursachen kann, habe ich dir als persönliche Erfahrungsberichte zusammengefasst.

 

Ich kann morgens im Bad nicht schmerzfrei die Zahnpaste-Tube öffnen und abends im Bett kein Buch in den Händen halten. Dem höflichen Handschlag weiche ich aus.

Die Rhizarthrose bedroht auch meine berufliche Existenz. Meine Schreibfähigkeit ist nämlich verloren gegangen. Schreiben und Fotografieren ist aber mein Beruf. Beides kann ich zunehmend nicht mehr wie gewohnt ausführen. Als Journalistin muss ich bei Interviews oder Pressegesprächen mitschreiben können. Als Pressefotografin verfüge ich über eine professionelle Kamera. Aufgrund ihres Gewichtes kann ich sie nicht mehr in den Händen halten.

Das Kamera-Problem habe ich gelöst, indem ich mir ein extrem teures aber äußerst praktisches und hochwertiges Smartphone für Foto- und Videoaufnahmen zugelegt habe. Das Schreib-Problem löse ich, in dem ich Interviews mit dem Smartphone aufnehme.

 

Infiltrationen Daumengelenke Erfahungsbericht

Schwergewichtige Kamera gegen leichtgewichtiges Smartphone getauscht. Problem gelöst.

 

Kürzlich aber war ich am Passamt und musste für die Ausstellung eines neuen Passes unterschreiben. Die schmerzhafte Krakelei und die Erkenntnis, den Stift nicht mehr halten zu können, waren unangenehm.

Was also tun, wenn die Schmerzen bei Rhizarthrose dauerhaft sind. Meine persönliches Arthrose Selbstmanagement umfasst:

  • Ergotherapie
  • Orthesen
  • Einnahme Gewürzmischung Kurkuma, Kreuzkümmel, Koriander
  • Ernährungsumstellung (weniger Fleisch und Wurst)
  • Schmerzmittel (1x über mehrere Tage wegen starker Schmerzen in die Unterarme hinein)
  • Infiltrationen (2 x Kortison)
  • Infiltration (1x Kortison & Hyaluronsäure

 

 Infiltrationen in das Daumengelenk: mein Erfahrungsbericht

Meine erste Erfahrung mit Infiltrationen in das Daumengelenk habe ich mit Anfang 50 gemacht. Die Schmerzen wurden immer stärker. Auch das Tragen von Orthesen brachte keine Linderung. Die Infiltrationen in beide Daumengrundgelenke mit Kortison nahm der Innsbrucker Orthopäde Dr. Thomas Achammer vor.

Grundsätzlich ist aus Betroffenensicht ohne Umschweife zu sagen: Infiltrationen in das Daumengrundgelenk sind schmerzhaft und nicht zuletzt mit Kosten verbunden. Es gibt keine Garantie für die Wirkungsdauer. 

Eine weitere Infiltration in beide Daumengrundgelenke habe ich im Knorpelzentrum Wien vornehmen lassen. Wie kam es zu dieser „Spritztour nach Wien“? Im Zuge meiner Recherchen bin ich auf Prof. Stefan Marlovits vom Knorpelzentrum Wien gestoßen.

Prof. Marlovits hat sich umgehend bereit erklärt, ein Interview für unsere Plattform zu geben.  Im Blogbeitrag „Knorpelexperte Stefan Marlovits im Interview“ kannst du die Expertenmeinung zu modernen Behandlungsmöglichkeiten von Arthrose nachlesen. 

MRT- und Röntgenbefunde ergeben 2017 eine diagnostizierte Arthrose Grad 3-4 also eine Knorpelschädigung zwischen 75 und 100 Prozent.Tipp: Wie du deinen Arthrose-Grad besser verstehen kannst!

Es gibt bei Arthrose Beschwerden vier Grade von eins bis vier. Diese Kriterien wurden hauptsächlich für das Knie gemacht. Der vierte Grad bedeutet vereinfacht gesagt, dass der Knorpelabbau so weit fortgeschritten ist, dass Knochen an Knochen reibt.

  • Grad 1 höchstens 25 % Knorpelschädigung
  • Grad 2 bis zu 50 % Knorpelschädigung
  • Grad 3 bis zu 75 Knorpelschädigung
  • Grad 4 bis zu hundertprozentige Knorpelschädigung

 

Eine erste telefonische Befundung mit Prof. Stefan Marlovits vom Knorpelzentrum Wien ergibt, dass beim stärker betroffenen rechten Daumengrundgelenk langfristig wohl nur noch eine OP helfen wird. Prof. Marlovits rät, einen erfahrenen Handchirurgen zu kontaktieren.

  • Prof. Dr. Stefan Marlovits empfiehlt Dr. Jochen Erhart, Leiter der Ambulanz für Handchirurgie am AKH Wien
  • Dr. Christian Hoser, Facharzt für Unfallchirurgie bei Gelenkpunkt empfiehlt mir Dr. Markus Gabl in Innsbruck, Leiter der Handchirurgie an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie Innsbruck

Beim Beratungstermin bei Dr. Markus Gabl in Innsbruck erhalte eine kompetente Analyse, die sich mit der telefonischen von Prof. Dr. Marlovits deckt. Das rechte Handgelenk müsste operiert werden, wenn eine Linderung der Schmerzen erwünscht ist.

In meinem Fall könnte es sein, dass die Kraft im Handgelenk ein wenig zurückkehrt. Der Eingriff nennt sich Resektionsarthroplastik. Dazu aber später mehr, sollte ich mich für diese Behandlungsmethode entscheiden.

Infiltrationen in das Daumengelenk: Mein Erfahrungsbericht 

Da ich im Juli 2017 beruflich nach Wien musste, beschloss ich kurzerhand Prof. Marlovits persönlich kennen zu lernen. Spontan erhielt ich im Knorpelzentrum Wien einen Termin. Und so begann meine Spritztour von Innsbruck nach Wien.

Spritztour deshalb, weil mein Besuch im Knorpelzentrum Wien in der Heiligenstätterstrasse vis-a-vis vom Privatambulatorium Döbling – auf meinen Wunsch hin – mit einer Infiltration in mein rechtes Daumengrundgelenk verbunden sein sollte. Im direkten Arztgespräch erfahre ich mehr über den Zustand meiner Daumengelenke, die Möglichkeit einer OP und neuen Behandlungsmöglichkeiten.

 

Infiltration Daumengelenk Erfahrungsbericht

Spritztour nach Wien: Infiltration in das rechte Daumengrundgelenk

 

An neuen Behandlungsmöglichkeiten bietet das Knorpelzentrum Wien im Juli 2017 als erste Praxis in Österreich ein neues Kombinationspräparat an. Der Mix aus Hyaluronsäure und Kortison zur Behandlung von Arthrose ist in erster Linie für das Knie vorgesehen.

Persönlich möchte ich einen Versuch wagen und die neue „Single-Shot-Therapie“ bei meinem rechten Daumengrundgelenk ausprobieren. Prof. Dr. Marlovits klärt mich entsprechend auf. Aus meine vorigen Infiltrationen in beide Daumengelenke weiß ich. Infiltrationen können helfen, müssen aber nicht. Auch ist es unterschiedlich wie lange die Wirkungsdauer anhält.

Die Infiltration selbst, muss ich zugeben, war extrem schmerzhaft. Das gesamte Handgelenk war nach der Infiltration arg beleidigt. Die doch starken Schmerzen hielten bis zum nächsten Tag an. Das Auftragen einer Schmerzcreme brachte umgehend Linderung. Beim nächsten Mal sofort auftragen! So mein Fazit.

Infiltrationen Daumengelenk Erfahrungsbericht

Spritztour nach Wien: eine schmerzhafte Erfahrung aber guter Wirkung.

 

Das weltweit erste 2in 1-Präparat wurde in erster Linie für das Kniegelenk, also große Gelenk entwickelt. Auch wenn für das Daumengelenk nur eine äußerst geringe Dosis verwendet wird, kann dies eventuell der Auslöser für die starken Schmerzen nach der Infiltration sein.

Doch sobald die Infiltrationsschmerzen nachließen, spürte ich eine deutliche Veränderung meiner Arthroseschmerzen. Noch während meines Aufenthaltes in Wien begann ich – ganz unbewusst aber doch auffällig – Gegenstände wieder so zu greifen wie früher. Von der Zahnbürste bis zum Föhn, vom Besteck bis zum Stift, von der Geldtasche bis zum Handy.

Infiltration in das Daumengelenk: erstes Resümee

Mein erstes Resümee nach nunmehr fünfwöchigem Abstand zur Infiltration in das Daumengelenk mit Kortison und Hyaluron lautet: Ich finde das Ergebnis für mich persönlich höchst erfreulich. Mein rechtes Daumengelenk ist schmerzfrei.

Die schmerzhafte Infiltration war es wert, auch wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen kann, wie lange die Wirkung noch anhalten wird. 

Was hat die Single Shot Therapie mit Cingal noch bewirkt: 

  • Ich kann wieder alltägliche Handgriffe nahezu schmerzfrei ausführen. 
  • Ich kann wieder Handgriffe in einer Art tätigen, die bisher nicht mehr möglich war.
  • Ich kann morgens im Bad schmerzfrei die Zahnpasta-Tube drücken und mir schmerzfrei die Zähne putzen.
  • Ich kann in der Dusche schmerzfrei das Duschgel drücken,  waschen und die Haare schmerzfrei waschen.
  • Ich kann den Haushalt wieder schmerzfrei erledigen.
  • Ich kann aber nach wie vor keine Flaschen, etc. öffnen. Das hat aber nichts mit der Spritze oder den Schmerzen zu tun, sondern mit der völligen Kraftlosigkeit im rechten Daumengelenk.
  • Was mir besonders auffällt ist die wiedergewonnene Beweglichkeit.
  • Ich konnte bisher kaum noch den Daumen vom Handgelenk abspreizen. Auch das geht wieder besser.
  • Ich kann mich nach dem Duschen schmerzfrei eincremen.
  • Ich kann meine Schmink-Utensilien halten und benutzen.
  • Und vor allem kann ich wieder einen Stift halten und mit der rechten Hand schreiben!
  • Und ich kann wieder meinen geliebten Golfsport ausüben und den Golfschläger zumindest mir der rechten Hand schmerzfrei halten. Bei sportlicher Überbeanspruchung jedoch spüre ich Schmerzen, die jedoch einen Tag später wieder verschwunden sind. 

 

Infiltrationen in das Daumengelenk: das Präparat 

Interview mit Prof. Dr. Stefan Marlovits zur Infiltration :

Was unterscheidet die Cingal-Einzelinjektionstherapie von bisherigen Therapieformen?

Prof. Dr. Stefan Marlovits: „Cingal ist das weltweit erste Kombinationspräparat aus Hyaluronsäure und Cortison zur Behandlung der Arthrose. Die zwei Wirkstoffe verabreicht in einer Spritze sollen für eine sofortige und lang anhaltende Schmerzlinderung sorgen. Das Cortison bremst dabei die Entzündung, die Hyaluronsäure stärkt die Beweglichkeit des Gelenks.“

Warum wurde das Medikament in dieser Form entwickelt?

Prof. Dr. Stefan Marlovits: „Cortison ist das Standard-Therapeutikum in der Behandlung von Arthrose und in zig Studien seit Jahren belegt. Auch zur Hyaluronsäure gibt es sehr viele Studien. Folgerichtig kam der Gedanke beides fix in einer Spritze zu kombinieren. Dazu sind in den USA sehr aufwändige Studien durchgeführt worden und aufgrund dieser Studienergebnisse ist das Mittel von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) und der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen.“

Für welche Gelenke und Arthrosebeschwerden eignet sich das 2in 1-Präparat?

Prof. Dr. Stefan Marlovits: „Es ist für das Kniegelenk zugelassen. Das heißt andere Gelenke sind derzeit noch nicht in der offiziellen Zulassung. Man kann aber versuchen in Analogie zu dem was man beim Knie gelernt hat, auch auf andere Gelenke anzuwenden. Selbstverständlich ausschließlich in Absprache und mit Zustimmung des Patienten. Ich bin sicher, dass es weitere Studien auch zu kleineren Gelenken, wie dem Daumen- oder Großzehengrundgelenk geben wird.“

Welche Erfahrungswerte gibt es in Ihrer Praxis?

Prof. Dr. Stefan Marlovits: „Wir haben das Präparat als erstes bekommen, weil wir uns hier im Knorpelzentrum intensiv mit dem Thema Knorpel und Arthrose auseinandersetzen, angefangen von konservativen und operativen Therapien, physiotherapeutischen Übungsprogrammen bis hin zur biologischen Knorpelflächenreparatur beschäftigen. Wir haben das Cingal jetzt seit ca. vier Monaten im Einsatz und bisher über 90 % zufriedene Patienten.

Wofür wird es angewendet?

Prof. Dr. Stefan Marlovits: In erster Linie wenden wir es im Knie an. Es gibt aber bereits auch einige Rhizarthrose-Patientinnen und Patienten mit Arthrose im Großzehengrundgelenk. Das Feedback, das uns die Patienten geben, klingt vielversprechend. Vor allem berichten uns die PatientInnen von mehr Beweglichkeit, weniger Beschwerden und Schmerzen.“

Was kostet die Behandlung mit Cingal?

Prof. Dr. Stefan Marlovits: „Die Single Shot Therapie kostet 300,– Euro. Die Kosten werden derzeit nicht von den Krankenkassen übernommen. Der nächste Schritt muss sein, dass man es auch in Österreich von den Krankenkassen ersetzt bekommt. Das wird noch Zeit brauchen. Zumindest haben wir es und die erste Ergebnisse sind sehr vielversprechend.“

Welcher Behandlungszyklus ist vorgesehen? Wie oft kann man die Therapie anwenden?

Prof. Dr. Stefan Marlovits: „Einmal in sechs Monaten und höchstens zweimal im Jahr. Ist jemand schmerzfrei oder hat kaum Beschwerden, wird man sich nach der einmaligen Injektion richten.“

Für wen eignet sich die Single Shot Therapie?

Prof. Dr. Stefan Marlovits: „Wie gesagt, zugelassen ist Cingal für das Kniegelenk. Es zeigt vielversprechende Ergebnisse beim Arthrosegrad 2-3, wenn noch ein bisschen an Restknorpel vorhanden ist. Bei Arthrose Grad IV im Knie würde ich es nicht mehr empfehlen. Wir haben auch gute Erfahrungen beim Hüftgelenk und beim Zehengroßgrundgelenk gemacht. Eine gezielte Infiltration in die Hüfte erfolgt mit Hilfe eines Bildwandlers (spezielles Röntgengerät), um das Präparat exakt an den Schmerzpunkt zu setzen.“

Wird sich die Therapie mit Cortison und Hyaluron in einem Präparat durchsetzen?

Prof. Dr. Stefan Marlovits: „Die Kombination aus zwei Wirkstoffen in einem Präparat ist eine vielversprechende Methode bei starker Arthrose. Bei der PRP-Therapie (Platelet Rich Plasma = eine biologische Methode, die körpereigene Zellen benutzt) wissen wir, dass die beste Indikation auch Arthrosegrad 2-3 ist zumindest im Knie. Daher kann man auch eine jährliche Kombination von beidem überlegen. Also einmal Cingal und dann eine Kur mit PRP. Aber das kommt auf jeden einzelnen Patienten an und es fehlen auch noch die Erfahrungswerte dazu. Das Ziel ist immer ohne OP über die Runden zu kommen und die Patienten schmerzarm und beweglich zu halten.“

 

Offenlegung: Dieser Blogbeitrag ist in Kooperation mit dem Knorpelzentrum Wien entstanden. Die Infiltration habe ich unentgeltlich erhalten. Das Präparat namens Cingal wird von Haemo Pharma vertrieben. Auf der Homepage des österreichischen Unternehmens gibt es eine pdf-Datei zur Information über die Wirkungsweise als Download.

Bitte beachte: Der vorliegende Blogbeitrag und das Interview dienen ausschließlich zur allgemeinen Information. Die Inhalte dieses Blogbeitrages beschreiben subjektive Erfahrungen, sind keine Empfehlung und ersetzen weder Diagnose, Untersuchung noch das persönliche Arztgespräch. Medizinische Fragen solltest du grundsätzlich immer mit dem Arzt/Ärztin deines Vertrauens klären.

Fotos: Barbara Egger

 

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