Menschen mit Arthrose

Arthrose, Skizirkus & Sportfotograf

Mit künstlichem Kniegelenk auf vereisten Weltcuppisten unterwegs. Das geht, wenn man ein guter Sportfotograf und ebensolcher Skifahrer ist.

Arthrose Skizirkus Sportfotograf. Also einen Blick in heimische Schlafzimmer sollte man auf jeden Fall werfen, wenn man über Arthrose und ein künstliches Kniegelenk spricht. Denn wer Kniearthrose hat oder hatte kann ein Lied davon singen: über nächtliches Wälzen im Bett wegen der Schmerzen im Knie. Aber auch Angehörige eines/einer Betroffenen mit Kniearthrose können davon ein Lied singen: Wälzt sich das Gegenüber nächtens im Bett wird man selbst davon wach.

Arthrose Skizirkus Sportfotograf

Fotochef Ski WM Schladming 2013

Die nächtliche Unruhe ist aber nur eine Facette im Leben von Menschen mit Arthrose. Selbst von Rhizarthrose betroffen, kenne ich Knie-Arthrose nicht bloß vom Hörensagen. Mein Mann und Lebenspartner, nennen wir ihn Herrn E., litt jahrelang daran. Erste Reihe Fuß drei durfte ich ihn beim Einnehmen von Schmerztabletten, beim Auflegen von Topfen, bei Arztterminen zum Infiltrieren, bei der Unlust zu Wandern oder beim Nachdenken über eine Knie-OP erleben, bis er 2009 ein künstliches Kniegelenk bekam und seither Herrn E.`s Arthrose bei uns zu Hause eigentlich kein Thema mehr ist.

Arthrose Skizirkus Sportfotograf

Hahnenkammrennen Kitzbühel Jänner 2016

Was ich an Herrn E. immer bewundert habe, ist seine Art Skizufahren. Nie habe ich ihn auch nur ein einziges Mal beim Skifahren jammern oder klagen hören. Weder während der jahrelangen Arthrose-Schmerzphase noch seit der im Jahr 2009 erfolgten Knie-OP. Herr E. fegt über die Pisten, wie ein junger Gott bzw. hat Gott ihm das Talent ein Super Skifahrer zu sein, wohl in die Wiege gelegt. Schließlich stammt Herr E. aus einer bekannten österreichischen Skifahrerfamilie. Das Talent kann Herr E. in seinem Beruf gut gebrauchen.

Arthrose Skizirkus Sportfotograf

Auf den internationalen Weltcuppisten unterwegs mit 35 kg schweren Fotorucksack, Steigeisen und künstliches Kniegelenk

Als Sportfotograf und ÖSV-Foto-Koordinator muss Herr E. pickelhart vereiste Skipisten befahren, auf Weltcuphängen wie Kitzbühel, Flachau oder Schladming Fotoplätze für die internationale Weltpresse koordinieren und natürlich auch selbst mit Steigeisen auf der Pisten wie auf der Saslong in Gröden oder Kitzbüheler Streif, Stars wie Marcel Hirscher, Hannes Reichelt, Lindsey Vonn oder Aksel Lund Swindal fotografieren. Und das mit 62 Jahren und einem ca. 35 Kilo schweren Foto-Rucksack am Rücken. Hut ab vor dieser Leistung!

 

Interview mit Herrn E. über Arthrose Skizirkus Sportfotograf

und sein künstliches Kniegelenk: 

Wie lange schon leidest du an Arthrose und in welchen Gelenken?

Herr E: Ungefähr zehn Jahre vor meiner OP im Jahr 2009 begann das Leiden im rechten Knie.

Wie ist es dir über die Jahre damit ergangen?

Herr E: Die Schmerzen, die immer schlimmer wurden habe ich, um meinen Job weiterhin ausüben zu können, über die Jahre mit Schmerzmittel, wie Voltaren bekämpft und zusätzlich alternative Behandlungsformen, wie z.B. Topfen auflegen, angewendet.

In welchen Bereichen hat dich die Arthrose am meisten eingeschränkt?

Herr E : Am meisten beim Berg ab gehen und besonders wenn ich mich auf der Weltcuppisten mit Steigeisen bewegen musste.

Bei welchen Tätigkeiten waren die Schmerzen am stärksten?

Herr E: Besonders starke Schmerzen hatte ich beim Schuhe binden und beim Anziehen der Skischuhe.

Welche konservativen Therapien hast du über welchen Zeitraum angewendet?

Herr E: Ich habe mich über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren Jahren am Knie infiltrieren lassen. Zuerst nur 1 x im Jahr. Knapp vor der OP drei bis viermal im Jahr.

Arthrose Skizirkus Sportfotograf

Ski WM St. Moritz – Medaillen-Fotoshooting mit Bode Miller. Herr E. im roten Anorak © Andreas Blatter

Wann kam die Überlegung für einen operativen Eingriff und weshalb?

Herr E: Die Entscheidung für die OP reifte ca. ein Jahr davor. Ich konnte mittlerweile kaum noch schlafen und bin zwei bis dreimal pro Nacht vor lauter Schmerzen aus dem Schlaf erwacht.

Wie war die erste Reaktion des behandelnden Arztes?

Herr E: Mein damals zuständiger Arzt war der Meinung, dass ich noch zu jung für ein künstliches Kniegelenk sei. Ich war damals 56 Jahre alt.

Warum hast du den Arzt gewechselt bzw. eine Zweitmeinung eingeholt?

Herr E: Beim Einholen einer Zweitmeinung erklärte mir mein späterer Arzt, dass die Haltbarkeit von künstlichen Kniegelenken wesentlich höher sei als früher. Sein Argument, ab sofort schmerzfrei zu leben und eventuell in 10 bis 15 Jahren das Kniegelenk wieder auszutauschen, überzeugte mich voll.

Arthrose Skizirkus Sportfotograf

Sportfotograf im internationalen Skizirkus

Wer hat die OP schließlich durchgeführt und wo?

Herr E: Dr. Christian Fink im Sanatorium Hoch Rum bei Innsbruck

Welche Operation wurde genau durchgeführt?

Herr E: Es wurde eine Schlittenprothese im rechten Knie eingesetzt. Dabei handelt es sich um einen Teilersatz des Kniegelenks. Es ist eine kleine Variante einer Knieprothese und kommt in Frage, wenn alle Bänder am Kniegelenk noch erhalten und funktionsfähig sind und bei einer einseitigen Abnutzung des Gelenksknorpels.

Arthrose Skizirkus Sportfotograf

Fotokoordinator Skiweltcup

Wie war die anschließende Therapie und wie lange warst du im Krankenhaus?

Herr E: Ich war zehn Tage im Sanatorium und begann schon am zweiten Tag nach der OP mit einer leichten Reha. Anschließend machte ich in der Sporttherapie Huber in Innsbruck drei bis viermal pro Woche über einen Zeitraum von ca. sechs Wochen eine Physiotherapie.

War die OP für dich erfolgreich?

Herr E: Ja sehr.

Was hat sich geändert seit der OP?

Herr E: Ich kann wieder durchschlafen und habe beim Bergabgehen keine Schmerzen mehr. Das ist zum einen in meinem Beruf wichtig. Ich muss ja mit den Steigeisen auf der Skipiste auch bergab gehen können. Es ist aber auch privat sehr wichtig, weil wir hier in Tirol viele schöne Wanderwege und Berggipfel haben und wir als Familie gerne gemeinsam wandern.

Die OP ist jetzt fast acht Jahre her. Immer noch zufrieden, keine Beschwerden?

Herr E: Sehr zufrieden. Ich kann alles machen.

Arthrose Skizirkus Sportfotograf

Artikel in der Tiroler Tageszeitung

Würdest du die OP wieder und wenn ja früher machen?

Herr E: Warum unnötig Schmerzen haben. Ich würde mich sofort wieder operieren lassen.

Vielleicht hätte ich die OP sogar früher machen sollen.

Welche sind deine Lieblingssportarten?

Herr E: Golfen, Radfahren, Wandern und Skifahren.

Bei welchem Sport bzw. Aktivität hat die OP die größte Verbesserung gebracht?

Herr E: Beim Wandern. Früher war das Wandern eine einzige Qual. Heute habe ich keine Probleme damit, gehe aber immer und nach wie vor mit Stöcken bergab.

 

Arthrose Skizirkus Sportfotograf

ÖSV-Einkleidung 2014, Tiroler Tageszeitung

 

Hat dir das Skifahren jemals Probleme bereitet?

Herr E: Früher hatte ich – für Außenstehende unsichtbar – beim Skifahren Schmerzen. Bereits sechs Monate nach der Knie-OP bin ich beim Skiweltcup-Opening in Sölden im Ötztal erstmals wieder auf Skiern gestanden. Vom ersten Schwung weg gab es überhaupt keine Probleme.

Hast du keine Angst, wenn du auf vereisten Weltcuppisten deinen Beruf als Sportfotograf ausübst, dass irgendetwas passieren könnte und du dich am Knie verletzen könntest?

Herr E: Ich muss jede noch so vereiste Weltcup Piste hinunterfahren. Keine Sekunde denke ich dabei an die Knieprothese.

Wie schaut es mit dem linken Knie aus? Schmerzen? Kommt das auch für eine Knie-OP in Frage?

Herr E: Derzeit habe ich leichte Schmerzen. Falls diese zunehmen – sofort OP.

Deine Teilprothese kann mit einer Vollprothese ausgetauscht werden? Steht eine solche OP gefühlsmäßig schon bald ins Haus?

Herr E: Derzeit habe ich nicht das geringste Problem.

 

Im Video ein Ausschnitt aus dem Arbeitsalltag: „Schleifenpanne in Flachau“

 

Auf den Fotos Einblicke in den Arbeitsalltag: ÖSV-Einkleidung 2014

Fotos: Spiess, Blatter

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