Zuletzt aktualisiert am 26. Juli 2026 von tirolturtle
Wenn die Finger schmerzen, können unterschiedliche Ursachen dahinterstecken. Zwischen Arthrose, Arthritis und Co. liegt die Herausforderung, genau hinzuschauen.
Es beginnt oft leise: ein Glas, das sich schwerer öffnen lässt, ein Reißverschluss, der nicht mehr so geschmeidig geht. Finger, die steif wirken, schmerzen oder sich nicht mehr so bewegen lassen, wie man es gewohnt ist.
Was steckt dahinter?
Fingerbeschwerden gehören zu den häufigen Beschwerden im Alltag – und doch sind sie medizinisch nicht immer leicht einzuordnen.
Arthrose, Rheuma, Polyarthritis? Die Begriffe sind schnell genannt, doch die genaue Diagnose ist oft alles andere als einfach.
Die Hand ist – anders als etwa das Knie – ein komplexes System aus vielen kleinen Gelenken, Sehnen, Bändern und Nerven.
Und genau deshalb können hier unterschiedlichste Erkrankungen und Beschwerden auftreten.
Bei einer Arthrose entwickeln sich Veränderungen im Gelenk meist über längere Zeit. Schmerzen können sich beispielsweise bei Belastung bemerkbar machen, nach Ruhephasen kann Steifigkeit auftreten und im Laufe der Zeit können sich auch knöcherne Veränderungen entwickeln.
Rheumatoide Arthritis ist dagegen eine entzündlich-rheumatische Autoimmunerkrankung. Schmerzen, Schwellungen, Überwärmung und Steifigkeit können auftreten, häufig sind mehrere Gelenke betroffen. Eine länger anhaltende Morgensteifigkeit kann ein Hinweis auf eine entzündliche Gelenkerkrankung sein.
Dazu kommen andere Erkrankungen, die sich an der Hand bemerkbar machen können:
- Psoriasis-Arthritis, häufig verbunden mit Schuppenflechte
- Morbus Dupuytren, eine Bindegewebserkrankung mit Veränderungen in der Hohlhand
- Sehnenscheidenentzündungen, die ebenfalls Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen können
Was diese unterschiedlichen Krankheitsbilder verbindet: Gerade am Anfang kann es schwierig sein, Beschwerden selbst richtig einzuordnen. Umso wichtiger ist es, bei anhaltenden oder ausgeprägten Beschwerden genauer hinzuschauen und die Ursache medizinisch abklären zu lassen.
Fingerschmerzen: Ein genauer Blick macht den Unterschied
Schmerzen in den Fingern, Steifigkeit am Morgen oder Beschwerden bei Bewegungen können unterschiedliche Ursachen haben. Zwei davon sind Arthrose und rheumatoide Arthritis.
Arthrose ist eine Erkrankung des gesamten Gelenks, bei der sich Knorpel und andere Gelenkstrukturen verändern können. Typisch sind unter anderem Schmerzen bei Belastung und Bewegungseinschränkungen.
Auch Schwellungen können auftreten. An den Händen können sich im Laufe der Zeit knöcherne Verdickungen und Veränderungen der Gelenkform entwickeln.
Rheumatoide Arthritis funktioniert anders. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen und es kommt zu Entzündungen in den Gelenken. Schmerzen, Schwellungen, Überwärmung und Steifigkeit sind mögliche Beschwerden.
Häufig sind mehrere Gelenke betroffen, oft auch auf beiden Körperseiten.
Die Beschwerden lassen sich allerdings nicht allein anhand einzelner Symptome eindeutig zuordnen.
Manche Menschen können zudem sowohl Arthrose als auch eine entzündlich-rheumatische Erkrankung haben. Deshalb ist eine gute differenzialdiagnostische Abklärung entscheidend.
Andere Ursachen für Beschwerden in der Hand
Nicht immer ist es klar „Arthrose“ oder „Rheuma“. Es gibt eine ganze Reihe von Erkrankungen, die ebenfalls an der Hand auftreten – manche ähneln der Arthrose, andere zeigen sich ganz anders.
Psoriasis-Arthritis: Diese entzündlich-rheumatische Erkrankung kann bei Menschen mit Schuppenflechte auftreten. Auch Finger können betroffen sein.
Morbus Dupuytren: Dabei verändert sich das Bindegewebe der Handinnenfläche. Im Verlauf können sich Finger zunehmend in eine Beugestellung ziehen und die Handfunktion beeinträchtigen.
Tendovaginitis: Eine Sehnenscheidenentzündung kann Schmerzen entlang einer Sehne verursachen und Bewegungen erschweren. Die Beschwerden gehen dabei nicht vom Gelenk selbst aus.
Bei entzündlichen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis hat sich in den vergangenen Jahren viel getan.
Moderne Medikamente – sogenannte DMARDs – können den Krankheitsverlauf beeinflussen und Gelenkschäden entgegenwirken. Siehe Erklärung: Disease-modifying anti-rheumatic drug.
Im Podcast „Hörgang“ von Springer Medizin gemeinsam mit der MedUni Wien spricht Rheumatologe Univ.-Prof. Dr. Daniel Aletaha über diese Entwicklungen.
Bei Arthrose stehen solche krankheitsmodifizierenden Medikamente bislang nicht in vergleichbarer Weise zur Verfügung.
Die Behandlung umfasst je nach Situation unterschiedliche Ansätze – beispielsweise Bewegung, Ergo- und Physiotherapie sowie weitere konservative und medizinische Behandlungsmöglichkeiten.
MedMedia und das Rheuma Magazin bieten dazu fundierte Artikel:
- Medikamentöse Therapiemöglichkeiten bei Fingerpolyarthrosen
- Regenerative physikalische Therapien bei Arthrose
- Was tun, wenn jeder Handgriff schmerzt?
Erosive Handarthrose
Auch die erosive Handarthrose (EHOA) zeigt, dass die Abgrenzung zwischen Arthrose und entzündlichen Gelenkerkrankungen nicht immer so einfach ist.
Sie betrifft vorwiegend die Fingerend- und Fingermittelgelenke und kann mit ausgeprägten entzündlichen Veränderungen, Schmerzen, Schwellungen und strukturellen Gelenkveränderungen einhergehen.
EHOA ist dennoch keine rheumatoide Arthritis, sondern eine Form der Handarthrose. Gerade deshalb ist bei entzündlich wirkenden Beschwerden an den Fingergelenken eine genaue Diagnose wichtig.
Polyarthrose oder Polyarthritis
Polyarthrose bedeutet, dass mehrere Gelenke von Arthrose betroffen sind. An der Hand können beispielsweise mehrere Fingerend- und Fingermittelgelenke, Daumengelenke oder Gelenke der Handwurzel betroffen sein.
Polyarthritis bedeutet dagegen, dass mehrere Gelenke entzündet sind. Eine mögliche Ursache ist die rheumatoide Arthritis.
Die Begriffe beschreiben also unterschiedliche Vorgänge und sollten nicht miteinander gleichgesetzt werden.
Welche Formen von Arthrose an der Hand auftreten können – von Rhizarthrose über Heberden- und Bouchardarthrose bis zur Arthrose der Handwurzel – sind im Beitrag „Arthrose in den Daumen und Fingergelenken: Welche Arten gibt es und was hilft?“ zusammengefasst.
Was können Betroffene tun?
Bei anhaltenden Schmerzen, Schwellungen oder Steifigkeit der Finger ist zunächst wichtig zu wissen, was hinter den Beschwerden steckt. Besonders bei Verdacht auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung ist eine frühzeitige medizinische Abklärung wichtig.
Bei Handarthrose spielen Bewegung, der Erhalt der Handfunktion und ein individuell abgestimmtes Selbstmanagement eine wichtige Rolle.
Hilfreich können je nach individueller Situation beispielsweise sein:
- Ergotherapie und Handtraining
- geeignete Übungen und Gelenkschutz
- Orthesen und Alltagshilfen
- Wärme- oder Kälteanwendungen je nach Beschwerdesituation
- Information und Aufklärung über die eigene Erkrankung
Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von Diagnose und Beschwerden ab.
Lesetipp: Was tun bei Heberdenarthrose, Bouchardarthrose und Rhizarthrose?
Eine persönliche Perspektive auf das Thema Handarthrose – inklusive der Graubereiche zwischen Diagnose, Funktionseinschränkung und Mitwirkungsgrad – findest du hier:
TV-Tipp: Die Sendung Visite (NDR) widmete sich ebenfalls dem Thema Finger- und Gelenkschmerzen. Was hinter steifen Fingern stecken kann – und welche Therapien helfen – zeigt dieser Beitrag: Steife Finger, schmerzende Gelenke – was hilft?
Wenn die Hand im Fokus steht –
Eindrücke von der 41. Rheumatagung in Saalfelden
Ich war als Herausgeberin des Arthrose Magazins zur 41. Rheumatagung in Saalfelden dabei – auf Einladung des Ludwig Boltzmann Institut für Arthritis und Rehabilitation.
Die Tagung fand im Reha-Zentrum Saalfelden statt und wurde vom LBI gemeinsam mit der Pensionsversicherung (PV), der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation (ÖGR) sowie der Ärztekammer für Salzburg veranstaltet.
Im Mittelpunkt: die rheumatischen Erkrankungen der Hand, ihre Diagnose, Therapie – und vor allem ihre Bedeutung im klinischen Alltag.
Auf den Fotos:
Organisatorin Priv.-Doz. Mag. Dr. Bibiane Steinecker-Frohnwieser, PVA-Chefärztin Dr.in Monika Mustak-Blagusz, Rheumatologin Dr. Astrid Maria Schmidt, Peter Hübler TRB Chemedica Austria, Gesundheitsjournalistin Barbara Egger-Spiess…
Prim. Dr. Martin Pelitz, ärztlicher Leiter des Reha-Zentrums Bad Hofgastein, gab spannende Einblicke in die handspezifische Rehabilitation.
In seinem Vortrag betonte er die besondere Denkweise, mit der in der modernen Reha gearbeitet wird – individuell, interdisziplinär und mit einem klaren Ziel: Funktion erhalten, Selbstständigkeit fördern, Lebensqualität verbessern.
Besonders interessant war die Beschreibung der Reha-Praxis bei Handarthrosen wie Rhizarthrose, Heberden- oder Bouchard-Arthrose.
Patient:innen erhalten dort 2.400 Therapieminuten – aufgeteilt auf aktive und passive Maßnahmen, Einzel- und Gruppentherapien sowie Schulungen.
Wie sich diese Reha konkret anfühlt, schildert eine betroffene Patientin sehr anschaulich in diesem Handarthrose-Erfahrungsbericht aus Bad Hofgastein.
Die Fortbildung selbst war hervorragend organisiert – Priv.-Doz. Mag. Dr. Bibiane Steinecker-Frohnwieser, Senior Scientist am LBI, leitete durch das wissenschaftliche Programm.
Der Bogen spannte sich von Rückenschmerz in der Rheumatologie bis zum Themenblock „Knoten & Verdickung“ – ein interdisziplinärer Blick darauf, was Hände über rheumatische Erkrankungen verraten können.
Ein besonderer Höhepunkt war der Vortrag von Prim. Dr. Wolfgang Halder, Abteilungsleiter für Innere Medizin und Akutgeriatrie am LKH Hochzirl, zum Thema Hand als diagnostischer Spiegel. Sein Titel: „Küss die Hand – ein galanter Weg zur Diagnose rheumatischer Erkrankungen“.
Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.
Foto: Shutterstock KI

















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