Zuletzt aktualisiert am 23. Mai 2026 von tirolturtle
Moderne Knorpeltherapien bei Kniearthrose: Arthrosamid, Hyalofast, ChondroFiller & Co – fundierte Übersicht über aktuelle Entwicklungen und neue Therapieansätze.
Kniearthrose zählt zu den häufigsten degenerativen Gelenkerkrankungen, die viele Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit und Lebensqualität einschränken.
Doch die medizinische Forschung schläft nicht: In den letzten Jahren wurden zahlreiche innovative regenerative Therapien entwickelt, die darauf abzielen, den Gelenkverschleiß zu verlangsamen, Schmerzen zu lindern und die Funktionalität des Knies zu verbessern – und das oft ohne chirurgischen Eingriff.
Von revolutionären Gelenkinjektionen bis hin zu regenerativen Mikrogel-Technologien: Hier gibt es eine kompakte Übersicht über die neuesten Präparate und was sie leisten können.
Welche Arten moderner Knorpeltherapien gibt es?
Neue Therapien bei Knorpelschäden verfolgen unterschiedliche Ansätze. Manche sollen Schmerzen lindern und Entzündungen reduzieren, andere versuchen, den Knorpel tatsächlich zu regenerieren oder zu ersetzen. Grob lassen sich moderne Verfahren heute in mehrere Kategorien einteilen:
Injektionstherapien:
Dabei werden Wirkstoffe oder Hydrogele direkt in das Gelenk injiziert. Sie sollen Schmerzen reduzieren, die Gelenkschmierung verbessern und teilweise auch regenerative Prozesse unterstützen. Beispiele sind Arthrosamid, KiomedinevsOne oder neue Hydrogele in klinischer Entwicklung.
Biologische Gerüstmaterialien (Scaffolds):
Hier wird ein biologisches oder synthetisches Material in den Knorpeldefekt eingebracht. Dieses „Gerüst“ soll körpereigene Zellen anlocken und den Aufbau neuen Knorpelgewebes ermöglichen. Beispiele sind Hyalofast, ChondroFiller oder CaReS®-1S.
Zellbasierte Therapien:
Bei diesen Verfahren werden körpereigene Knorpelzellen entnommen, im Labor vermehrt und später wieder implantiert. Ein bekanntes Beispiel ist die autologe Chondrozytentransplantation (ACT) mit Präparaten wie Spherox.
Knorpelersatz durch Transplantate:
Hier wird geschädigter Knorpel direkt ersetzt – entweder durch körpereigenes Gewebe oder durch Spenderknorpel (Allograft). Dazu gehören Verfahren wie osteochondrale Transplantationen oder Produkte wie ProChondrix CR.
Forschungs- und Zukunftstechnologien:
Dazu zählen Gentherapien, Bioengineering oder sogenannte „Joint-on-a-Chip“-Modelle. Sie werden derzeit entwickelt, um neue Medikamente und Therapien gezielter zu testen.
Die folgende Übersicht zeigt aktuelle Beispiele aus diesen unterschiedlichen Bereichen der modernen Knorpelmedizin.
Moderne Knorpeltherapien bei Kniearthrose
1. Arthrosamid
Was ist das? Arthrosamid ist ein innovatives, injizierbares Hydrogel auf Basis von Polyacrylamid. Es wird einmalig direkt ins Kniegelenk gespritzt und verbleibt dort dauerhaft – im Gegensatz zu Hyaluronsäure, die sich mit der Zeit abbaut.
Wie hilft es? Das Gel bildet ein weiches, elastisches Gerüst in der Gelenkinnenhaut (Synovia) und reduziert so Entzündung, Schmerz und Reibung. Die Wirkung kann über mehrere Jahre anhalten. Studien und ärztliche Erfahrungen berichten von 4 bis 5 Jahren Schmerzlinderung nach nur einer Injektion.
Was ist besonders? Die Injektion erfolgt ambulant unter sterilen Bedingungen und mit Ultraschallkontrolle. Sie dauert nur wenige Minuten und erfordert keine Operation oder Narkose. Laut Dr. Wolfram Steens (ONZ Dortmund) kann „eine einzige Anwendung langfristig schmerzlindernd wirken“. Arthrosamid unterscheidet sich deutlich von Hyaluronsäure: Während diese nur wenige Monate hilft, ist das Hydrogel deutlich beständiger und regeneriert sich nicht, sondern bleibt als Implantat im Gelenk.
Was kostet Arthrosamid? Die Behandlung mit Arthrosamid ist derzeit nicht kassenfinanziert und wird sowohl in Deutschland als auch in Österreich als Privatleistung angeboten. In deutschen Medien (z. B. Die WELT, 2025) wird der Preis mit rund 1.850,– Euro für eine einmalige Injektion angegeben.
Auch in Österreich ist Arthrosamid über spezialisierte Kliniken oder orthopädische Zentren erhältlich. Die genauen Kosten können je nach Anbieter variieren. Eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse ist aktuell nicht vorgesehen.
Für wen ist das interessant? Vor allem für Menschen mit moderater Kniearthrose unter 70 Jahren, bei denen eine Operation noch nicht infrage kommt – aber konservative Maßnahmen wie Schmerzmittel oder Bewegungstherapie nicht mehr ausreichen.
Beim internationalen Fachkongress für Osteoporose und Arthrose (WCO-IOF-ESCEO 2024) in Rom wurden erstmals 10-Jahres-Sicherheitsdaten und 5-Jahres-Wirksamkeitsdaten zu Arthrosamid vorgestellt. Die klinischen Ergebnisse bestätigen eine langanhaltende Schmerzlinderung nach nur einer Injektion sowie eine sehr gute Verträglichkeit auch über lange Zeiträume hinweg. Die präsentierende Arbeitsgruppe rund um Prof. Henning Bliddal vom Parker Institute in Kopenhagen sieht darin eine vielversprechende Option für Patient:innen mit Kniearthrose – insbesondere, wenn konservative Therapien nicht mehr wirken, aber ein Gelenkersatz noch zu früh ist.
Wie schnell wirkt es? Laut Angaben des Herstellers kann bereits innerhalb von 24 Stunden eine erste Schmerzlinderung eintreten. Die volle Wirkung entfaltet sich in der Regel innerhalb von vier bis acht Wochen nach der Injektion – und kann laut Studien bis zu fünf Jahre anhalten.
Verfügbarkeit in Österreich: Arthrosamid® ist als Medizinprodukt der Klasse IIa für Europa zugelassen und wird in Österreich über die Joint Operations Medical GmbH vertrieben.
Hersteller/Infos: Contura International
2. Hyalofast
Was ist das? Hyalofast ist eine dünne, flexible Membran aus Hyaluronsäure – einem Stoff, der auch natürlich im Gelenk vorkommt. Die Membran wird bei einem kleinen operativen Eingriff direkt auf die beschädigte Knorpelstelle im Knie gelegt und bildet dort ein Gerüst, das die körpereigene Regeneration unterstützt.
Wie hilft es? Zusammen mit körpereigenem Knochenmarkkonzentrat (BMAC), das reich an Stammzellen ist, hilft Hyalofast dem Körper, an Ort und Stelle neuen, funktionsfähigen Knorpel aufzubauen. Studien belegen, dass Patienten selbst viele Jahre nach der Behandlung deutlich weniger Schmerzen haben und wieder sportlich aktiver sind.
Was ist besonders? Der Eingriff ist nur einmal nötig („One-Step-Verfahren“), es wird kein zusätzliches Gewebe entnommen. Besonders beeindruckend: Eine 14-Jahres-Studie zeigte Verbesserungen bei Lebensqualität, Schmerz, Sportfähigkeit und Gelenkfunktion – unabhängig vom Alter oder der Größe des Knorpelschadens. Update 2026: Hyalofast ist seit 1. Jänner 2026 im österreichischen LKF-System als abrechenbare Krankenhausleistung erfasst; ob und in welchem Umfang Kosten übernommen werden, hängt jedoch weiterhin von Klinik, Indikation und individuellem Behandlungssetting ab.
Für wen ist das interessant? Ideal für Menschen mit lokal begrenzten Knorpelschäden – etwa nach Unfällen oder bei beginnender Arthrose. Besonders geeignet für sportlich aktive Patient:innen zwischen ca. 18 und 55 Jahren, die langfristig mobil bleiben möchten.
Hersteller/Infos: Anika Therapeutics / Haemo Pharma
3. ChondroFiller® liquid
Was ist das? ChondroFiller® liquid ist eine flüssige Kollagenmatrix, die bei einer Gelenkspiegelung direkt in den Knorpeldefekt eingebracht wird. Innerhalb weniger Minuten geliert die Flüssigkeit und bildet ein stabiles biologisches Gerüst für die körpereigene Regeneration.
Wie hilft es? Das Kollagen dient als „Leitschiene“ für körpereigene Zellen, die in den Defektbereich einwandern. Dort entwickeln sie sich weiter zu Knorpelzellen (Chondrozyten) und bilden funktionales Knorpelgewebe – ohne dass zusätzlich Zellen entnommen oder im Labor gezüchtet werden müssen.
Was ist besonders? Die Methode ist minimalinvasiv, schnell anwendbar und zellfrei. Es ist kein Fibrinkleber nötig, keine zweite Operation – und der Eingriff kann komplett arthroskopisch erfolgen. Über 20.000 Behandlungen weltweit wurden bereits durchgeführt.
Für wen ist das interessant? Vor allem für Patient:innen mit klar begrenzten Knorpeldefekten – etwa nach Sportunfällen oder im frühen Arthrosestadium. Besonders geeignet für alle, die eine sanfte, aber wirkungsvolle Behandlung ohne Zellmanipulation suchen. Wichtig ist: ChondroFiller® liquid eignet sich eher für einzelne, abgegrenzte Knorpelschäden und nicht für eine weit fortgeschrittene, großflächige Kniearthrose.
Hersteller/Infos: Meidrix Biomedicals
4. GNSC-001 (Genascence)
Was ist das? GNSC-001 ist eine sogenannte Gentherapie – ein innovativer Behandlungsansatz, bei dem ein therapeutisches Gen direkt in das Kniegelenk injiziert wird. Ziel ist es, die Entzündungsprozesse bei Arthrose dauerhaft zu unterbrechen.
Wie hilft es? Die Therapie bringt das Kniegelenk dazu, ein spezielles Eiweiß namens IL-1Ra selbst zu produzieren. Dieses blockiert entzündungsfördernde Substanzen im Gelenk – ganz ohne tägliche Medikamente. In ersten Studien zeigte eine einzige Injektion eine spürbare Wirkung über mehrere Monate hinweg.
Was ist besonders? GNSC-001 greift direkt in die Krankheitsmechanismen ein – es behandelt nicht nur die Symptome, sondern adressiert die Ursache: chronische Entzündung. Das Verfahren ist besonders vielversprechend, weil es eine langfristige Wirkung mit nur einer Anwendung verbindet.
Für wen ist das interessant? Für Menschen mit entzündlich geprägter Arthrose – etwa bei häufigen Schüben, Gelenkschwellungen oder starker Reaktion auf Belastung. Besonders geeignet für alle, die Kortison & Co. nicht dauerhaft nehmen möchten.
Hersteller/Infos: Genascence Corporation
5. KiomedinevsOne (Kiomed)
Was ist das? KiomedinevsOne ist eine innovative Gelenkinjektion, die auf einem besonderen pflanzlichen Wirkstoff basiert: Carboxymethyl-Chitosan – ein biokompatibles Material, das ursprünglich aus der Meeresbiotechnologie stammt. Die Substanz wird als Gel direkt ins Kniegelenk gespritzt.
Wie hilft es? Die Injektion wirkt entzündungshemmend, verbessert die Gelenkschmierung und reduziert den Arthroseschmerz. Besonders interessant ist der Einsatz bei sogenannter „refraktärer Arthrose“, also Arthroseformen, bei denen andere Therapien nicht mehr ausreichend helfen.
Was ist besonders? Die Therapie ist tierfrei, benötigt nur eine einzige Injektion und wurde speziell für schwierige Arthroseverläufe entwickelt. Erste Studien zeigen gute Verträglichkeit und vielversprechende Resultate bei Patient:innen, die bereits vieles ausprobiert haben.
Für wen ist das interessant? Für Menschen mit chronischen, therapieresistenten Knieschmerzen – also solchen, die weder auf Hyaluronsäure noch auf Kortison gut ansprechen und eine neue, schonende Option suchen.
Hersteller/Infos: Kiomed Pharma
6. Hydrocelin (Allegro Biotech)
Was ist das? Hydrocelin ist ein neu entwickeltes, injizierbares Hydrogel, das speziell zur Behandlung von Kniearthrose entwickelt wurde. Es soll das Gelenk mechanisch entlasten und gleichzeitig biologische Regeneration fördern.
Wie hilft es? Das Gel wird direkt in das betroffene Kniegelenk injiziert, wo es sich an die Gelenkstruktur anpasst. Es wirkt als Puffer und Schutzfilm über dem geschädigten Knorpel – so werden Reibung, Entzündung und Schmerz reduziert. Gleichzeitig schafft das Hydrogel ein günstiges Umfeld für die körpereigene Heilung.
Was ist besonders? In präklinischen Studien wurde eine sehr gute Verträglichkeit gezeigt, ohne Hinweise auf Gewebeschädigung oder Toxizität – selbst nach längerer Beobachtungszeit. Das Produkt hat ein sauberes Sicherheitsprofil und wird aktuell für eine große klinische Studie vorbereitet.
Für wen ist das interessant? Für Menschen mit mäßiger bis fortgeschrittener Kniearthrose, die eine alternative Option zur Operation suchen und langfristig mobil bleiben möchten. Auch interessant für alle, die auf der Suche nach einer modernen Injektionstherapie mit biologischer Wirkung sind.
Hersteller/Infos: Allegro Biotech
7. CaReS®-1S
Was ist das? CaReS®-1S ist ein innovatives Knorpel-Implantat aus hochreinem Kollagen, das wie ein biologisches Gerüst in den Knorpeldefekt eingesetzt wird. Es soll körpereigene Zellen anziehen und sie dabei unterstützen, neuen, hochwertigen Knorpel zu bilden.
Wie hilft es? Die poröse Matrix wird direkt in die beschädigte Stelle eingebracht. Dort regt sie den Körper an, eigene Knorpelzellen (Chondrozyten) einzuschleusen und funktionellen hyalinen Knorpel aufzubauen – also genau den Typ, der das Gelenk ursprünglich auskleidet.
Was ist besonders? Im Gegensatz zu vielen älteren Verfahren entsteht kein minderwertiger Faserknorpel. Das Implantat ist zellfrei, formbar und kann individuell auf die Defektgröße angepasst werden – bis zu 8 cm². Es wird in einem einzigen Eingriff eingebracht und mit Fibrinkleber fixiert.
Für wen ist das interessant? Für Patient:innen zwischen 18 und 60 Jahren mit lokal begrenzten Knorpelschäden – etwa nach Verletzungen oder bei isolierten Defekten mit stabilem Knorpelrand. Nicht geeignet bei generalisierter Arthrose oder entzündlichen Erkrankungen.
Hersteller/Infos: Arthro Kinetics / SpongioTech
8. Hy2Care
Was ist das? Ein neuartiges Hydrogel, das direkt in den beschädigten Knorpelbereich eingebracht wird. Es klebt sich dort regelrecht an und bildet eine Schutzschicht, die den Heilungsprozess unterstützt.
Wie hilft es? Das Gel stabilisiert die betroffene Stelle im Gelenk, reduziert mechanische Belastung und fördert gleichzeitig die natürliche Knorpelheilung.
Was ist besonders? Das Gel muss nicht vernäht oder verklebt werden, es passt sich dem Defekt an und zersetzt sich später von selbst.
Für wen ist das interessant? Besonders für Patienten mit frischen Knorpelverletzungen oder nach Gelenk-Operationen, wo der Knorpel erhalten bleiben soll.
Hersteller/Infos: Hy2Care B.V.
9. Knorpelaufbau mit Ohrknorpel (AMT®-Methode)
Was ist das? Eine innovative Methode zur biologischen Knorpelregeneration ist die sogenannte Autologe Matrixtherapie (AMT®). Dabei wird Knorpelgewebe aus der Ohrmuschel entnommen, in einer speziellen Nährlösung aktiviert und anschließend ins geschädigte Kniegelenk injiziert. Ziel ist es, durch die körpereigenen Knorpelzellen regenerative Prozesse im Gelenk anzustoßen, ohne operativen Eingriff, ohne Vollnarkose.
Was ist besonders? Die Behandlung eignet sich vorwiegend bei lokalen Knorpelschäden oder früher Arthrose (Stadium I–II), wenn Schmerzen bei Belastung auftreten, aber noch kein vollständiger Knorpelverlust vorliegt.
Die Methode wird unter anderem von Dr. Richard Malousek in Wien angeboten – in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Biotech-Unternehmen HBE HealthCare, das auf minimalinvasive Therapien für Knorpel- und Gelenkschäden spezialisiert ist.
Hersteller/Infos: HBE HealthCare
10. COPLA®-Implantat
Was ist das? COPLA® ist ein elastisches Knorpelimplantat aus einem resorbierbaren Polymernetz, das direkt in den Knorpeldefekt eingenäht wird. Es stabilisiert die beschädigte Stelle und soll die Regeneration unterstützen – besonders bei Patienten mit frühem Gelenkverschleiß.
Wie hilft es? Das Implantat passt sich flexibel an die Bewegungen im Gelenk an und schützt die Defektstelle vor weiterer Abnutzung. Es fördert die Einheilung körpereigener Zellen und baut sich mit der Zeit vollständig ab.
Was ist besonders? COPLA® kombiniert mechanische Stabilität mit biologischer Verträglichkeit – ohne verbleibendes Implantatmaterial. In einer europäischen Multicenter-Studie (2024–2026) wird es derzeit umfassend geprüft. Erste Patienten in Österreich (BKH Kufstein) wurden bereits behandelt.
Für wen ist das interessant? Vor allem für jüngere Patient:innen mit klar umschriebenem Knorpeldefekt, die eine biologische Alternative zu klassischen Implantaten suchen.
Hersteller/Infos: Askel Healthcare
Mehr über COPLA®: Hintergründe, Patientenbeispiele und Studieninfos findest du im Beitrag:
Knorpelschaden und Arthrose: Hilft das COPLA-Implantat?
11. ProChondrix® CR
Was ist das? ProChondrix® CR ist ein kryokonserviertes osteochondrales Allograft – also ein Knorpel-Knochen-Transplantat aus Spendergewebe. Es wird verwendet, um beschädigten Gelenkknorpel zu ersetzen, etwa bei lokalen Knorpeldefekten im Knie.
Wie hilft es? Das Implantat besteht aus lebendem hyalinem Knorpel mit darunterliegendem Knochenanteil. Es wird während der Operation auf die passende Größe zugeschnitten und in den Knorpeldefekt eingesetzt. Ziel ist es, die Gelenkoberfläche wieder mit funktionsfähigem Knorpel zu rekonstruieren und dadurch Schmerzen zu reduzieren sowie die Beweglichkeit zu verbessern.
Was ist besonders? Das Transplantat wird mit einem speziellen Kryokonservierungsverfahren hergestellt und bei −80 °C gelagert. Studien zeigen, dass selbst nach zwei Jahren Lagerung noch eine Chondrozyten-Vitalität von rund 95 % erhalten bleiben kann. Das Implantat ist „off-the-shelf“ verfügbar und kann in einer einzigen Operation eingesetzt werden – ohne vorherige Zellzüchtung im Labor.
Für wen ist das interessant? Vor allem für Patient:innen mit größeren oder tieferen Knorpeldefekten, bei denen klassische Verfahren wie Mikrofrakturierung nicht ausreichen. Osteochondrale Allografts werden häufig bei jüngeren oder sportlich aktiven Menschen eingesetzt, die eine gelenkerhaltende Therapie suchen.
Hersteller/Infos: AlloSource
12. Agili-C™ (CartiHeal)
Was ist das? Agili-C™ ist ein neuartiges Implantat zur Behandlung von Knorpel- und Knochenläsionen im Knie. Es besteht aus einem porösen Kalzium-Karbonat-Gerüst, das direkt in den Knorpeldefekt eingesetzt wird.
Wie hilft es? Das Implantat wirkt als biologisches Gerüst, das körpereigene Stammzellen aus dem Knochenmark anzieht. Diese sollen sich im Implantat ansiedeln und dort neuen Knorpel und Knochen bilden.
Was ist besonders? Agili-C ist ein zellfreies Implantat, das in einer einzigen Operation eingesetzt wird. In klinischen Studien zeigte es bessere funktionelle Ergebnisse als klassische Mikrofraktur-Behandlungen bei größeren Knorpeldefekten.
Für wen ist das interessant? Vor allem für Patient:innen mit größeren Knorpelschäden im Knie, bei denen Mikrofrakturierung oder einfache Knorpelglättung nicht ausreichen.
Hersteller/Infos: CartiHeal (Israel / USA)
13. Joint-on-a-Chip (Chiron)
Was ist das? „Joint-on-a-Chip“ ist keine direkte Therapie, sondern eine neue Technologie zur Erforschung von Gelenkerkrankungen. Dabei werden menschliche Gelenkstrukturen – etwa Knorpel, Knochen und Gelenkflüssigkeit – im Miniaturformat auf einem Chip nachgebaut.
Wie hilft es? In diesen Chips kann man sehr genau untersuchen, wie Arthrose entsteht und wie verschiedene Medikamente wirken. Das verbessert die Forschung enorm – vor allem, weil man auf Tierversuche verzichten und stattdessen menschliches Gewebe nutzen kann.
Was ist besonders? Chiron hat ein System entwickelt, das nicht nur Zellen, sondern auch echte Bewegungen simulieren kann – wie beim Gehen oder Treppensteigen. So lässt sich erforschen, wie Knorpel auf Belastung reagiert und welche Behandlungen tatsächlich helfen.
Für wen ist das interessant? Auch wenn Patient:innen nicht direkt mit dieser Technologie behandelt werden, profitieren sie langfristig davon: Neue Therapien können gezielter entwickelt und schneller zugelassen werden.
Hersteller/Infos: Chiron B.V.
Alle aktuellen Knorpeltherapien im direkten Vergleich
| Produkt / Verfahren | Therapieform | Anwendung | Für wen geeignet | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Arthrosamid | Dauerhaftes Hydrogel-Implantat | Einmalige Injektion ins Kniegelenk | Moderate Kniearthrose, meist < 70 Jahre | Bleibt dauerhaft im Gelenk, langanhaltende Schmerzlinderung über mehrere Jahre |
| Hyalofast | Hyaluronsäure-Matrix + BMAC | Operative Einbringung (One-Step) | Jüngere, sportlich aktive Personen mit Knorpeldefekt | Langzeitdaten bis 14 Jahre, Kombination mit Knochenmarkkonzentrat |
| ChondroFiller® liquid | Flüssige Kollagenmatrix (zellfrei) | Arthroskopische Applikation | Lokale Knorpeldefekte, frühe Arthrose | Zellfrei, keine zweite OP, über 20.000 Anwendungen weltweit |
| GNSC-001 (Genascence) | Gentherapie (IL-1Ra) | Einmalige Injektion | Entzündlich geprägte Arthrose | Greift direkt in Entzündungsmechanismen ein |
| KiomedinevsOne | Injektion auf Chitosan-Basis | Einmalige Injektion | Refraktäre Kniearthrose | Pflanzlich, tierfrei, speziell für schwierige Verläufe |
| Hydrocelin | Injizierbares Hydrogel | Injektion ins Gelenk | Mäßige bis fortgeschrittene Arthrose | Mechanische Entlastung + biologisches Umfeld, aktuell in Studien |
| CaReS®-1S | Kollagen-Implantat (zellfrei) | Chirurgische Implantation + Fibrinkleber | 18–60 Jahre mit fokalem Knorpeldefekt | Aufbau von hyalinem Knorpel, kein Faserknorpel |
| Joint-on-a-Chip | Forschungstechnologie | Laborsystem (keine Therapie) | Forschung & Entwicklung | Realitätsnahe Gelenkmodelle ohne Tierversuche |
| Hy2Care | Selbsthaftendes Hydrogel | Minimalinvasiv im Defektbereich | Frische Knorpelverletzungen | Selbsthaftend, resorbierbar, keine Fixierung nötig |
| AMT® (Ohrknorpel-Methode) | Autologe Matrixtherapie | Entnahme von Ohrknorpel + Injektion | Lokale Defekte, frühe Arthrose (I–II) | Minimalinvasiv, ohne Gelenk-OP und Vollnarkose |
| COPLA®-Implantat | Resorbierbares Polymernetz | Chirurgische Einnaht in den Defekt | Jüngere Patient:innen mit klar umschriebenem Defekt | Mechanische Stabilität, vollständiger biologischer Abbau |
| ProChondrix® CR | Kryokonserviertes osteochondrales Allograft | Operative Einbringung in den Knorpeldefekt | Größere oder tiefere Knorpeldefekte | Spender-Knorpel-Knochen-Gewebe, „off-the-shelf“, ohne Zellzüchtung |
| Agili-C™ | Poröses Kalzium-Karbonat-Implantat | Operatives Einsetzen in Knorpel-/Knochenläsionen | Größere Knorpelschäden, wenn Mikrofrakturierung nicht ausreicht | Zellfreies Implantat, biologisches Gerüst für körpereigene Regeneration |
Mehr über PRP, Stammzellen und moderne Zelltherapien wie die autologe Chondrozytentransplantation (ACT) findest du im eigenen Beitrag über regenerative Arthrosetherapien und moderne Zellmedizin.
Neue Knorpeltherapien bei Kniearthrose: Was machen moderne Verfahren aus?
Moderne Knorpelbehandlungen setzen heute vor allem auf neue Materialien, Gerüste und minimalinvasive Verfahren. Ziel ist es, geschädigte Knorpelbereiche zu stabilisieren, Schmerzen zu reduzieren und die Gelenkfunktion möglichst lange zu erhalten.
- Scaffolds & Trägermaterialien: Biologische oder synthetische Gerüste wie Kollagen- oder Hyaluronsäure-Matrizes sollen dem Körper helfen, Defekte zu überbrücken und neues Gewebe aufzubauen.
- Hydrogele: Injizierbare oder implantierbare Hydrogele können das Gelenk mechanisch entlasten, Reibung reduzieren und ein günstiges Umfeld für Heilungsprozesse schaffen.
- Biomaterialien & Implantate: Resorbierbare Netze, Kollagenmatrizes oder Knorpel-Knochen-Transplantate werden eingesetzt, um geschädigte Gelenkflächen biologisch zu stabilisieren oder zu ersetzen.
- Minimalinvasive Verfahren: Viele moderne Therapien können arthroskopisch oder per Injektion durchgeführt werden. Dadurch sollen größere Eingriffe möglichst hinausgezögert oder in frühen Stadien vermieden werden.
- Zukunftstechnologien: Bioaktive Hydrogele, Bioprinting, Gentherapie und Chip-Modelle könnten künftig helfen, Knorpeltherapien gezielter zu entwickeln und besser zu testen.
Weitere Beiträge, Einschätzungen und Hintergrundartikel zum Thema Knorpel findest du hier im Arthrose Magazin.
Vertiefende Einblicke in Ursachen, Diagnose und moderne Behandlungsansätze bei Knorpelschäden am Knie bietet das ausführliche Interview mit Dr. Wolfgang Zinser.
Bioaktives Hydrogel – ein Blick in die Zukunft
Ein ganz neuer Forschungsansatz kommt aus der Materialwissenschaft: Ein internationales Team hat ein bioaktives Polymer-Hydrogel entwickelt, das gezielt in Knorpeldefekte eingebracht wird und sich dort stabil mit dem umliegenden Gewebe verbindet. Ziel ist es, den beschädigten Knorpel nicht nur zu schützen, sondern tatsächlich zu regenerieren – ohne Zelltransplantation, ohne OP.
Das Material kombiniert zwei Arten von Polymerstrukturen, wodurch es sowohl mechanisch belastbar als auch biologisch aktiv ist. In vorklinischen Studien – unter anderem an Schafen – konnte das Hydrogel beschädigte Knorpelflächen stabilisieren und erste Heilungsprozesse anstoßen.
Noch ist dieses Verfahren nicht für die klinische Anwendung zugelassen, aber es gilt als vielversprechende Zukunftstechnologie in der regenerativen Gelenkmedizin.
Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.
Redaktioneller Beitrag von Barbara Egger-Spiess, Gesundheitsjournalistin & Herausgeberin Arthrose Magazin
Foto: generiert/Shutterstock







2 Comments
Question re Arthrosamid: Can this therapy be repeated after 5 years or is it a once off? Is there evidence that a potential replacement after 5 years is doable without negative effects because of the Anthrosamid?
Danke für die interessante Frage.
Nach meinem aktuellen Kenntnisstand wurde Arthrosamid® vor allem als einmalige Injektion mit langfristiger Wirkung untersucht. Ob eine erneute Behandlung nach mehreren Jahren möglich oder sinnvoll ist, sollte individuell mit der behandelnden Orthopädin bzw. dem behandelnden Orthopäden besprochen werden.
Die bisher verfügbaren Langzeitdaten sind ermutigend. Soweit bekannt, scheint auch eine spätere Knieprothese grundsätzlich möglich zu sein. Für eine verbindliche medizinische Auskunft empfehle ich jedoch, direkt mit dem behandelnden Arzt oder dem Hersteller Kontakt aufzunehmen.
Thank you for this interesting question.
As far as I am aware, Arthrosamid® has mainly been studied as a single injection with long-term effects. Whether a repeat treatment after several years is possible or advisable should be discussed on an individual basis with the treating orthopaedic specialist.
The long-term safety data available so far are encouraging. A later knee replacement also appears to be possible, but for a definitive medical answer I would recommend consulting the treating physician or the manufacturer directly.