Facebookgruppe kuenstliche Gelenke
Menschen mit Arthrose

Aus der Hüfte schiessen…

Viel zu treffen, besprechen und zu schnuppern gab es beim ersten Treffen der Facebookgruppe künstliche Gelenke.

Künstliches Gelenk habe ich keines. Weder ein Hüft- noch ein Kniegelenk. Meine bessere Hälfte hat ein künstliches Kniegelenk. Ja, das schon. Ich selbst hätte gerne künstliche Daumengelenke wegen schmerzhafter Rhizarthrose. Aber das ist eine andere Baustelle. Wie es meiner besseren Hälfte mit jahrelangen Arthroseschmerzen im Knie und der Entscheidung für ein künstliches Gelenk ergangen ist, habe ich aus nächster Nähe miterlebt und im Blogbeitrag Arthrose, Skizirkus & Sportfotograf beschrieben.

2009 war das als mein Mann, nennen wir ihn Herrn E. ein künstliches Kniegelenk eingesetzt bekam. Er ist seither glücklich damit. Hat keine Beschwerden. Seine Erfahrungen konnte er damals mit wenigen teilen und wenn dann analog. 2009 gab es zwar schon Facebook, aber das mit den Facebookgruppen war noch nicht so aktuell. Heute ist das anders. Die digitale Kommunikation über soziale Medien bietet Austausch zu allen möglichen Themen. So auch zu den Themen Arthrose und künstliche Gelenke.

Facebookgruppe künstliche Gelenke

Die Organisatoren des ersten TEPFIT-Treffens Peter Herrchen und Heidi Rauch mit dem Vortragenden Dr. Christian Fulghum (v.l.n.r.)

Genau aus diesem Grund gibt es die deutschsprachige Facebookgruppe TEPFIT- Fit mit künstlichen Gelenken. Ich habe die Gruppe bereits im Blogbeibeitrag „Reden wir doch mal über Gruppen“ vorgestellt. Die mittlerweile über 1.000 Mitglieder tauschen sich online über Fragen rund um ihre Hüft- und Knieoperationen aus oder diskutieren über sportliche Aktivitäten mit künstlichen Knie- und Hüftgelenken.

Kürzlich haben sich die Mitglieder der Facebookgruppe künstliche Gelenke erstmals im realen Leben getroffen. Heidi Rauch und Peter Herrchen, die Autoren der Mutmach-Ratgeber „Mut zur neuen Hüfte“ und „Mut zum neuen Knie“ hatten am Wochenende vom 17. bis 19. November 2016 zum ersten TEPFIT-Treffen geladen. Da ich die Idee super und auch das Programm ansprechend fand, wollte ich mir von diesem Treffen selbst ein Bild machen. Von Innsbruck bis Schloss Aufhausen in Erding bei München war es ja nicht allzu weit.

Facebookgruppe künstliche Gelenke

Heidi Rauch und Peter Herrchen begrüßen die TeilnehmerInnen des Vortragsprogramms des TEPFIT Treffens 2016

Ich konnte nicht das gesamte Wochenende dabei sein und habe mir daher den Samstag und den Vortrag von Dr. Christian Fulghum herausgepickt. Früh morgens losgefahren, erreichte ich nach einer Fahrzeit von knappen zwei Stunden den Tagungsort. Überrascht beim ersten „Mustern“ der 27 angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer war ich vom Altersschnitt. Ich erlebe es in meinem persönlichen Umfeld immer wieder, dass viele Menschen glauben Arthrose und künstliche Gelenke betreffe nur Ältere. Dass dem nicht so ist, zeigte das erste TEPFIT-Treffen ganz deutlich. Es waren sehr unterschiedliche Altersstufen vertreten.

Überrascht hat mich auch als Dr. Christian Fulghum, Chefarzt der endogap-Klinik für Gelenkersatz in Garmisch-Partenkirchen zu Beginn seines Vortrags fragte: „Wer ist Hüfte, wer ist Knie?“ und sich ausschließlich „Hüften“ meldeten. Es waren also ausschließlich künstliche Hüftgelenke zum ersten TEPFIT-Treffen gekommen. Insgesamt ca. 40 an der Zahl. Wie das geht bei insgesamt 27 Teilnehmern? Na ja, einige haben beidseits künstliche Hüftgelenke implantiert.

Facebookgruppe künstliche Gelenke

Dr. Christian Fulghum mit den Admins der TEPFIT-Facebookgruppe Theresa Schreiber, Peter Herrchen und Ulrike Steyer (v.l.n.r.)

Warum jetzt kein „Knie“ beim Treffen dabei war, war vielleicht Zufall. Vielleicht sind Hüften das drängendere Thema. Es war ja sogar ein Teilnehmer dabei, der mir im persönlichen Gespräch erzählte, dass er noch gar keine künstliche Hüfte habe, aber kurz vor einer möglichen OP stehe und das TEPFIT-Treffen nutze, um sich mit Betroffenen auszutauschen und Informatioenen aus erster Hand einzuholen.

Auf jeden Fall wurde beim ersten TEPFIT-Treffen kräftig aus den künstlichen Hüften geschossen: Im Sinne von sich gegenseitig treffen, gleichgesinnt sein, miteinander austauschen, gesellig beisammen sein und gemeinsam Informationen aufnehmen. Ich denke, mein persönlicher Eindruck – ich war ja nur ein paar Stunden dabei – täuscht mich nicht, dass es allen „Hüften“ gut gefallen hat.

Zum Vortragenden selbst kann ich persönlich nur eines sagen: symphathisch und kompetent. Immerhin zählt die enodogap-Klinik deutschlandweit zu den Top Five der endoprothetischen Spezialkliniken. Vielleicht hat der intime Rahmen des ersten TEPFIT-Treffens auch ein wenig dazu beigetragen, dass Dr. Fulghum so locker rüber kam. Auf jeden Fall hat der erfahrene Chirurg ausdrücklich den engagierten Austausch innerhalb der Facebookgruppe gelobt und meinte wörtlich, dass er meist gar nicht zum Kommentieren käme, weil schon von anderer Seite kompetent geantwortet wurde.

Facebookgruppe künstliche Gelenke

Dr. Christian Fulghum war auch nach seinem Vortrag ein gefragter Gesprächspartner

Ganz sicher hat auch die mehr als 30-jährige Erfahrung von Dr. Christian Fulghum dazu beigetragen, dass alles aufs Tapet kam. Ich sage es mal so. Da wurde nicht lange um den heißen Brei herumgeredet. Dinge wurden benannt, die zu benennen sind. Ich weiss nicht, wie das die anderen Zuhörer empfunden haben, für mich war es jedenfalls so. Auch ging Dr. Fulghum mit Geduld auf alle Fragen, die den Vortragsfluss zwar immer wieder ein wenig unterbrachen, ausführlich ein.

Den gesamten Vortrag von Dr. Christian Fulghum gibt es übrigens auf Youtube unter diesem Link zu sehen. Weitere Infos zum Vortrag gibt es auf dem Blog von Peter Herrchen und nachstehend habe ich euch den ein und anderen Sager aus dem Vortrag zusammengefasst.

 

Aus dem Vortrag von Dr. Christian Fulghum zitiert:

  • „Was ist ein gutes Hüftimplantat? Es muss von Körper auf lange Zeit vertragen werden. Es muss eine gute und frühe Stabilität haben.“
  • „Was hat sich geändert im Vergleich zu früher? Früher musste man zum Teil zwei Wochen vor der OP in die Klinik einrücken und anschließend sechs Wochen bleiben. Man hat nicht gewagt, die Patienten auf das WC zu schicken. Die Schüssel kam zum Bett. Heute weiß man, dass das eine höhere Belastung für Frischoperierte an der Hüfte war, als das es das Aufstehen gewesen wäre.“
  • „Zur Lebensdauer von Implantaten. Es gibt viele verschiedene Implantate. Jeder Mensch ist anders. Es gibt daher auch keine Garantie auf die Lebensdauer. Wenn z.B. jemand mit 30 ein Implantat bekommt, gilt als Faustregel ein Austausch ca. alle 20 Jahre.“

 

  • „Zur Größe von Implantaten. Geht beim Einsatz eines eher klobigen künstlichen Gelenks zu viel Substanz verloren, kann diese nicht nachwachsen. Daher ist eine substanzerhaltende Implantation stets wünschenswert. Es gibt auch Implantate, die so stark verankert sind, dass man bei der Entfernung viel kaputt machen muss.“
  • „Zum Preis-Leistungsverhältnis. An und für sich für den versicherten Patienten auf den ersten Blick keine vorrangige Frage. Andererseits werden in bestimmten europäischen Ländern zum Teil ab 70 Jahren Endoprothesen nicht mehr bezahlt.“
  • „Zum Standard von Implantaten. Selbstverständlich hat sich die Medizin weiterentwickelt, ebenso die Qualität und Standard von künstlichen Gelenken. Würde man heute noch so operieren wie vor 30 Jahren, wäre das natürlich nicht zielführend. Andererseits muss man mit Neuerungen vorsichtig umgehen. Es sind nach wie vor die Langzeiterfahrungen, die Aufschluss über so wichtige Fragen geben, etwa wie lange ein Schaft hält oder welche Verschleisserscheinungen es gibt. Daher braucht man keine revolutionären Dinge. Wichtig ist eine konsequente Weiterentwicklung von Dingen, von denen man weiss, dass sie gut sind.“

 

  • „Welcher Schaft? Viele Patienten wüssten gerne im vorhinein, welcher Schaft sich eignet, oder welche Schaftgröße eingesetzt wird. Zum einen braucht es dazu genügend Aufklärung seitens des behandelnden Arztes. Zum anderen lässt sich das vor einer OP manchmal auch nicht exakt bestimmen. Die Entscheidung kann vom behandelnden Arzt dann erst während der OP gefällt werden welche Schaftgröße in Frage kommt.“
  • „Entscheidung für eine OP. Wer noch nicht so weit ist, soll es nicht machen lassen. Man muss soweit sein und natürlich zählt der Leidensdruck. Dazu kommen Faktoren wie beeinträchtigte Lebensqualität, starke Belastungs- und Bewegungsschmerzen und wenn Schmerzmittel nicht mehr wirken.“
  • „Entscheidung für eine Klinik. In Deutschland gibt es über 500 zertifizierte Endoprothesen Zentren. Bei der Entscheidung für eine OP solle weniger die Suche nach der richtigen Technik im Vordergrund stehen, sondern der Operateur, die Klinik und die Beratung. Unbedingt sich mehrere Kliniken anschauen. Als Anhaltspunkt gilt: In einer guten Klinik wird man Schnitte so klein wie möglich machen.“

Fotos: Fotolia, Egger

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