Europäisches Jahr gegen den Gelenkschmerz
Expertenwissen

Das europäische Gelenkschmerz-Jahr

Wenn Europa 2016 zum Jahr gegen den Gelenkschmerz ausruft, sollte dabei auch was rum kommen.

Hättet ihr es gewusst? Heuer ist das Europäische Jahr gegen den Gelenkschmerz. Es ist fast schon um. Und der Gelenkschmerz ist noch da. Zumindest meiner. Aber jetzt mal im Ernst. So ein Europäisches Jahr gegen den Gelenkschmerz ist eine gute Sache. Es wird öffentlichkeitswirksam berichtet und im besten Fall führt diese öffentliche Thematisierung zu neuen Forschungserkenntnissen. Und damit für uns Betroffene zu Linderung.

Weil Gelenkschmerzen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden überhaupt zählen und mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung über 50 Jahren darunter leidet, wurde das Jahr 2016 zum Europäischen Jahr gegen den Gelenkschmerz erklärt. Höchste Zeit würde ich sagen. Mir ist jetzt nicht bekannt, ob es so ein Jahr schon früher gegeben hat. Bekannt ist mir höchstens mein eigenes Alter und der Jahrtag der Beginn meiner Gelenkschmerzen.

Auf jeden Fall ist es höchst erfreulich, dass die

  • Welt-Schmerzgesellschaft IASP und
  • die Europäischen Schmerzföderation EFIC

sich zu diesem Schritt, ein eigenes Jahr gegen den Gelenkschmerz auszurufen, entschieden hat.

Im September 2016 haben nämlich internationale Experten am Symposium der Europäischen Schmerzföderation EFIC in Dubrovnik über Gelenkschmerz diskutiert.

Herausgekommen ist dabei, dass der aktuelle Forschungsstand populären Annahmen rund um Gelenkschmerzen widerspricht. Die Fehleinschätzungen stehen oft wirksamen Therapien entgegen. Prof. Serge Perrot von der Descartes Universität/Cochin-Klinik in Paris kritisierte beim Symposium in Dubrovnik:

„Die zum Teil zu pessimistischen Fehleinschätzungen verhindern oft, dass sich Patienten in Therapie begeben, obwohl ihr Zustand verbessert und ihre Schmerzen reduziert werden können.“

Prof. Perrot räumt auch mit hartnäckigen Irrtümern, die Gelenkschmerzen betreffen auf.  Der Experte hat dazu 5 Mythen und Fakten zu Gelenkschmerz parat. Es würde diesen Beitrag sprengen, diese 5 Myhten und Fakten hier in voller Länge anzuführen. Ich kann euch aber nur empfehlen, diesen weiterführenden Link anzuklicken. Die 5 Mythen und Fakten zu Gelenkschmerzen offenbaren erstaunliche Ergebnisse. Das müsst ihr euch unbedingt durchlesen!

5 Mythen und Fakten zu Gelenkschmerzen

Beispielsweise hält sich hartnäckig die Vorstellung dass, je größer der Gelenkschaden, desto schlimmer die Schmerzen sein müssen. Oder dass Gelenkschmerzen gleichbedeutend mit Entzündungen sind. Es ist auch ein Irrtum, dass Gelenkschmerz vom Gelenk kommen muss oder dass Gelenkschmerz mit dem Alter kommt. Kein Irrtum ist, dass Gelenkschmerzen nicht behandelt werden könnten. Auch wenn Schmerzfreiheit in manchen Fällen kein realistisches Therapieziel sei, müssten Gelenkschmerzen nicht ohne Hoffnung auf Erleichterung hingenommen werden. Laut Experten sollte das Schmerzmanagement aus einer Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Zugängen bestehen.

Chronischer Schmerz nach Gelenksoperationen

Diskutiert haben die Experten am Symposium der Europäischen Schmerzföderation in Dubrovnik auch über den chronischen Schmerz nach Gelenksoperationen. Etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten können nach dem Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks anhaltend unter Schmerzen leiden. Können also individualisierte multimodale Ansätze der Schlüssel zu größerem Behandlungserfolg sein?

Enttäuscht und unzufrieden – so fühlen sich viele Patientinnen und Patienten, wenn sie nach einer Kniegelenksoperation nicht die erhoffte Erleichterung erleben, sondern noch Monate oder Jahre von anhaltenden Schmerzen geplagt werden. Gott sei Dank ist es meiner besseren Hälfte nicht so ergangen. Nach seiner Knie-OP und dem Einsatz einer Teil-Endoprothese im Kniegelenk begann ein schmerzfreies Leben in neuer Qualität. Ich habe darüber im Blogbeitrag Arthrose, Skizirkus & Sportfotograf ausführlich berichtet.

Laut Experten sind aber chronische Schmerzen nach einer Gelenksoperation nach wie vor ein stark unterschätztes Phänomen. Aufgrund des demografischen Wandels und der Zunahme an Gelenksoperationen sind immer mehr Menschen davon betroffen. Generell berichten zwölf Prozent der Patienten noch ein Jahr nach einem chirurgischen Eingriff mäßige bis starke Schmerzen, so eine europäische Beobachtungsstudie. Neuere Studien aus Dänemark, Frankreich und Norwegen belegen überdies, dass ein erstaunlich hoher Anteil der Patienten nach dem chirurgischen Eingriff weiterhin die gewohnte Dosis oder sogar mehr Schmerzmedikamente benötigt als vorher.

Die Experten schlussfolgern daraus, dass Zahlen vermutlich nicht das volle Ausmaß des Problems abbilden. Und dass die aktuellen Instrumente zur Schmerzbewertung nicht immer aussagekräftige Informationen liefern. Außerdem zeigen Studien, dass mache Betroffene nach dem Eingriff ungern zugeben, wie sehr sie leiden – weil sie nicht undankbar erscheinen wollen oder der Schmerz nach der OP vielleicht etwas weniger intensiv ist als vorher. Was dabei oft übersehen wird: Die Patienten leiden nicht unter den alten Beschwerden oder dem unmittelbaren postoperativen Schmerz, der nach der Wundheilung verschwindet. Sie haben mit neuen Beschwerden zu kämpfen. Warum Schmerzen nach einem Knie-Ersatz immer noch ein ungelöstes Problem sind und was die aktuelle Forschung dagegen tut, könnt ihr hier nachlesen.

Wenn euch noch weitere Links zum Thema interessieren, habe ich für euch nachfolgende Liste recherchiert: Einfach die Links anklicken und sich noch ausführlicher informieren:

 

Foto: Fotolia

 

 

 

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