Was ist Polyarthrose?
Rhizarthrose

Was ist Polyarthrose? Graubereich Handarthrose und Mitwirkungsgrad bei Arthrose!

Was ist Polyarthrose? Weshalb ist Handarthrose ein Graubereich? Warum kommt es zur Sehnenverletzung? Was bedeutet der Mitwirkungsgrad bei Arthrose?

Was ist Polyarthrose? Polyarthrose bedeutet, dass mehrere Gelenke an der Hand von Arthrose betroffen sind. Bei mir persönlich ist es die Rhizarthrose, Bouchardarthrose, Heberdenarthrose, Radiokarpakarthrose und SST-Arthrose.

Was Polyarthrose ist, dazu gibt es in der medizinischen Fachliteratur ausführliche Erklärungen, u.a. von Orthoinform:

Abnutzungsbedingte, teils schmerzhaft-entzündliche Gelenkveränderungen – umgangssprachlich besser als „Gelenkverschleiß“ bekannt – werden dem Krankheitsbild der Arthrose zugeordnet. Sind gleichzeitig Finger-, Daumen- und Handwurzelgelenk betroffen, spricht man von einer Polyarthrose der Hand.

Von Polyarthrose an der Hand können also die Daumensattelgelenke, die Fingermittel- und Fingerendgelenke, das Trapezium oder das Handgelenk betroffen sein. Die medizinischen Fachbegriffe lauten:

  • Rhizarthrose: Arthrose im Daumensattelgelen
  • Bouchardarthrose: Arthrose im Fingermittelgelenk
  • Heberdenarthrose: Arthrose im Fingerendgelen
  • SST-Arthrose: Arthrose im Trapezium
  • Radiokarpalarthrose: Arthrose im Handgelenk

Was ist Polyarthose? Wann hat es begonnen?

Meine Arthrose Beschwerden machten sich in etwa um 2012 in den Daumensattelgelenken an beiden Händen bemerkbar.

Im Laufe der Jahre zeigten sich weitere Verschleißerscheinungen und vereinzelt, degenerative Veränderungen an den Fingergelenken. Die Ursachen dafür dürften bei mir in beruflicher und sportlicher Überlastung sowie genetischen Faktoren liegen.

Mit der Rhizarthrose komme ich bis heute (Stand 2024) den Umständen entsprechend zurecht und bin schmerzfrei. Nicht zuletzt aufgrund eines ganzen Bündels an konservativen Maßnahmen und Therapien.

Siehe dazu mein Beitrag über meine ganz persönliche Blumenstrauß Therapie und der Rhizarthrose Schwerpunkt auf meinem Blog.

Etwas zu schaffen machte mir zuletzt eine aktivierte Bouchardarthrose im Mittelgelenk des rechten Ringfingers. Doch mit antienzündlicher Ernährung und meinem Blumenstrauß, ist die Entzündung besiegt.

Meine größte oder sagen wir folgenschwerste Baustelle aber ist die Arthrose im Handgelenk. Die Radioakarpalarthrose ist in meinen Befunden (Röntgen, MRT) sichtbar, bereitet mir aber keinerlei Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen.

Diese „unsichtbare Arthrose“ im Handgelenk hat sich leider als fatal erwiesen.

Was war passiert? Im Jänner 2021 habe ich mir beim Langlaufen eine Teilruptur der Beugesehne am kleinen Finger der rechten Hand zugezogen.

Die Folgen davon: wiederkehrende Beschwerden, von der Sehnenscheidenentzündung bis hin zu Schmerzen an der rechten Hand plus Bewegungseinschränkung des kleinen Fingers.

Im Dezember 2022 trat das Worst Case Szenario ein. Erneut zog ich mir beim Langlaufen eine Sehnenverletzung zu, diesmal eine Ruptur der Strecksehnen des vierten und fünften Fingers an der rechten Hand.

Das war ein ziemlicher Schock, denn in Kombination mit der vorhandenen Rhizarthrose im Daumengelenk und punktueller Heberden- und Bouchardarthrose in den Fingergelenken, bedeutete diese neuerliche Sehnenverletzung quasi den Super-GAU für die Funktion und Range of Motion (ROM) meiner rechten Hand.

Polyarthrose an der Hand: OP mit Sehnenrekonstruktion

2023 habe ich mich nach Einholen von drei Facharztmeinungen von erfahrenen Handchirurgen und in Absprache mit meiner Ergotherapeutin und zertifizierten Handtherapeutin Mag. Johanna Passer für eine operative Versorgung der Sehnenverletzung an der rechten Hand entschieden.

Zu Johanna M. Passer: verfügt als Ergotherapeutin über wissenschaftliche Kompetenz in Theorie und Praxis (Dip/BSc), hat ein Certificate of Advanced Studies (CAS) in Handtherapie, ist zertifizierte Handtherapeutin /ÖGHT und zertifizierte Handtherapeutin der Akademie für Handrehabilitation (AfH)

Mein Operateur Dr. Christoph Pezzei und hat mich darüber aufgeklärt, dass eine Nichtversorgung der Sehnenverletzung eine weitere Verschlechterung der Beweglichkeit und Funktionsweise meiner rechten Hand nach sich ziehen kann. Dies wollte ich natürlich keinesfalls riskieren.

So wurde im April 2023 von Dr. Christoph Pezzei* operativ eine Synovialektomie der Strecksehnen im Bereich des Handgelenks und Rekonstruktion der Strecksehnen am vierten und fünften Finger durchgeführt.

Zu Dr. Christoph Pezzei: seit 1999 Mitwirkung bei den Wiener Handkursen im Unfallkrankenhaus Lorenz Böhler, zahlreiche wissenschaftliche Publikationen auf dem Gebiet der Unfall- und Handchirurgie, intensive Vortragstätigkeit im In- und Ausland, Vorstandsmitglied der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Handchirurgie, Chairman im Research & Education Committee der IBRA (International Bone Research Association)

Im Rahmen der Voruntersuchungen für die OP stellte sich die Ursache meiner Sehnenverletzung heraus: Ein Unterarmbruch im Jugendalter hat zur posttraumatischen Arthrose im Handgelenk geführt.

Über die Jahre hat sich das Sehnenmaterial über dem Handgelenk verschlechtert und ist bei Höchstbelastung beim Langlaufen mit Skatingtechnik auf einem steilen Anstieg gerissen.

Die operative Versorgung der Sehnenverletzungen war in erster Linie nötig, damit die Arthrose im Handgelenk nicht weitere Defizite an den Strecksehnen der Finger verursacht.

 

Mit intensiver Therapie, Kombinationen aus Schienen und Tapes sowie konsequenten Handübungen und Anwenden verschiedener Tools – siehe auch mein Beitrag über meine ganz persönliche Blumenstraußtherapie bei Polyarthrose  – gilt es heute (Stand Juli 2024) den Status Quo meiner rechten Hand so gut und so lange wie möglich zu erhalten.

Eine Verbesserung der Handfunktionen ist nicht mehr zu erwarten. Meine rechte Hand ist hochgradig behindert (fehlende Feinmotorik, kein Faustschluss möglich, kein Strecken der Finger möglich, etc.).

Aufgrund der komplexen Handsituation erlebe ich meinen Alltag aber vor allem meine Selbständigkeit als Unternehmerin als hohe mentale und körperliche Belastung.

Mit gemischten Gefühlen blicke ich heute an den Zeitraum zwischen der ersten Sehenverletzung im Jänner 2021 und der zweiten im Dezember 2022 zurück.

Persönlich habe ich nach der Teilruptur der Beugesehne und den daraus resultierenden Beschwerden konsequent nach Therapien gesucht und auch angewendet, um die Mobilität meiner rechten Hand zu erhalten.

Wenig Information erhielt ich von den konsultierten Handchirurgen zur Diagnose und Prognose der Sehnenbeschwerden. So wurde ich nach der ersten Sehnenverletzung von den Fachärzten NICHT auf das Risiko bzw. Erwartbarkeit einer weiteren möglichen Sehenverletzung hingewiesen oder gewarnt.

Ich wusste zu diesem Zeitpunkt auch nicht, dass dieses Risiko bzw. Vorliegen von Vorschäden bei der Einordnung des Unfallgeschehens (Verletzung der Strecksehnen beim Langlaufen) durch die Unvallversicherung relevant werden würde.

Auch wurde im Zeitraum zwischen erster und zweiter Sehnenrupturen der Ursache für die Sehnenverletzungen nicht ernsthaft auf den Grund gegangen. Stattdessen hörte ich schwammige  Aussagen, wie:

„Was wollen Sie mit dieser Rheumahand.“

„Da kann man nichts machen.“

Das ist der natürliche Lauf der Dinge.“

und erhielt unterschiedliche bis abenteuerliche Diagnosen, wie:

  • Rheumahand
  • Polyarthritis
  • Chondrokalzinose
  • fleckige Mineralisation
  • erosive Handosteoarthrose
  • Komplexes Regionales Schmerzsyndrom (CRPS)

Keine dieser Diagnosen hat sich übrigens bis heute bestätigt.

Ich bin nicht von Rheuma betroffen (keine Rheuma-Faktoren, nicht die geringste degenerative Veränderung an den Fingergrundgelenken, keine Schwellungen, keine Rötungen, keine Morgensteifigkeit, etc.).

Eine erosive Handosteoarthritis oder Chondrokalzinose ließ sich durch das arthroskopische „Hineinschauen das Gelenk“ entkräften. Ich bin weder von fleckiger Mineralisation noch von CRPS betroffen.

Polyarthrose an der Hand: Arthrose und Arthritis unterscheiden

Objektivierenderweise muss man an dieser Stelle anführen, dass es bei den degenerativen Veränderungen an der Hand einen Graubereich gibt bzw. die Möglichkeit gleichzeitig auftretender oder einander begünstigender Krankheitsverläufe.

Es können sich degenerative Veränderungen mit entzündlichen Vorgängen mischen.

In solchen Fällen, so meine persönliche Erfahrung, werden nicht entzündliche sowie entzündliche Vorgänge an den Fingergelenken unter dem Sammelbegriff Rheuma bzw. Polyarthritis eingeordnet.

Dabei sollte aber doch wenigstens zwischen Arthrose und Arthritis unterschieden werden. Letztlich sind es unterschiedliche Krankheitsbilder und bedürfen auch unterschiedlicher Behandlung.

  • Bei der Polyarthrose verändert sich das Gelenk durch einen Verschleiß des Gelenkknorpels. Frauen sind davon deutlich häufiger betroffen.
  • Eine Arthrose kann sich aktivieren. Das heißt, dass durch Knopelverschleiss und daraus resultierenden mechanischen Reizungen eine Entzündung im Gelenk entstehen kann.
  • Bei der Arthritis sind es hingegen infektiöse Abläufe oder ein Autoimmungeschehen, das zur Entzündung der Gelenke führt.
  • Bei Arthritis handelt es sich also immer um entzündliche Prozesse in den Gelenken, die unabhängig vom Zustand des Knorpels auftreten können, während es sich bei der Arthrose um den Verschleiß des Knorpels handelt.
  • Eine Arthritis kann also plötzlich gesunde Gelenke befallen, und Schmerzen in Ruhephasen auslösen im Gegensatz zum Belastungsschmerz bei der Arthrose.
  • Ein Hinweis für Arthritis kann auch eine länger andauernde Morgensteifigkeit, Schwellungen und Rötungen der Fingergelenke sein. Auch ein Blutbild bzw. der sogenannte Rheuma-Faktor kann ein Hinweis auf Arthritis  sein.

Meiner Erfahrung nach wird zum Teil insbesondere bei Frauen in der hormonellen Umstellung rund um den Wechsel, die Arthrose an den Fingergelenken und Daumen „als ein natürlicher Prozess“ eingestuft, an dem sich wenig ändern lässt.

Ich denke, dass die Gendermedizin hier noch einigen Aufholbedarf hat und dass die doch vorwiegend männliche Orthopädie eine geschlecherspezifische Diagnostik und Behandlung noch stärker berücksichtigen sollte.

Mein Rat resultierend aus meinen persönlichen Erfahrungen: Nicht unterkriegen lassen, eine Zweit- wenn nicht Drittmeinung einholen, nach erfahrenen und zertifizierten HandtherapeutInnen, ErgotherapeutInnen und spezialisierten Handchirurgen suchen!

Ganz wichtig! Es braucht eine eindeutige Diagnose, wenn es um Rheuma und eine erforderliche medikamentöse Behandlung geht. Informiere dich dazu über die Angebote der Österreichischen Rheumaliga.

Informiere dich auf den Webseiten der Österreichischen und Deutschen Handgesellschaften. Eine Übersicht über Informationsangebote, Folder zum Downloaden und Übungsvideos zur Arthrose in den Finger- und Daumengelenken findest du in diesem Beitrag: 10 Tipps bei Arthrose Hand.

Polyarthrose an der Hand: Mitwirkungsgrad bei Verletzung und Unfall

An dieser Stelle möchte ich dich auf den Begriff der Mitwirkung bzw. „Mitwirkunganteil“ oder Mitwirkungsgrad an einer Verletzung in Zusammenhang mit Arthrose und Unfall hinweisen.

Du hast weiter oben gelesen, dass ich mir beim Langlaufen zuerst eine Teilruptur der Beugesehne des kleinen Fingers an der rechten Hand zugezogen habe und zwei Jahre später die Strecksehnen des vierten und fünften Fingers beim Skating auf steiler Loipe gerissen sind.

Trotz Konsultationen bei entsprechenden Fachärzten nach der ersten Teilruptur gab es keinen Hinweis, dass es zu weiteren Sehnenrupturen kommen könne, so dass präventiv und operativ Maßnahmen erfolgen und die heutige schwere Behinderung meiner rechten Hand eventuell vermieden hätte werden können.

Bei der Einordnung des Unfallgeschehens, anteiligen Kostenübernahme der OP und Feststellung des Invaliditätsgrads hat meine private Unfallversicherung – belegt durch zwei fachärztliche Gutachten – aber sehr wohl auf vorhandene Literatur, fachmedizinisches Wissen und Erfahrung verwiesen.

Demnach können Sehnen nur bei „schlechter Sehnenqualität“ und „vorbestehenden Verschleißerscheinungen auf Basis von Polyarthrosen“ reißen nicht aber ursächlich durch eine traumatische Verletzung.

Meine Unfallversicherung hat daher die Übernahme eines Anteils der Operationskosten plus Anerkennung des Invaliditätsgrades abgelehnt. Begründung: 100 %iger Mitwirkungsanteil.

Mein Tipp: Erkundige dich bei deiner Unfallversicherung, Makler oder Versicherungsvertretrung über die sogenannte „Mitwirkung“ und die Bedingungen für die Übernahme von Unfallkosten und Anerkennung von Invalidität bei Verletzungen mit bereits vorhandenen Knorpelschäden und Arthrose! Dies kann dich sonst teuer zu stehen kommen!

Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.

Fotos: privat

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