Arthrose Tagebuch

Wie peinlich ist das denn: Mit Arthrose-Klatsche beim Fußballmatch

Arthrose in den Daumengelenken und Beifall klatschen. Das verträgt sich nicht. Doch wozu gibt es Klatsch-Hilfen? Ja, wozu eigentlich? Sicher nicht um damit den Nachwuchs anzufeuern.

Kürzlich fand das letzte Meisterschaftsspiel des geneigten Nachwuchses statt. Gegen eine Mannschaft aus der Stadt. Hoffnungslos mit 10:2 verloren. Aber kein Grund zur Traurigkeit. Die Jungs sind über verlorene Spiele nie enttäuscht, sie schimpfen höchstens mal über den Schiedsrichter oder über den einen oder anderen gegnerischen Spieler. Nie aber über zweistellige Niederlagen.

Am Fussballfeld und Spielfeldrand sind Eifer und Einsatz gefragt. So als Mutter am Spielfeldrand sitzend kommt ein bisschen Wehmut auf. Wie lange dürfen wir Eltern am Spielfeldrand überhaupt noch zuschauen? Weil, das ist ja sooo peinlich.  Es ist also an der Zeit ein wenig in Erinnerungen zu schwelgen. Der Nachwuchs spielt, seit er etwa vier oder fünf Jahre alt ist, Fußball. Mit Eifer und Einsatz. Auch wir Eltern waren stets mit Eifer und Einsatz bei jedem Match dabei.

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Und da liegt jetzt der Hund begräben. Bei uns Eltern. Bei mir. Die Grund-Verhaltensregel lautet, je kleiner und jünger der Nachwuchs, umso mehr Anfeuern. Je größer, umso dezentere Zurückhaltung ist geboten, aber doch ist irgendwie Anfeuern geboten. Aber egal, ob kleiner oder schon größer, fand es das Kind peinlich, wenn Mama anfeuerte. Es war nicht, weil ich es tat, sondern wie ich es tat. Nämlich mit Klatscher-Klatsche! Ja, ja, ich saß tatsächlich mit einer Klatschen-Hilfe am Spielfeldrand. Na ja irgendwie peinlich war das schon.

Erstens sind die Klatschen ziemlich laut und sehen irgendwie auch Scheiße aus... und von den Blicken der anderen Eltern und Spieler rede ich jetzt erst gar nicht. Aber eines können die Klatschen wunderbar: Das Klatschen ersetzen. Klatscht doch mal in die Hände mit schmerzenden Daumengelenken. Arthrose in den Händen macht Klatschen unmöglich. Jeder Klatscher ein Schmerz. Jede Berührung ein Stich.

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Die intellektuelle Klatsch-Variante funktioniert auch nicht. Ich habe es ersatzweise mit verschiedenen Klatschvarianten versucht, z.B. mit der intellektuellen Variante, d.h. man tut so als täte man klatschen, es kommt aber kein Ton dabei raus. Die Handflächen treffen also gar nicht wirklich zusammen. Auch mit Schreien statt Klatschen habe ich mich angebiedert. Doch sollte man hie und da lieber die Klappe halten. Was ist das Fazit: klatschende Fußballeltern mit Arthrose an den Daumen- oder Fingergelenken brauchen Hilfe, brauchen Ersatz.

Und die Klatschen sind echt tolle Hilfen. Man braucht sie bloß zu schütteln und schon kommen originale Klatschtöne zum Vorschein. Ohne Schmerz! Die Klatschen liegen bei uns zu Hause meterweise herum. Wir sind bekennende Skifans. Da braucht man Klatschen und Glocken und Tröten. Keine Sorge. Die Glocken und Tröten habe ich dem Nachwuchs bei den Fußballmatches erspart. Bei Besuchen von Ski-Weltcuprennen wurde ich sogar auf die Klatschen angesprochen. Woher ich die hätte und wo man die kaufen könne.

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Also nicht jeder findet die Klatschhilfen blöd. Der Nachwuchs schon. Je älter der wurde, desto weniger kamen die Klatschen zum Einsatz. Das ist einfach zu peinlich. Ein No-Go sozusagen. Also klatsche ich wieder selbst. Es tut weh. Saumäßig weh. Nichts aber täte mehr weh, als nicht bei den Matches des Nachwuchses dabei gewesen zu sein oder ihn nicht angefeuert zu haben.

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1 Comment

  • Reply Erich Spiess 20. Oktober 2015 at 20:11

    Sensationeller Beitrag, werden wohl bald mehr mit „Klatschen“ am Fussballplatz sein.

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