Schlittenprothese Knie Dr. Christoph Raas
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Die Schlittenprothese am Knie – Arthrose am Kniegelenk minimal invasiv behandeln

Schlittenprothese Knie – was ist das? Kniespezialist und Arthrose Forum Austria Gelenkexperte Dr. Christoph Raas beantwortet Fragen zur Teilprothese im Kniegelenk.

Schlittenprothese Knie – was ist das? Wenn du von Arthrose im Kniegelenk betroffen bist und Gelenkersatz nötig wird, ist es wichtig, dass du dich umfassend informierst und entsprechend ärztlich aufgeklärt wirst.

Wusstest du, dass es bei Gelenkersatz im Kniegelenk, die Möglichkeit einer Teilprothese gibt? Was eine Teilprothese ist, wann diese eingesetzt wird, wer dafür geeignet ist, wie die Behandlung abläuft, etc. beantwortet Dr. med. univ. Christoph Raas, PhD von der Innsbrucker Praxis Orthoalps.

Dr. Christoph Raas ist nicht nur ein ausgewiesener Kniegelenkexperte. Der Tiroler Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie begleitet das Arthrose Forum Austria – seit seiner Gründung im Jahr 2016 – mit seiner medizinischen Expertise.

Für die Arthrose Forum Austria Community steht der Innsbrucker Gelenkexperte, z.B. im Rahmen der Arthrose Forum Austria Video-Sprechstunde und für meinen Arthrose Blog Tirolturtle, mit seinem Expertenwissen zur Verfügung.

Schlittenprothese Knie: Fragen und Antworten

Was ist eine Schlittenprothese? Wann wird sie eingesetzt? Wie läuft die Operation ab? Welches Material wird verwendet? Wie ist die Haltbarkeit einer Teilprothese am Knie?

Welche Vor- und Nachteile hat die Schlittenprothese gegenüber einer Totalendprothese? Wie lange dauert die OP? Wann kann man das Knie wieder voll belasten? Auf alle diese Fragen antwortet Gelenkexperte Dr. med. univ. Christoph Raas.

Was ist eine Schlittenprothese?

Die Schlittenprothese oder auch der Knieschlitten ist ein Implantat zur Behandlung von einseitiger Kniegelenkabnützung. Sie ersetzt nur den von Arthrose betroffenen Teil am Kniegelenk. Der gesunde Teil inklusive aller Sehnen und Bänder und des gesunden Meniskus bleibt natürlich erhalten.

Wann wird eine Schlittenprothese eingesetzt und wie?

Bei Patienten mit Kniegelenkarthrose betrifft die Abnützung oft nur die Innen- oder Außenseite des Gelenks. Typischerweise haben die Patienten dann oft auch ein O-Bein oder ein X-Bein. In diesen Fällen lässt sich die Funktion am natürlichsten mit einer Schlittenprothese wiederherstellen.

Dabei wird eine Implantat-Komponente am Schienbeinkopf und eine am Oberschenkelknochen platziert. Dazwischen führt ein hochkongruentes und sehr gleitfähiges Inlay aus hochvernetztem Polyethylen zur Roll- und Gleitfähigkeit der Prothese. Diese Prothese kommt sehr nahe an den ursprünglichen Roll- und Gleitmechanismus des Kniegelenks heran.

Die Schlittenprothese hat den großen Vorteil, dass gesunde Teile des Kniegelenks, die von Arthrose nicht betroffen sind, erhalten bleiben. Das Gleiche gilt für die Kreuzbänder, die bei Totalprothesen zumeist vollständig oder teilweise entfernt werden.

Wer ist für eine Schlittenprothese geeignet?

Prinzipiell sind alle Patienten mit einseitiger Kniegelenkabnützung geeignet. Wichtig ist ein intaktes vorderes Kreuzband oder ein gut funktionierender Ersatz.

Das wird nämlich für die Stabilität der Prothese benötigt. Eine klinische Untersuchung und 3 Röntgenbilder sind in der Regel ausreichend, um festzustellen, ob ein Kniegelenk für einen Schlitten geeignet ist.

Eine einseitige Abnützung am Kniegelenk betrifft immerhin fast die Hälfte aller Kniegelenkarthrosen.

Schlittenprothese Knie: Wie ist die Haltbarkeit?

Schlittenprothesen werden schon seit Jahrzehnten eingesetzt und die rezente Literatur zeigt sehr gute Ergebnisse. Bedenken bezüglich der Haltbarkeit räumt der Spezialist aus. Es gibt sehr gute Daten, die zeigen, dass das Überleben der Knieschlitten bei korrekter Indikation und richtiger Implantation klar mit den Vollprothesen vergleichbar ist.

Diese Prothesen gehören aber in die Hände von Spezialisten. „Die Schlittenprothese ist keine Operation, die man ab und an mal macht. Es bedarf einer gewissen Routine, um konstant sehr zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen“, so Arthrose Forum Austria Gelenkexperte Dr. Christoph Raas. Darum wird diese Operation auch nicht überall angeboten.

 

Schlittenprothese am Knie

Welche Vorteile hat eine Schlittenprothese?

Welche Nachteile hat eine Schlittenprothese?

  • Bei korrekter Indikation und Operation sehe ich den Vollprothesen gegenüber eigentlich keine Nachteile. Im Gegenteil. Die OP ist, wie erwähnt, wesentlich kleiner und  dadurch auch weniger invasiv und weniger komplikationsbehaftet. 

Schlittenprothese Knie: Verankerung mit oder ohne Zement?

  • Beim Patienten wird nur der erkrankte Teil am Kniegelenk – meist die Innenseite, ersetzt. Gesunde Strukturen wie Kreuzbänder, Kniescheibe, Außenmeniskus, intakter Knorpel etc. bleiben natürlich erhalten.
  • Dank komplett zementfreier Verankerung – der Knochen verwächst fest mit dem Implantat – sind keine Zusatzstoffe notwendig. Der Einheilungsprozess ist schon nach wenigen Wochen abgeschlossen.
  • „Das Zementieren von Schlittenprothesen ist bei mir nur mehr dem Ausnahmefall vorbehalten, zum Beispiel bei sehr weichem Knochen.“
  • Knieschlitten sind – falls notwendig – einfach und relativ unkompliziert in Vollprothesen wechselbar.

Schlittenprothese Knie: OP-Dauer, Material, Nachbehandlung

Im Wesentlichen aber gleich wie beim Einsatz einer Totalendoprothese (TEP) nur weniger aufwändig. Schlittenprothesen haben eine OP-Dauer von ca. 30 bis 60 Minuten.

Das eingesetzte Material ist ähnlich der Totalendoprothese. Wie bereits oben erwähnt, werden für Schlittenprothesen spezielle Metalllegierungen und dazwischen hoch vernetztes Polyethylen verwendet.

Vollbelastung ist nach Schmerzmaßgabe ab Tag 1 erlaubt. Eine Reha kann natürlich gemacht werden, ist meist aber nicht notwendig.

Schlittenprothese Knie: Fazit des Gelenkexperten

Knieschlittenprothesen kommen bei korrekter Indikationsstellung der natürlichen Kniegelenkfunktion am nächsten. Sie kommen bei einseitiger Kniegelenkabnützung zum Einsatz und ersetzten nur den kaputten Gelenkanteil.

Gesunde Strukturen bleiben dem Patienten vollständig erhalten. Sie sind deutlich weniger invasiv als Totalprothesen und die Patienten kommen in der Regel auch schneller wieder auf die Beine.

Bei Schlittenoperationen ist jedoch viel Erfahrung und eine hohe Frequenz für gute Ergebnisse sehr wichtig!

 

Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.

Fotos: Tirol Foto Erich Spiess/Dr. Christoph Raas

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