Fast Track
Arthrose

Fast Track bei Knie- und Hüftprothesen: schneller mobil nach der OP

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Zuletzt aktualisiert am 31. August 2026 von tirolturtle

Fast Track soll Menschen nach einer Knie- oder Hüftprothese schneller wieder auf die Beine bringen – doch dahinter steckt weit mehr als eine möglichst frühe Entlassung.

Am Tag der Operation bereits wieder aufstehen, wenige Tage später das Krankenhaus verlassen und in manchen Kliniken sogar am Tag der Operation oder am nächsten Morgen wieder nach Hause: Rund um Hüft- und Knieprothesen haben sich die Abläufe in den vergangenen Jahren deutlich verändert.

Fast Track ist dabei längst kein neues Konzept mehr. Bereits 2018 berichtete das Arthrose Magazin darüber, dass entsprechende Behandlungspfade zunehmend Einzug in die Endoprothetik halten. Inzwischen sind viele Elemente davon in spezialisierten Kliniken fester Bestandteil der Versorgung.

Wie sich die Endoprothetik insgesamt verändert und welche neuen Entwicklungen es bei Knie- und Hüftprothesen gibt, zeigt der Beitrag: Endoprothetik im Wandel – neue Entwicklungen bei Knie- und Hüftprothesen.

Endoprothetik im Wandel – neue Entwicklungen bei Knie- und Hüftprothesen

Gleichzeitig geht die Entwicklung weiter. Neben Fast Track und ERAS ist von Rapid Recovery, Short Stay, Same-Day Discharge oder Next-Day Discharge die Rede.

Was steckt hinter diesen Begriffen? Und bedeutet Fast Track tatsächlich, möglichst schnell wieder aus dem Krankenhaus zu kommen?

Fast Track bedeutet mehr als eine kurze Liegezeit

Fast Track bezeichnet einen strukturierten Behandlungspfad rund um eine Operation. Ziel ist es, die Belastungen durch den Eingriff möglichst gering zu halten, Komplikationen zu vermeiden und die körperliche Erholung früh zu unterstützen.

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Das Konzept entstand Ende der 1990er-Jahre zunächst in anderen chirurgischen Fachgebieten und wurde später auf die Hüft- und Knieendoprothetik übertragen.

Heute werden Fast-Track-Programme häufig auch als Enhanced-Recovery-Programme bezeichnet. Die internationale ERAS Society hat dafür Empfehlungen für Hüft- und Kniegelenkersatz entwickelt.

Im Mittelpunkt steht nicht eine einzelne Maßnahme. Entscheidend ist das Zusammenspiel vieler Behandlungsschritte vor, während und nach der Operation.

Dazu gehören unter anderem:

  • Information und Vorbereitung vor dem Eingriff
  • Optimierung bestehender gesundheitlicher Risikofaktoren
  • abgestimmte Narkoseverfahren
  • möglichst belastungsarme Operationsabläufe
  • ein multimodales Schmerzmanagement
  • Vermeidung unnötig langer Immobilisation
  • frühes Essen und Trinken
  • Mobilisation möglichst bereits am Operationstag
  • Physiotherapie
  • festgelegte Kriterien für die Entlassung
  • eine organisierte Versorgung nach dem Krankenhausaufenthalt

Fast Track bedeutet damit nicht einfach: möglichst früh nach Hause. Die kürzere Aufenthaltsdauer ist vielmehr eine mögliche Folge eines optimierten Behandlungspfades.

Fast Track, ERAS und Rapid Recovery: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe werden nicht immer einheitlich verwendet und überschneiden sich teilweise.

Fast Track ist ein verbreiteter Oberbegriff für Behandlungskonzepte, die die Erholung nach einer Operation durch standardisierte und aufeinander abgestimmte Maßnahmen beschleunigen sollen.

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ERAS steht für „Enhanced Recovery After Surgery“, also verbesserte Erholung nach einer Operation. ERAS beschreibt ebenfalls einen umfassenden, wissenschaftlich begründeten Behandlungspfad vor, während und nach dem Eingriff.

Rapid Recovery verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Der Begriff wird unter anderem für konkrete Klinikprogramme verwendet. Auch in Österreich gibt es entsprechende Angebote.

Short Stay beschreibt dagegen vor allem einen besonders kurzen Krankenhausaufenthalt.

Noch einen Schritt weiter gehen Same-Day Discharge und Next-Day Discharge. Beim Same-Day-Konzept erfolgt die Entlassung noch am Tag der Operation, bei Next-Day am folgenden Tag.

Das ist ein wichtiger Unterschied: Eine frühe Entlassung kann Bestandteil eines Fast-Track-Konzeptes sein. Sie ist aber nicht mit Fast Track gleichzusetzen.

Die Vorbereitung beginnt schon vor der Operation

Ein wesentlicher Gedanke von Fast Track ist, dass die Behandlung nicht erst im Operationssaal beginnt.

Patienteninformationen und Schulungen sollen bereits vor dem Eingriff erklären, was nach der Operation passiert, wann erstmals aufgestanden wird und welche aktive Rolle die Betroffenen selbst übernehmen können.

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Auch das Gehen mit Unterarmgehstützen kann bereits vor dem Eingriff geübt werden. Gleichzeitig werden gesundheitliche Risikofaktoren erfasst und – soweit möglich – vor der Operation optimiert.

Die ERAS-Empfehlungen sehen die präoperative Information und Beratung als wichtigen Bestandteil des Behandlungspfades.

Nicht jede Maßnahme, die unter dem Begriff „Prähabilitation“ angeboten wird, ist allerdings automatisch notwendig. Für eine routinemäßige Physiotherapie vor Hüft- oder Kniegelenkersatz sieht die ERAS-Empfehlung bislang beispielsweise keine ausreichende Evidenz als zwingenden Bestandteil des Programms.

Schmerztherapie und Narkose sollen frühe Bewegung ermöglichen

Auch während und unmittelbar nach der Operation unterscheiden sich moderne Fast-Track-Pfade von vielen früher üblichen Abläufen.

Ein wichtiger Baustein ist eine wirksame Schmerztherapie, die gleichzeitig möglichst wenige Nebenwirkungen verursacht. Häufig werden verschiedene Medikamente und Verfahren miteinander kombiniert, um den Einsatz von Opioiden zu reduzieren.

Bei Knieprothesen kann beispielsweise die lokale Infiltrationsanalgesie eine Rolle spielen. Dabei werden schmerzlindernde Medikamente während der Operation direkt in das Operationsgebiet eingebracht.

Ziel all dieser Maßnahmen ist nicht nur Schmerzfreiheit. Kreislauf, Muskelkraft und Beweglichkeit sollen so wenig wie möglich beeinträchtigt werden, damit eine sichere frühe Mobilisation möglich wird.

Aufstehen am Tag der Operation

Einer der sichtbarsten Bestandteile von Fast Track ist die Frühmobilisation.

Statt nach einer Hüft- oder Knieprothese längere Zeit im Bett zu bleiben, beginnt die Mobilisation heute häufig bereits wenige Stunden nach dem Eingriff.

Unter Begleitung von Physiotherapie und Pflege werden zunächst Aufstehen und Gehen geübt. Danach folgen je nach individuellem Verlauf weitere Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen, selbstständiges An- und Ausziehen oder der sichere Umgang mit Gehstützen.

Eine systematische Übersichtsarbeit zu Short-Stay-Programmen bei Hüft- und Kniegelenkersatz zeigt, wie zentral dieser Punkt mittlerweile ist: In 84 Prozent der untersuchten Programme gehörte die frühe Mobilisation zu den Bestandteilen.

Früher nach Hause: Wie weit geht Fast Track heute?

Während Fast Track ursprünglich vor allem mit einer Verkürzung mehrtägiger Krankenhausaufenthalte verbunden war, wird inzwischen international auch über eine Entlassung am ersten postoperativen Tag oder sogar noch am Operationstag diskutiert.

Vor allem in den USA werden Hüft- und Knieprothesen zunehmend auch in ambulanten Operationszentren durchgeführt.

Studien zeigen, dass Same-Day Discharge bei sorgfältig ausgewählten Patientinnen und Patienten möglich sein kann. Genau dieser Zusatz ist jedoch entscheidend.

Die Ergebnisse solcher Programme lassen sich nicht automatisch auf alle Menschen übertragen, die eine Hüft- oder Knieprothese erhalten.

Wer eignet sich für eine sehr frühe Entlassung?

Die Auswahl geeigneter Patientinnen und Patienten gehört deshalb zu den derzeit besonders intensiv untersuchten Fragen.

Dabei geht es nicht ausschließlich um das Lebensalter. Entscheidend können unter anderem Begleiterkrankungen, der allgemeine Gesundheitszustand, Kreislaufstabilität, Mobilität und der postoperative Verlauf sein.

Hinzu kommen Faktoren, die außerhalb des Operationssaals liegen: Ist die Versorgung zu Hause gewährleistet? Gibt es Unterstützung im Alltag? Ist medizinische Hilfe bei Problemen erreichbar?

Neuere Untersuchungen versuchen, solche Faktoren in Auswahlalgorithmen für eine ambulante oder tagesgleiche Endoprothetik einzubeziehen.

Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass die optimale Patientenauswahl noch nicht abschließend geklärt ist. Eine große systematische Übersichtsarbeit kam zu dem Ergebnis, dass Short-Stay-Programme hinsichtlich der Sicherheit innerhalb von 90 Tagen möglicherweise nicht schlechter abschneiden als die übliche Versorgung. Die Sicherheit der Aussage wurde allerdings als niedrig bewertet. Gerade zur optimalen Auswahl geeigneter Patientinnen und Patienten bestehen weiterhin Wissenslücken.

Warum die Entlassung manchmal doch nicht funktioniert

Besonders aufschlussreich sind Untersuchungen darüber, warum eine geplante Entlassung am Operationstag scheitert.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 identifizierte orthostatische Kreislaufprobleme als häufigsten Grund. Danach folgten eine noch nicht ausreichende körperliche Verfassung, Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen sowie Probleme beim Wasserlassen.

Andere Untersuchungen nennen auch das Nichterreichen der physiotherapeutischen Mobilitätsziele als häufigen Grund dafür, dass Patientinnen und Patienten doch länger im Krankenhaus bleiben.

Das zeigt: Ein vorab geplanter Entlassungszeitpunkt darf nicht wichtiger sein als der tatsächliche Zustand nach der Operation.

Und was passiert nach der Entlassung?

Mit immer kürzeren Krankenhausaufenthalten gewinnt eine Frage an Bedeutung, die in der Diskussion über Fast Track manchmal weniger Aufmerksamkeit bekommt: Wie ist die Versorgung nach der Rückkehr nach Hause organisiert?

Nach einer Hüft- oder Knieprothese können auch nach der Entlassung Beschwerden oder Komplikationen auftreten. Dazu gehören beispielsweise Wundprobleme, stärkere Schwellungen, Kreislaufbeschwerden, Schmerzen oder Schwierigkeiten bei der Mobilität.

Physiotherapie ist ein wichtiger Teil der weiteren Genesung. Sie ersetzt jedoch nicht die medizinische Nachsorge.

Bei sehr kurzen stationären Aufenthalten braucht es deshalb klare Strukturen: Wer kontrolliert den weiteren Verlauf? An wen können sich Betroffene bei Problemen wenden? Wie schnell ist medizinische Hilfe erreichbar? Und wann muss eine erneute Vorstellung in der Klinik erfolgen?

Fast Track endet deshalb nicht an der Krankenhaustür.

Physiotherapie und Rehabilitation bleiben wichtige Bausteine

Frühe Mobilisation bedeutet auch nicht, dass die weitere Rehabilitation weniger wichtig wird.

Nach dem Krankenhausaufenthalt geht es darum, Beweglichkeit, Muskelkraft, Sicherheit beim Gehen und Belastbarkeit weiter aufzubauen. Je nach Gesundheitssystem und persönlicher Situation kann dies ambulant oder im Rahmen einer stationären Rehabilitation erfolgen.

Gerade bei sehr kurzen Krankenhausaufenthalten wird die Abstimmung zwischen Klinik, niedergelassenem Bereich, Physiotherapie und Rehabilitation umso wichtiger.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Wie schnell kann jemand das Krankenhaus verlassen?

Ebenso wichtig ist: Wie gut funktioniert die Versorgung danach?

Fast Track Knie und Hüftprothesen in Österreich

Auch in Österreich sind entsprechende Behandlungskonzepte längst angekommen.

Das Herz-Jesu Krankenhaus in Wien arbeitet beispielsweise seit vielen Jahren mit einem Programm unter dem Namen Rapid Recovery. Dabei werden Patientinnen und Patienten bereits vor der Operation eingebunden und nach dem Eingriff früh gemeinsam mit Physiotherapie und Pflege mobilisiert.

Ende 2025 berichtete das Krankenhaus über 15 Jahre Erfahrung mit dem Konzept. Nach aktuellen Angaben werden Patientinnen und Patienten nach Kniegelenkersatz dort durchschnittlich nach etwa drei Tagen und nach Hüftgelenkersatz nach rund zwei Tagen mobil und selbstständig entlassen.

Auch das Endoprothetik-Zentrum des Kepler Universitätsklinikums in Linz beschreibt eine Fast-Track-/Speedline-Frühmobilisierung, bei der die Mobilisation des neuen Gelenks noch am Operationstag beginnt.

Die Beispiele zeigen gleichzeitig, dass sich hinter den unterschiedlichen Namen ähnliche Grundgedanken verbergen können – ohne dass die konkreten Behandlungspfade und Entlassungszeiten überall identisch sein müssen.

Was sagt die Forschung zur Sicherheit?

Die Studienlage muss differenziert betrachtet werden.

Fast-Track- und Enhanced-Recovery-Konzepte sind inzwischen etabliert. Die ERAS Society empfiehlt für Hüft- und Kniegelenkersatz einen multimodalen Behandlungspfad mit Patienteninformation, optimierten perioperativen Abläufen, moderner Schmerztherapie und früher Mobilisation.

Eine 2023 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit 49 Studien untersuchte speziell die Sicherheit von Short-Stay-Programmen. Insgesamt fanden sich keine eindeutigen Hinweise darauf, dass solche Programme bei den meisten untersuchten Sicherheitsparametern schlechter abschneiden als die übliche Versorgung. Die Autorinnen und Autoren weisen jedoch ausdrücklich auf die teilweise geringe Qualität der Evidenz und offene Fragen zur Patientenauswahl hin.

Noch vorsichtiger muss man Ergebnisse zur Entlassung direkt am Operationstag interpretieren. Diese Programme arbeiten häufig mit ausgewählten Patientengruppen.

Eine große Datenbankanalyse zur Same-Day-Entlassung nach Hüft- und Knieprothesen zeigte beispielsweise, dass die entsprechend behandelten Patientinnen und Patienten im Durchschnitt jünger waren und weniger Begleiterkrankungen hatten.

Neuere Studien untersuchen inzwischen, ob die Auswahlkriterien erweitert werden können. Damit verschiebt sich die Forschungsfrage zunehmend: Nicht mehr nur „Ist eine sehr frühe Entlassung möglich?“, sondern „Für wen ist sie sicher und welche Strukturen müssen dafür vorhanden sein?“

Fast Track ist kein Wettlauf um die kürzeste Liegezeit

Die Entwicklung seit den ersten Fast-Track-Konzepten zeigt, wie stark sich die Endoprothetik verändert hat. Frühere Mobilisation, verbesserte Schmerztherapie und abgestimmte Behandlungspfade können dazu beitragen, nach einer Hüft- oder Knieprothese schneller wieder selbstständig zu werden.

Dabei sollte Fast Track jedoch nicht mit einer möglichst kurzen Krankenhausaufenthaltsdauer verwechselt werden.

Ob eine Entlassung nach mehreren Tagen, am nächsten Tag oder sogar noch am Operationstag sinnvoll ist, hängt vom Behandlungskonzept, vom individuellen Gesundheitszustand und von der Versorgung nach der Entlassung ab.

Am Ende ist deshalb nicht die Zahl der Nächte im Krankenhaus entscheidend. Entscheidend ist, ob der gesamte Weg vor der Operation, während des Eingriffs und nach der Entlassung sicher und gut organisiert ist.

Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.

Illustration: KI-generiertes Bild (Symbolbild)

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