Prim. Priv.-Doz. Dr. Alexander Brunner
Arthrose

Arthrose im Kniegelenk und Corona: Tiroler Studie

Arthrose im Kniegelenk und Corona: Am Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol wurde untersucht, wie sich die Ausgangsbeschränkungen auf Patienten mit Knie- oder Hüftarthrosen auswirken.

Arthrose im Kniegelenk und Corona: Laut einer wissenschaftlichen Studie der Orthopädie des Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol ist das keine erfreuliche Kombination.

Wie das Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol via Presseaussendung mitteilen lässt, hat es Anfang Mai 2020 –  nach den coronabedingten Einschränkungen der letzten zwei Monate – schrittweise in allen Abteilungen wieder den Betrieb aufgenommen.

So auch in der Orthopädie, wo die Einschränkungen im OP für die Erstellung einer wissenschaftlichen Studie genützt wurde. Mit interessanten Erkenntnissen, über die Prim. Priv.-Doz. Dr. Alexander Brunner berichtet.

Prim. Brunner hat am 1. Februar 2020 die Leitung der Orthopädie am Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol übernommen. Im Dezember 2020 wird er auch die Leitung der Unfallchirurgie übernehmen, da diese mit der Orthopädie Abteilung zusammengeführt wird. Gelenkspezialist Brunner war zuvor an der Universitätsklinik Innsbruck tätig.

Insgesamt knapp 70 Knie- oder Hüftprothesen-Operationen mussten in St. Johann „coronabedingt“ vorübergehend abgesagt werden. Ab Montag 4. Mai 2020 wurde der operative Betrieb stufenweise wieder aufgenommen.

„Ein wichtiger Faktor bei der Planung der nun ausstehenden Operationen war die Frage, wie es den Patienten mit verschobenen Terminen in der Zwischenzeit ergangen ist.“

Und diesen Faktor versuchte Prim. Priv.-Doz. Dr. Alexander Brunner zu klären, indem er mit seinem Team der Abteilung für Orthopädie zur Klärung dieser Frage eine wissenschaftliche Studie durchführte.

„Bis dato war nahezu unbekannt, wie eine Maßnahme wie eine sechswöchige Ausgangssperre mit allen daraus resultierenden Einschränkungen sich auf die Beschwerden von Patienten mit Knie- oder Hüftarthrose auswirkt“.

Arthrose im Kniegelenk und Corona: stärker betroffen

Die Studie untersuchte die Auswirkungen der COVID19-Quarantäne auf die körperliche Aktivität, Gelenkschmerzen und die psychische Situation von Arthrosepatienten.

Wie die Tiroler Tageszeitung über die Studie berichtet, haben die Mediziner in den acht Wochen der Ausgangssperre 68 PatientInnen je dreimal kontaktiert.

Alle von ihnen hätten in dieser Zeit ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk erhalten sollen. Bekanntlich wurden aber auch solche Eingriffe verschoben, um in den Tiroler Spitälern die Kapazitäten für Corona-Patienten freizuhalten.

Die Ergebnisse seien laut Studie demnach eindeutig: Durch die Ausgangssperre nahm die körperliche Aktivität der Patienten deutlich ab, wodurch es zu einer Zunahme der Schmerzen in den betroffenen Gelenken kam.

„Kniegelenke scheinen dabei stärker betroffen zu sein, als Hüftgelenke. Dementsprechend bemühen wir uns nun, schmerzhafte Kniegelenke prioritär zu behandeln.“

„Wir hätten nicht erwartet, dass Gelenksbeschwerden während der Ausgangssperre so deutlich zunehmen.“

„Um einer ähnlichen Entwicklung im Falle einer zweiten Welle vorbeugen zu können werden wir Heimübungsprogramme entwickeln, die den Patienten helfen sollen, Ihre Aktivität zumindest teilweise zu erhalten.“

Seit dem Hochfahren Anfang Mai ist man nun bemüht, den Rückstau an Operationen wieder aufzuholen. „Wir werden nun Knieoperationen priorisieren, weil sich der Zustand der Patienten hier schneller verschlechtert“, wird Prim. Dr. Alexander Brunner in der Tiroler Tageszeitung als Konsequenz aus den Studienergebnissen zitiert.

Interessant auch, was die Befragungen der Betroffenen ergeben haben. Mittels wissenschaftlich validierter Fragebögen wurde erhoben, wie die Patientinnen und Patienten alltägliche Dinge, wie Treppen steigen und Socken anziehen meistern. Die Bewertung (nach eigenem Ermessen der Betroffenen) erfolgte am Beginn, in der Mitte und am Ende des Lockdowns.

Höhere Angaben der Teilnehmer zum Schmerzniveau, könnten auch damit zusammenhängen, dass man sich einen schnelleren OP-Termin erhofft habe, vermutet Prim. Brunner im Bericht der Tiroler Tageszeitung.

Aus der Tiroler Corona-Studie ist abzulesen, wie wichtig Bewegung für Arthrose Betroffene ist und bleibt. Auch Prim. Brunner beschreibt, was passiert, wenn Gelenke weniger bewegt werden. Solange ein Gelenk bewegt wird, bildet sich in der Schleimhaut Flüssigkeit, die wie ein Schmiermittel wirkt.

Je weniger das Gelenk bewegt wird, umso weniger wird es „geschmiert“. Es wird also weniger geschmeidig, unbeweglicher und schmerzt. Auch die stabilisierende Wirkung der Muskulatur verringert sich, wenn Betroffene ihr Training aussetzen. Ein Beispiel für ein solches Training ist das Arthrose Programm GLA:D.

Übrigens: Angst vor einem Spitalaufenthalt haben die Patienten trotz der Corona-Krise kaum. 80 % der Befragten wünschten so schnell wie möglich eine operative Behandlung.

Erfreuliches Ergebnis der Studie: Der psychische Zustand der Betroffenen hat sich nicht verschlechtert.

Arthrose im Kniegelenk und Corona: Weltweit erste Studie zum Thema 

Die Studie der St. Johanner Orthopädie, in der diese Fragen vermutlich weltweit erstmals untersucht wurden, soll nun in wissenschaftlichen Journalen publiziert werden.

Quelle: Presseaussendung Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol

Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.

Foto: Bezirkskrankenhaus St. Johann i. Tirol

 

Previous Post

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply