Zuletzt aktualisiert am 31. August 2026 von tirolturtle
Semaglutid und Metformin kommen ursprünglich aus der Diabetestherapie. Inzwischen werden beide Wirkstoffe auch bei Kniearthrose untersucht.
Gelenkverschleiß und Übergewicht – eine oft schmerzhafte Kombination, die Millionen Menschen betrifft.
Doch neue Erkenntnisse aus der internationalen Forschung lassen aufhorchen: Zwei Medikamente aus der Diabetestherapie, Semaglutid und Metformin, könnten künftig auch in der Arthrose-Behandlung eine Rolle spielen – besonders bei Kniearthrose und Adipositas.
Diabetes-Medikamente gegen Arthrose-Schmerzen?
Semaglutid ist als GLP-1-Rezeptor-Agonist bekannt – ursprünglich entwickelt zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und zur Gewichtsreduktion. Doch neuere Forschung zeigt: Manche dieser sogenannten „Abnehmspritzen“ könnten auch Schmerzen bei Arthrose lindern.
Immer mehr Studien nehmen medikamentöse Ansätze zur Arthrose-Behandlung ins Visier – besonders bei übergewichtigen Patient:innen. Im Zentrum steht dabei der Zusammenhang zwischen Stoffwechsel, Entzündung und Gelenkverschleiß.
Eine aktuelle Übersichtsarbeit in Nature Reviews Rheumatology greift diesen Zusammenhang auf und plädiert dafür, Arthrose stärker als systemische Erkrankung zu betrachten. Neben dem Gelenk selbst rücken dabei unter anderem Stoffwechsel, Fett- und Muskelgewebe sowie systemische Entzündungsprozesse in den Fokus. Auch metabolische Therapieansätze wie Semaglutid und Metformin werden in diesem Zusammenhang diskutiert.
Zwei Wirkstoffe stehen aktuell im Fokus: Semaglutid und Metformin.
Eine internationale Studie unter Leitung des dänischen Rheumatologen Prof. Henning Bliddal vom Parker Institute am Frederiksberg Hospital liefert dazu wichtige Daten: Bei Menschen mit Kniearthrose und Adipositas führte Semaglutid nicht nur zu einer deutlichen Gewichtsabnahme, sondern auch zu Verbesserungen bei Schmerzen und körperlicher Funktion.
Veröffentlicht wurde die Studie unter dem Titel „Once-Weekly Semaglutide in Persons with Obesity and Knee Osteoarthritis“ im Fachjournal NEJM Evidence. Untersucht wurden 407 Menschen mit Kniearthrose und einem BMI von mindestens 30 an 61 Studienzentren in elf Ländern.
Über 68 Wochen erhielten die Teilnehmer:innen einmal wöchentlich entweder 2,4 mg Semaglutid oder ein Placebo. Am Ende der Studie hatte die Semaglutid-Gruppe durchschnittlich 13,7 Prozent ihres Körpergewichts verloren, gegenüber 2 Prozent in der Placebogruppe. Gleichzeitig hatten sich die Knieschmerzen und die körperliche Funktion stärker verbessert als unter Placebo.
Die Ergebnisse wurden unter anderem auch vom Deutschen Gesundheitsportal zusammengefasst: Semaglutid lindert Kniegelenksarthrose-Schmerzen bei Menschen mit Adipositas
Podcast-Tipp: „Can weight loss shots reduce knee pain?“
Im internationalen Joint Action Podcast spricht Studienleiter Prof. Henning Bliddal mit dem Arthroseforscher Prof. David Hunter von der University of Sydney über die Bedeutung der Ergebnisse.
Dabei geht es auch um die Frage, ob Semaglutid möglicherweise nicht allein über die Gewichtsabnahme wirkt, sondern zusätzlich entzündungshemmende und metabolische Effekte eine Rolle spielen könnten.
Zur Sprache kommen außerdem realistische Erwartungen an die Behandlung, die langfristige Anwendung und die Therapiekosten sowie die weiterhin wichtige Rolle von Bewegung, Ernährung und Lebensstil.
Wer hineinhören möchte. Die Episode ist frei verfügbar:
Retatrutide: Kniearthrose-Daten stehen noch aus
Auch Retatrutide, ein neuer Wirkstoff aus der Gruppe der sogenannten Inkretin-basierten Therapien, wird derzeit im Zusammenhang mit Kniearthrose untersucht. Anders als Semaglutid aktiviert Retatrutide drei Hormonrezeptoren: GIP, GLP-1 und Glucagon.
Im Mai 2026 veröffentlichte Eli Lilly erste Ergebnisse der Phase-3-Studie TRIUMPH-1. Im Adipositas-Teil der Studie erreichten Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der höchsten untersuchten Dosis von 12 mg Retatrutide nach 80 Wochen eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 28,3 Prozent.
In einer vorab festgelegten Verlängerungsphase bei Teilnehmenden mit einem Ausgangs-BMI von mindestens 35 lag die durchschnittliche Gewichtsreduktion nach 104 Wochen bei bis zu 30,3 Prozent.
Für die Arthroseforschung ist TRIUMPH-1 deshalb interessant, weil das Studienprogramm zusätzlich ein eigenes Teilprojekt zu Knieschmerzen bei Arthrose umfasst. Diese Ergebnisse waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Adipositas-Daten noch nicht verfügbar und sollen separat bekannt gegeben werden.
Ob Retatrutide damit auch Schmerzen und Funktion bei Kniearthrose verbessern kann, lässt sich aus den bislang veröffentlichten TRIUMPH-1-Daten noch nicht beurteilen.
Metformin: Der stille Kandidat
Auch ein altbewährter Wirkstoff rückt in den Fokus: Metformin, seit Jahrzehnten als Diabetes-Medikament bekannt, wird derzeit auf sein Potenzial bei Arthrose untersucht.
In einer Joint Action Podcast-Folge spricht Prof. Flavia Cicuttini, Rheumatologin und Epidemiologin an der Monash University (Australien), über eine aktuelle Metformin-Studie bei übergewichtigen Arthrosepatienten.
In der Studie zeigte sich unter Metformin eine moderate, aber spürbare Verringerung der Knieschmerzen. Interessant ist der Wirkstoff auch deshalb, weil Metformin seit Jahrzehnten eingesetzt wird, weltweit verfügbar und vergleichsweise kostengünstig ist.
Zum Joint Action Podcast mit Prof. Cicuttini
Neue Hinweise aus der UK Biobank
Neue Hinweise liefert auch eine aktuelle Auswertung der UK Biobank, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Clinical Rheumatology.
Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass Metformin mit einem geringeren Risiko für Knie- und Hüftarthrose sowie für einen späteren Gelenkersatz verbunden sein könnte. Für Handarthrose zeigte sich hingegen kein signifikanter Zusammenhang.
Die Ergebnisse liefern damit weitere Hinweise darauf, dass Metformin auch für die Arthroseforschung interessant sein könnte.
Allerdings handelt es sich um eine Beobachtungsstudie: Sie zeigt Zusammenhänge, kann aber nicht belegen, dass Metformin das Arthroserisiko senkt oder einen Gelenkersatz verhindert. Dafür sind weitere klinische Studien notwendig.
Was heißt das für Betroffene?
Die bisherigen Forschungsergebnisse zeigen, dass Medikamente wie Semaglutid und Metformin künftig eine ergänzende Rolle in der Arthrose-Behandlung spielen könnten – insbesondere bei Kniearthrose und Übergewicht. Gleichzeitig sind die beiden Wirkstoffe unterschiedlich gut untersucht und noch viele Fragen offen.
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Semaglutid ist kein Wundermittel. Bewegung, Ernährung und Schmerzmanagement bleiben zentral.
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Bei Metformin gibt es erste Hinweise auf eine mögliche Wirkung bei Kniearthrose, für eine klare Einordnung sind jedoch weitere klinische Studien notwendig.
Die Forschung zu Semaglutid und Metformin zeigt zugleich, wie stark Stoffwechsel, Körpergewicht und Arthrose miteinander verbunden sein können. Welche Rolle solche Medikamente künftig in der Arthrose-Therapie spielen werden, ist derzeit noch offen.
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Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.









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