TAPE bei chronischen Gelenkschmerzen
Arthrose

TAPE bei Arthrose: neue minimalinvasive Therapie in Österreich

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Zuletzt aktualisiert am 12. September 2026 von tirolturtle

TAPE wird zur Behandlung von Arthroseschmerzen an Knie, Hüfte und Schulter eingesetzt. Was steckt hinter der minimalinvasiven Gefäßembolisation?

TAPE heißt Transarterielle periartikuläre Embolisation und wird mittlerweile an mehreren Standorten in Österreich angeboten. Zu den Zentren mit Erfahrung mit dem Verfahren zählen das Kardinal Schwarzenberg Klinikum in Schwarzach im Pongau, das AKH Wien und das BKH St. Johann in Tirol.

Über das neue Verfahren zur Behandlung chronischer Gelenkschmerzen berichten unter anderem diese österreichische Medien:

MeinBezirk.at: Neue, schonende Therapie im Pongau
ORF Salzburg: Neue Therapie für chronische Gelenkschmerzen
pflege.at: TAPE – Neue Option gegen Gelenkschmerzen

Wenn der Schmerz bleibt und der nächste Schritt ungewiss ist

Viele Leserinnen und Leser kennen diese Situation nur zu gut: Die Schmerzen im Knie, in der Hüfte oder in der Schulter kommen schleichend – und dann bleiben sie. Physiotherapie, Medikamente, Spritzen – all das hat vielleicht einmal geholfen, aber irgendwann reicht es einfach nicht mehr.

Und trotzdem will man sich (noch) keiner Operation unterziehen. Vielleicht aus Angst vor den Risiken, vielleicht, weil der Alltag noch irgendwie bewältigt wird – oder weil man schlicht hofft, dass sich doch noch eine Alternative findet.

Genau in dieser Zwischenzone, wenn klassische Therapien nicht mehr wirken und ein Gelenkersatz noch kein Thema ist, gewinnt TAPE zunehmend an Bedeutung.

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Was hilft bei Kniearthrose?

Was genau ist TAPE?

TAPE steht für Transarterielle periartikuläre Embolisation. Es handelt sich um ein minimalinvasives, bildgesteuertes Verfahren, das ursprünglich in Japan und Südkorea entwickelt wurde. In Europa – besonders in Deutschland und nun auch in Österreich – wird es zunehmend zur Behandlung chronischer Gelenkschmerzen eingesetzt.

Das Prinzip: Bei Arthrose entstehen im Gelenk vermehrt neue Blutgefäße, die Entzündungsprozesse und möglicherweise auch die Schmerzentstehung fördern. Hier setzt TAPE an: Über einen Katheter werden kleine Gefäße, die entzündlich verändertes Gewebe rund um das Gelenk versorgen, gezielt verschlossen. Dadurch sollen die verstärkte Durchblutung und entzündliche Prozesse reduziert und Schmerzen gelindert werden.

Nach der Behandlung berichten Patientinnen und Patienten teilweise über eine deutliche Schmerzlinderung. Ob diese Verbesserungen tatsächlich auf die Embolisation zurückzuführen sind, lässt sich nach der derzeitigen Studienlage jedoch nicht eindeutig beurteilen.

TAPE bei Arthrose: Angebote in Österreich

Die TAPE-Methode wird im Kardinal Schwarzenberg Klinikum Schwarzach (Salzburg) angeboten und ist dort Teil eines spezialisierten Angebots bei chronischen Gelenkschmerzen.

Behandelt werden unter anderem:

  • Kniearthrose (früh bis mittelgradig)

  • Hüftarthrose

  • Frozen Shoulder

  • Chronische Schmerzen nach Knie- oder Schulteroperationen

Zusätzlich wird auch die Medizinische Universität Wien, konkret die Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin, in internationalen Fachquellen mehrfach als Standort für Forschung und Pilotanwendungen im Zusammenhang mit TAPE genannt.

Auch am AKH Wien wird TAPE eingesetzt

Nicht nur im Pongau, sondern nun auch in Wien kommt die TAPE-Methode zum Einsatz. Laut einer Pressemeldung der Medizinischen Universität Wien wird das Verfahren am AKH Wien routinemäßig angewendet – insbesondere bei Patient:innen mit chronischen Gelenkschmerzen infolge von Arthrose oder Sehnenentzündungen, für die eine Operation (noch) nicht infrage kommt.

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Am AKH/MedUni Wien ist die Klinische Abteilung für Kardiovaskuläre und Interventionelle Radiologie unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Christian Loewe federführend an der Durchführung beteiligt.

Die konkrete Anwendung erfolgt unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Florian Wolf, der gemeinsam mit dem interdisziplinären Team aus Radiologie, Physikalischer Medizin und Orthopädie bereits zahlreiche Patienten erfolgreich behandelt hat.

„Wir konnten bereits Patienten im Alter von 40 bis 89 Jahren erfolgreich helfen“, betont Dr. Raoul Varga, Programmdirektor für TAPE am AKH Wien. Die Behandlung dauert meist rund eine Stunde und erfolgt in Lokalanästhesie. In der Regel können die Patienten am nächsten Tag wieder nach Hause gehen.

Das AKH Wien und die MedUni Wien gelten damit als führendes Zentrum in Österreich für die Anwendung und wissenschaftliche Weiterentwicklung der TAPE-Methode.

Ziel ist es, Betroffenen möglichst frühzeitig Linderung zu verschaffen – auch als überbrückende Therapie, wenn ein Gelenkersatz medizinisch noch nicht nötig oder zeitlich nicht verfügbar ist.

„Mit dem minimalinvasiven Verfahren können wir Schmerzen rasch lindern und die Lebensqualität deutlich erhöhen – bis eine definitive Operation notwendig wird“, so Prof. Wolf.

Die Universitätsklinik bietet auf ihrer Website umfassende Informationen zu interventionellen radiologischen Verfahren, bei Interesse lohnt sich eine direkte Anfrage.

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TAPE auch am BKH St. Johann in Tirol

Auch am BKH St. Johann in Tirol wird TAPE bereits eingesetzt. Prim. Dr. Christof Kranewitter, Vorstand der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, berichtet von mittlerweile rund 100 durchgeführten Behandlungen.

Zum Einsatz kommt das Verfahren dort unter anderem bei Beschwerden an Knie und Hand. Kranewitter betont dabei einen wichtigen Punkt: TAPE ist eine Schmerztherapie und behandelt nicht die zugrunde liegende Arthrose.

Über ihre Erfahrungen mit der Behandlung berichten auch Patientinnen und Patienten aus St. Johann. Im TRENDIG Magazin schildern drei Betroffene, wie sich ihre Beschwerden nach der Embolisation entwickelt haben – darunter ein Patient mit Arthrose an mehreren Fingergelenken sowie zwei Patienten mit Kniebeschwerden.

Die Erfahrungen fallen individuell unterschiedlich aus: Sie reichen von Schmerzfreiheit bis zu weiterhin vorhandenen, aber deutlich veränderten und weniger belastenden Beschwerden.

Wie läuft der Eingriff ab?

An spezialisierten Kliniken erfolgt der Eingriff durch interventionelle Radiolog*innen:

  • Unter örtlicher Betäubung wird ein Mikrokatheter über die Leisten- oder Handgelenkarterie eingeführt.

  • Über Kontrastmittel werden die krankhaft veränderten Gefäße sichtbar gemacht.

  • Diese werden gezielt mit kleinen Partikeln embolisiert, also verschlossen.

  • Dadurch sollen die verstärkte Durchblutung und entzündliche Prozesse reduziert und Schmerzen gelindert werden.

Die Behandlung dauert etwa ein bis zwei Stunden. In den meisten Fällen ist nur ein kurzer stationärer Aufenthalt erforderlich, in Einzelfällen kann der Eingriff sogar ambulant erfolgen.

Für wen kommt TAPE infrage?

Eine wichtige offene Frage ist derzeit, welche Patientinnen und Patienten tatsächlich von TAPE profitieren. Belastbare Auswahlkriterien gibt es bislang nicht.

Das Verfahren wird unter anderem bei chronischen Gelenkschmerzen eingesetzt, wenn konservative Behandlungen wie Physiotherapie, Medikamente oder Injektionen nicht ausreichend geholfen haben und eine Operation nicht infrage kommt oder noch nicht notwendig ist. Ob TAPE im individuellen Fall sinnvoll ist, sollte nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung entschieden werden.

Am besten untersucht ist das Verfahren bei Kniearthrose. Gerade hier zeigen die aktuellen Studien jedoch, dass noch geklärt werden muss, welche Patientengruppen tatsächlich einen zusätzlichen Nutzen von der Behandlung haben.

Mehr zu gelenkerhaltenden Verfahren wie moderne Knorpeltherapien oder neue Medikamente bei Arthrose gibts im Magazin.

Was sagen Experten?

Prof. Dr. Harald Ittrich, Chefarzt der Radiologie (Schön Klinik Hamburg), erklärt:

„Bei fast allen unserer Patienten beobachten wir direkt nach der Therapie eine deutliche Besserung – bis hin zur völligen Schmerzfreiheit. Etwa zwei Drittel erreichen langfristig ein gesenktes Schmerzniveau.“

Dr. Oliver Dirk, Orthopäde in Berlin, ergänzt:

„TAPE kann uns wertvolle Zeit verschaffen – wenn der Schmerz groß ist, aber der Gelenkersatz noch keine Option.“

Dr. Sebastian Ebel (Uniklinik Leipzig) berichtet aus Studien:

„Einige Patienten berichten über drei bis vier Jahre Schmerzfreiheit, andere über ein Wiederkehren in abgeschwächter Form – bei einigen wiederum zeigt sich kein Effekt. Die Studienlage wächst aktuell rasant.“

Neue Studien: Nutzen noch nicht eindeutig belegt

Im August 2026 ist eine neue systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zur Genikulararterienembolisation (GAE), auch TAPE genannt, erschienen.

Ausgewertet wurden 18 Studien mit insgesamt 534 Patientinnen und Patienten mit Kniearthrose. Nach der Behandlung gingen Schmerzen zurück und die Gelenkfunktion verbesserte sich teilweise über einen Zeitraum von zwölf Monaten.

Allerdings waren die meisten dieser Studien nicht kontrolliert: Verglichen wurden die Beschwerden vor und nach der Behandlung. Daraus lässt sich noch nicht sicher ableiten, ob die Verbesserungen tatsächlich durch die Embolisation verursacht wurden.

Aussagekräftigere Studien, in denen TAPE mit einer Scheinbehandlung verglichen wurde, zeichnen bislang ein zurückhaltenderes Bild.

Zwei neuere Untersuchungen konnten keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen TAPE und der Scheinbehandlung nachweisen. Auch Zwölf-Monats-Daten einer solchen Studie zeigten Verbesserungen in beiden Gruppen, jedoch keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen ihnen.

Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik spricht sich deshalb für eine sorgfältige Einordnung des Verfahrens aus. Auch der Medizinische Dienst Bund sieht auf Grundlage der derzeit verfügbaren kontrollierten Studien bislang keinen Hinweis auf einen Nutzen von TAPE bei Kniearthrose.

Das bedeutet allerdings nicht, dass das Verfahren nachweislich unwirksam ist: Nach Einschätzung der AE reichen die vorhandenen hochwertigen Vergleichsdaten derzeit nicht aus, um einen zusätzlichen Nutzen belastbar nachzuweisen.

Weitere Studien sollen mehr Klarheit schaffen. Der Medizinische Dienst Bund hat 14 laufende beziehungsweise noch nicht vollständig veröffentlichte randomisierte Studien zu TAPE bei symptomatischer Kniearthrose identifiziert.

Eine zusätzliche Option im Behandlungsplan

Viele bisherige Therapien lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: konservative Maßnahmen wie Medikamente oder Physiotherapie und operative Eingriffe wie Gelenkersatz.

TAPE wird als weiterer minimalinvasiver Ansatz zur Behandlung von Arthroseschmerzen eingesetzt.

  • Minimalinvasiv: Der Eingriff erfolgt über einen Katheter und meist unter örtlicher Betäubung.
  • Wiederholbar: Bei Rückkehr der Beschwerden kann eine erneute Behandlung grundsätzlich möglich sein.
  • Erfahrungen: Nach der Behandlung berichten Patientinnen und Patienten teilweise über weniger Schmerzen und eine bessere Gelenkfunktion.
  • Studienlage: Untersuchungen zeigen Verbesserungen nach TAPE, ein zusätzlicher Nutzen gegenüber einer Scheinbehandlung ist bislang jedoch nicht eindeutig belegt.

Interessanter Ansatz, aber noch offene Fragen

TAPE ist ein minimalinvasives Verfahren zur Behandlung von Arthroseschmerzen und wird inzwischen auch in Österreich angeboten.

Die bisherigen Studien zeigen zwar, dass sich Schmerzen und Gelenkfunktion nach der Behandlung verbessern können. Ob diese Verbesserungen tatsächlich auf die Embolisation zurückzuführen sind und welche Patientinnen und Patienten davon profitieren, ist bislang jedoch nicht eindeutig geklärt.

TAPE beseitigt zudem keine bestehenden strukturellen Veränderungen im Gelenk. Ob das Verfahren über die Schmerzbehandlung hinaus den Verlauf der Arthrose beeinflussen kann, ist bislang nicht belegt.

Die Entscheidung für oder gegen TAPE sollte deshalb individuell und nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung getroffen werden. Eine bereits klar indizierte Knieendoprothese sollte nach Einschätzung der AE nicht allein aufgrund des Versprechens eines minimalinvasiven Eingriffs hinausgezögert werden.

TAPE, TAME oder GAE – was ist der Unterschied?

Für das Verfahren finden sich unterschiedliche Bezeichnungen.

TAME steht für transarterielle Mikroembolisation und bezeichnet den übergeordneten minimalinvasiven Ansatz.

TAPE – transarterielle periartikuläre Embolisation – ist eine spezielle Anwendung im Bereich gelenknaher Strukturen.

Beim Knie wird außerdem häufig von GAE (Genicular Artery Embolization, Genikulararterienembolisation) gesprochen.

Wer in aktuellen Berichten auf TAME oder GAE stößt, liest damit also nicht automatisch über eine völlig andere Therapie, sondern über eng miteinander verbundene Bezeichnungen beziehungsweise Anwendungen der transarteriellen Embolisation.

Weitere Kurzmeldungen zu neuen Therapien bei Arthrose gibt es im Newsticker des Arthrose Magazins.

Arthrose Knorpel und Gelenke: aktuelle Forschung und Studien

Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.

Redaktioneller Beitrag von Barbara Egger-Spiess, Gesundheitsjournalistin & Herausgeberin des Arthrose Magazins

Illustration: KI-generiertes Bild zur visuellen Darstellung des Themas.

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2 Comments

  • Reply Doris Eybl 18. Juni 2026 at 18:58

    Ich habe seit vielen Jahren Knie Athrose, eine schlechte durchgeführte Hüftprothese und gerissene Bänder in beiden Schultern. Ich bin 81 Jahre alt.

    • Reply tirolturtle 11. August 2026 at 11:20

      Liebe Doris,

      Vielen Dank, dass du hier schreibst und deine Geschichte teilst. Mit 81 Jahren und nach so vielen Jahren mit Kniearthrose, den Problemen nach der Hüftprothese und zusätzlich den Beschwerden an beiden Schultern hast du wirklich schon einiges hinter dir.

      Umso mehr freut es mich, dass du den Weg zu meinem Arthrose Magazin gefunden hast. Mich würde interessieren, wie es dir heute damit geht und ob du aktuell Behandlungen oder Therapien hast, die dir helfen und mit denen du gut zurechtkommst.

      Ich hoffe sehr, dass du hier die eine oder andere hilfreiche Information und vielleicht auch neue Anregungen für dich findest. Alles Gute für dich und danke, dass du hier mitliest!

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