Neue Therapien bei Kniearthrose
Arthrose

Kniearthrose: Bewegung, PRP und neue Therapien – was heute möglich ist

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Arthrofibrose Tag 2026

Zuletzt aktualisiert am 26. März 2026 von tirolturtle

Neue Therapien bei Kniearthrose werden intensiv diskutiert. Doch zwischen medizinischen Möglichkeiten und der Realität vieler Betroffener liegt oft eine große Lücke.

Die Behandlung von Kniearthrose ist heute deutlich vielfältiger als noch vor einigen Jahren. Neben gezieltem Krafttraining werden auch PRP-Injektionen, biologische Verfahren und andere gelenkerhaltende Ansätze diskutiert. Welche Therapien tatsächlich helfen können, hängt jedoch stark vom Krankheitsstadium und der individuellen Situation ab.

In den vergangenen Jahren hat sich die Behandlung von Kniearthrose spürbar weiterentwickelt. Orthopädinnen und Orthopäden sprechen heute nicht mehr ausschließlich über Schmerzmittel oder den raschen Weg zur Prothese, sondern über gezielte Bewegungstherapie, biologische Verfahren, präzisere Diagnostik und gelenkerhaltende Konzepte.

Wie differenziert diese moderne Sichtweise heute ist, zeigt ein LinkedIn-Beitrag des Orthopäden Dr. Christian Fluck, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Schwerpunkt Sportmedizin. Der Beitrag beschreibt klar, ehrlich und ohne Heilsversprechen, was bei Kniearthrose heute machbar wäre und unter welchen Voraussetzungen.

Präzise Diagnose als Schlüssel

„Dr. Fluck, können Sie da noch was machen?“

Diese Frage höre ich immer öfter von Patienten mit Kniearthrose.

Die ehrliche Antwort ist durchaus häufig: Ja.

Aber was genau hilft, hängt vom Krankheitsstadium ab. Und hier beginnt das Problem, denn viele Patienten haben bereits eine Odyssee hinter sich.

Drei Meinungen, fünf verschiedene Therapieempfehlungen, null klare Strategie.

Bei Arthrosegrad 1–2 steht Bewegungstherapie an erster Stelle. Nicht irgendeine Physiotherapie, sondern gezieltes Krafttraining der kniegelenkumgebenden Muskulatur. Die Studienlage ist eindeutig: Krafttraining reduziert Schmerzen effektiver als passive Maßnahmen. Kombiniert mit der Gewichtsreduktion bei Übergewicht erreichen wir messbare Verbesserungen ohne Medikamente.

Ab Grad 2–3 kommen biologische Verfahren ins Spiel. ACP – aufbereitetes Eigenblut mit konzentrierten Wachstumsfaktoren – zeigt in kontrollierten Studien Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung über 6–12 Monate. Hyaluronsäure, hochmolekular und vernetzt, kann die Gelenkfunktion verbessern. Und SVF-Therapie mit körpereigenen Stammzellen aus Fettgewebe zeigt vielversprechende Ergebnisse bei der Knorpelregeneration.

Was ich meinen Patienten immer sage, ist, dass diese Verfahren keine Wundermittel sind. Sie können den Grad der Knorpelschädigung nicht von 4 auf 1 rückgängig machen. Aber sie können den Zeitpunkt einer Gelenkersatz-OP um Jahre hinauszögern – bei guter Lebensqualität.

Der Schlüssel liegt in der präzisen Diagnostik. Deshalb arbeite ich neben Ultraschall und MRT auch mit DVT – einer dreidimensionalen Bildgebung, die unter Belastung zeigt, wo genau die Veränderungen im Gelenk liegen. Daraus entwickeln wir individuelle Therapiepläne.

Je früher gezielt behandelt wird, desto besser die Prognose. Wer jahrelang Schmerzmittel nimmt und wartet, bis das Gelenk komplett zerstört ist, hat oft viele konservative und biologische Optionen bereits verspielt.

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Quelle: LinkedIn-Beitrag von Dr. Christian Fluck, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Schwerpunkt Sportmedizin.

Warum dieser Beitrag so wichtig ist

Der Beitrag beschreibt sehr klar, was medizinisch sinnvoll wäre. Besonders zentral ist der Fokus auf gezieltes Krafttraining. Der Aufbau der kniegelenksumgebenden Muskulatur zählt zu den wirksamsten Maßnahmen bei früher Kniearthrose. Er entlastet das Gelenk, verbessert die Stabilität und kann Schmerzen deutlich reduzieren.

Viele Betroffene berichten allerdings von einer langen Odyssee durch unterschiedliche Therapien und Empfehlungen. Mehrere Meinungen, verschiedene Ansätze – aber selten eine klare Strategie, die zum jeweiligen Arthrose-Stadium passt.

Krafttraining: wirksam – aber oft nicht ausreichend begleitet

In der Praxis erhalten viele zwar Physiotherapie, aber kein strukturiertes, progressives Krafttraining. Übungen bleiben allgemein, die Betreuung ist zeitlich begrenzt, die langfristige Begleitung fehlt.

So entsteht ein Widerspruch: Während über hoch spezialisierte Therapien diskutiert wird, gelingt es im Alltag häufig nicht einmal, die wichtigste Basismaßnahme konsequent umzusetzen.

Was mit biologischen Verfahren gemeint ist

Neben der Bewegungstherapie werden heute zunehmend sogenannte orthobiologische Verfahren diskutiert.

PRP – aufbereitetes Eigenblut

Dabei wird Blut aus der eigenen Vene entnommen und so aufbereitet, dass die Blutplättchen konzentriert vorliegen. Diese enthalten Wachstumsfaktoren, die Entzündungsprozesse beeinflussen können. Das Konzentrat wird anschließend in das Gelenk oder – in speziellen Fällen – in den Knochen unter dem Knorpel injiziert.

Zelltherapien aus Fettgewebe (MFAT und SVF)

Hier wird körpereigenes Fettgewebe entnommen und aufbereitet. Die darin enthaltenen Zellen werden anschließend in das betroffene Gelenk eingebracht. Ziel ist es, Entzündungsprozesse zu beeinflussen und die Gelenkumgebung zu stabilisieren.

Behandlung von Knochenmarkläsionen

Bei manchen Arthrosepatienten entstehen schmerzhafte Veränderungen im Knochen direkt unter dem Knorpel. In spezialisierten Zentren wird versucht, diese Bereiche gezielt zu behandeln, indem biologisch aktive Substanzen direkt in den Knochen unter dem Knorpel eingebracht werden.

Dreidimensionale Bildgebung

Zur genaueren Diagnostik werden teilweise auch dreidimensionale Bildgebungsverfahren eingesetzt, etwa die digitale Volumentomographie (DVT). Sie kann zusätzliche Informationen liefern, ist jedoch kein Standardverfahren.

Gelenkerhaltende Operationen: Kniedistraktion

Ein besonders weitreichender Ansatz ist die sogenannte Kniedistraktion. Dabei wird das Kniegelenk über mehrere Wochen mechanisch entlastet. Ober- und Unterschenkel werden mithilfe eines äußeren Fixateurs leicht auseinandergezogen, um Druck vom Gelenk zu nehmen.

Der Bonner Orthopäde Dr. Markus Klingenberg kombiniert dieses Verfahren mit biologischen Therapien aus körpereigenem Fettgewebe. Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren und eine Knieprothese möglichst lange hinauszuzögern.

Die Methode ist jedoch mit erheblichen Belastungen verbunden: mehrere Wochen äußerer Fixateur, eingeschränkte Mobilität, Infektionsrisiken und intensive Rehabilitation.

Sie zeigt eindrucksvoll, was medizinisch möglich ist – aber auch, wie hoch die Hürden sind.

Professionalisierung und Industriekooperation

Orthobiologische Verfahren werden inzwischen nicht nur in einzelnen spezialisierten Praxen angewendet, sondern auch intensiv in internationalen Fortbildungsprogrammen diskutiert. Medizintechnikunternehmen investieren stark in dieses Feld und bieten eigene Trainingszentren an.

So berichtete Dr. Klingenberg kürzlich über eine Fortbildungsveranstaltung im Arthrex-Hauptsitz in München, bei der Therapien wie PRP, MFAT, SVF und sogenannte intraossäre Techniken im Mittelpunkt standen. In seiner Praxis wurden nach eigenen Angaben bereits mehr als 1.800 orthobiologische Behandlungen durchgeführt.

Diese Zahlen zeigen Erfahrung und Spezialisierung – machen aber auch deutlich, dass es sich um ein hoch spezialisiertes Feld handelt, das nicht Teil der flächendeckenden Regelversorgung ist.

Warum viele erst vor der Prothese ankommen

Viele Menschen suchen erst dann Hilfe, wenn die Beschwerden kaum noch kompensierbar sind. Der Gelenkersatz ist dann oft die logische Konsequenz – nicht, weil es keine Alternativen gäbe, sondern weil diese zu spät ins Blickfeld kommen.

Arthrose hat bislang kein strukturiertes Früherkennungsmodell. Viele wissen lange nicht, welchen Arthrosegrad sie haben und welche Optionen realistisch wären.

Wie die Versorgung in Zukunft aussehen könnte

Eine zukunftsorientierte Arthrose-Versorgung würde früher ansetzen: mit klarer Diagnostik, verständlicher Information und realistischen Behandlungspfaden.

Dass engagierte Ärztinnen und Ärzte neue Konzepte entwickeln und offen darüber sprechen, ist ein Gewinn. Damit dieser Fortschritt jedoch mehr Menschen erreicht, braucht es Struktur, Zugänglichkeit und frühe Orientierung.

Zwischen dem, was heute möglich ist, und dem, was viele erreicht, liegt bei Arthrose noch immer eine große Lücke.

Anmerkung der Redaktion

Seit über zehn Jahren begleitet das Arthrose Magazin die Entwicklungen in der Arthrose-Therapie – von Bewegungskonzepten über Injektionstherapien bis hin zu neuen biologischen Verfahren. In dieser Zeit hat sich vieles weiterentwickelt: Diagnostik, Therapieansätze und das Verständnis der Erkrankung sind deutlich differenzierter geworden.

Gleichzeitig zeigt sich immer wieder eine Herausforderung der Versorgung: Viele Betroffene erfahren erst spät, welchen Arthrosegrad sie haben und welche Möglichkeiten es in früheren Stadien gegeben hätte.

Gerade deshalb ist es wichtig, neue Entwicklungen einzuordnen – und gleichzeitig den Blick auf die Basis zu richten: Bewegung, frühzeitige Information und eine realistische Einschätzung der individuellen Situation.

Mehr zum Thema:

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Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.

Redaktioneller Beitrag von Barbara Egger-Spiess, Gesundheitsjournalistin & Herausgeberin des Arthrose-Magazins

Illustration: KI-generiertes Bild (Symbolbild)

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