Arthrofibrose behandeln
Arthrofibrose

Arthrofibrose: Warum die Behandlung so schwierig ist

Dr. Ralf Rosenberger und Physiotherapeut Othmar Hauer informierten über Ursachen, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation bei Arthrofibrose.

Arthrofibrose zählt zu den komplexesten Komplikationen nach Knieoperationen. Trotz moderner Operationsmethoden können Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und anhaltende Vernarbungen entstehen, die den Alltag der Betroffenen über lange Zeit massiv beeinträchtigen.

Beim Arthrofibrose-Expertentag im Rahmen des Ötztal.Arthrose.Campus am 16. April 2026 im Vivea Hotel Umhausen informierten Priv.-Doz. Dr. Ralf Rosenberger und Physiotherapeut Mag. Othmar Hauer über Ursachen, Diagnostik, operative Behandlungsmöglichkeiten und Rehabilitation bei Arthrofibrose.

Die Vorträge griffen dabei viele Themen auf, die zuvor bereits in der Gesprächsrunde mit Betroffenen diskutiert worden waren. Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten dort über langwierige Rehabilitationsverläufe, eingeschränkte Beweglichkeit, Schmerzen und die oft schwierige Suche nach spezialisierten Ansprechpartnern.

Arthrofibrose: warum die Behandlung so schwierig ist

Im Verlauf der Vorträge wurde mehrfach betont, dass Arthrofibrose nicht auf eine einzelne Ursache reduziert werden kann.

Beschrieben wurde Arthrofibrose als komplexe Reaktion des Körpers, bei der unterschiedliche Faktoren zusammenwirken können. Neben mechanischen Problemen im Gelenk wurden auch mögliche biologische, immunologische oder individuelle Reaktionen des Gewebes angesprochen.

Im Verlauf der Vorträge wurde mehrfach deutlich, warum die Behandlung von Arthrofibrose oft schwierig ist. Beschwerden, Ursachen und Verläufe können sehr unterschiedlich sein. Gleichzeitig reagiert das Gewebe häufig empfindlich auf zusätzliche Reize, während spezialisierte Ansprechpartner und Anlaufstellen weiterhin begrenzt sind.

Dr. Rosenberger erklärte, dass sowohl mechanisch bedingte Formen als auch andere individuelle Faktoren eine Rolle spielen können.

Als mögliche mechanische Ursachen wurden unter anderem genannt:

  • Rotationsprobleme von Femur oder Tibia
  • Veränderungen des posterioren Offset
  • Probleme im Beugespalt
  • Veränderungen des Tibial Slope
  • erhöhte Druckverhältnisse im Bereich der Patella.

Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass häufig mehrere Faktoren gleichzeitig beteiligt sind.

Typische Beschwerden bei Arthrofibrose

Im Vortrag wurden außerdem typische Symptome beschrieben, die viele Betroffene bereits zuvor in der Gesprächsrunde geschildert hatten.

Dazu gehören unter anderem:

  • eingeschränkte Beugung oder Streckung des Knies
  • Schmerzen bei Belastung
  • Schmerzen in Ruhe
  • Anlaufschmerzen
  • zunehmende Steifigkeit
  • ein blockiertes Gefühl im Gelenk
  • das sogenannte „Schraubstockgefühl“.

Mehrere Teilnehmer berichteten zudem über das Gefühl einer „fest arretierten“ Kniescheibe sowie über Schmerzen beim Treppensteigen oder bei Beugebewegungen.

Diagnostik erfolgt hauptsächlich klinisch

Ein zentrales Thema der Vorträge war die Diagnostik der Arthrofibrose.

Dabei wurde erklärt, dass Arthrofibrose in erster Linie klinisch diagnostiziert wird. Entscheidend seien die Beschwerden, die Beweglichkeit des Gelenks sowie typische Untersuchungsergebnisse.

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Bildgebende Verfahren wurden vor allem ergänzend eingeordnet.

Besprochen wurden unter anderem:

  • CT-Untersuchungen zur Vermessung von Rotation, Tibial Slope oder posteriorem Offset
  • die Beurteilung von Patelladruck und Beugespalt
  • Thermografie als möglicher Hinweis auf Entzündung oder Unterdurchblutung.

Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass MRT-Untersuchungen bei Arthrofibrose nicht immer eindeutige Ergebnisse liefern.

Operative Behandlungsmöglichkeiten

Im weiteren Verlauf der Vorträge wurden unterschiedliche operative Möglichkeiten besprochen.

Dazu gehörten:

  1. arthroskopische Arthrolysen
  2. offene Arthrolysen
  3. Anpassungen im Bereich der Patella
  4. Komponentenwechsel bei Knieprothesen.

Mehrfach wurde erklärt, dass bereits kleine Veränderungen im Gelenk klinisch relevant sein können.

Gleichzeitig wurde betont, dass jede Operation erneut einen Reiz für das Gewebe darstellt und deshalb sorgfältig abgewogen werden müsse.

Auch das Risiko erneuter Vernarbungen nach Eingriffen wurde angesprochen.

Rehabilitation und Physiotherapie

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Rehabilitation und auf der physiotherapeutischen Behandlung nach Knieoperationen.

Sowohl Dr. Rosenberger als auch Mag. Othmar Hauer betonten, dass Bewegungen möglichst dosiert und nicht schmerzprovokativ erfolgen sollten.

Aggressive Mobilisationen oder Übungen über die Schmerzgrenze hinaus wurden kritisch gesehen.

Auch Mobilisationen in Narkose wurden im Zusammenhang mit zusätzlichen Reizen für das Gewebe kritisch eingeordnet.

Siehe auch dazu das Interview von Kaley Usher, PhD von der International Arthrofibrosis Association (IAA) mit Dr. Ralf Rosenberger über Manipulation unter Narkose (MUA) bei Arthrofibrose

Manipulation unter Narkose (MUA) bei Arthrofibrose – Hilfe oder Risiko?

 

Beschrieben wurden unter anderem:

  • dosierte Mobilisation
  • funktionelle Bewegungsabläufe
  • alltagsbezogene Übungen
  • Gangschule
  • kontrollierte Belastungssteigerung.

Mehrfach wurde erklärt, dass Physiotherapie hauptsächlich Unterstützung und Anleitung bieten könne.

Auch die Eigenaktivität der Betroffenen wurde wiederholt angesprochen. Regelmäßige Übungen, Bewegung im Alltag und langfristige Mitarbeit gelten als wichtiger Bestandteil der Rehabilitation.

Unterschiedliche Verläufe und schwierige Prognosen

Im Verlauf der Veranstaltung wurde deutlich, dass sich Arthrofibrose sehr unterschiedlich entwickeln kann.

Während einzelne Betroffene nach Arthrolysen oder intensiver Rehabilitation deutliche Verbesserungen erreichten, berichteten andere über langjährige Beschwerden trotz mehrerer Operationen und umfangreicher Therapieprogramme.

Mehrfach wurde erklärt, dass der Verlauf nur eingeschränkt vorhersehbar sei und es keine Garantie auf vollständige Beschwerdefreiheit gebe.

Auch das Risiko erneuter Vernarbungen wurde angesprochen.

Probleme in der Versorgung

Ein weiteres Thema war die Versorgungssituation von Menschen mit Arthrofibrose.

Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass die Erkrankung noch immer vergleichsweise wenig bekannt ist und spezialisierte Anlaufstellen begrenzt sind.

Auch Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich wurden diskutiert, unter anderem bei:

  • Rehabilitationsmöglichkeiten
  • Physiotherapieverordnungen
  • Kostenübernahmen
  • Zugang zu spezialisierten Einrichtungen.

Bedeutung von Forschung und Austausch

Zum Abschluss wurden laufende Forschungsprojekte und der internationale Austausch angesprochen.

Erwähnt wurden unter anderem Untersuchungen zur MRT-basierten Diagnostik sowie internationale Forschungsprojekte zur Arthrofibrose.

Mehrfach wurde betont, wie wichtig der Austausch zwischen Betroffenen, Therapeutinnen und Therapeuten sowie spezialisierten Ärztinnen und Ärzten ist.

Der Arthrofibrose-Expertentag im Ötztal zeigte damit nicht nur die medizinische Komplexität der Erkrankung, sondern auch die Bedeutung von Information, Erfahrungsaustausch und interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Hinweis: Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf den Fachvorträgen und Diskussionen des Arthrofibrose-Expertentags im Rahmen des Ötztal.Arthrose.Campus am 16. April 2026 in Umhausen. Einzelne Aussagen wurden redaktionell zusammengefasst. Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung oder Behandlung.

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