Wenn Arthrose die Arbeitsfähigkeit beeinflusst
Arthrose

Arthrose und Arbeitsfähigkeit: Wenn der Beruf zum Problem wird

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Arthrose und Arbeitsfähigkeit sind für viele Betroffene ein zentrales Thema. Wenn der bisherige Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann, geht es oft auch um Einkommen und die berufliche Zukunft.

Für viele Betroffene wird die Erkrankung spätestens dann zur Existenzfrage, wenn die tägliche Arbeit nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich ist.

Besonders deutlich zeigt sich das in Berufen, in denen viel gekniet, gehoben, getragen, gestanden oder gegangen wird. Doch auch andere Tätigkeiten können durch Arthrose zunehmend schwierig werden.

Manche reduzieren ihre Arbeitszeit, wechseln ihre Tätigkeit oder müssen sich beruflich völlig neu orientieren. Andere beschäftigen sich irgendwann mit der Frage nach Invalidität oder Berufsunfähigkeit.

Was für den einzelnen Menschen weitreichende persönliche und finanzielle Folgen hat, summiert sich gleichzeitig zu hohen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten.

Genau diese oft wenig sichtbare Seite der Arthrose rückt zunehmend in den Fokus.

Arthrose wird häufig vor allem als medizinisches Problem betrachtet: Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Physiotherapie, Medikamente oder irgendwann vielleicht ein künstliches Gelenk.

Doch für Menschen, die mitten im Berufsleben stehen, kann sich eine ganz andere Frage stellen: Was passiert, wenn das betroffene Gelenk die tägliche Arbeit zunehmend unmöglich macht?

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Was hilft bei Kniearthrose?

Gerade bei Kniearthrose hängt viel davon ab, welche Tätigkeit jemand ausübt. Wer täglich knien, hocken, schwere Lasten tragen, Treppen steigen oder viele Stunden stehen und gehen muss, erlebt die Erkrankung am Arbeitsplatz anders als jemand mit überwiegend sitzender Tätigkeit.

Aber auch langes Sitzen, häufiges Aufstehen oder längere Wege können mit fortgeschrittener Kniearthrose schwierig werden.

Damit wird Arthrose nicht nur zu einer Frage der Behandlung, sondern auch der Arbeitsfähigkeit.

Wenn der bisherige Beruf nicht mehr geht

Ein Bodenleger, der nicht mehr knien kann. Eine Pflegekraft, für die Heben, Umlagern und lange Dienste auf den Beinen zunehmend schwierig werden. Beschäftigte in Handwerk, Produktion, Verkauf oder Gastronomie, bei denen Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit täglich mit der Arbeit kollidieren.

Solche Situationen kennen viele Betroffene.

Manche versuchen lange, trotz Schmerzen weiterzuarbeiten. Hinzu kommen Krankenstände und Phasen, in denen zwar gearbeitet wird, die Leistungsfähigkeit aufgrund der Beschwerden aber deutlich eingeschränkt ist.

Und irgendwann kann die Frage entstehen: Was passiert, wenn Arbeiten tatsächlich nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt möglich ist?

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Arthrose und Berufsunfähigkeit: Entscheidend ist nicht allein die Diagnose

Eine Arthrose-Diagnose bedeutet in Österreich nicht automatisch, dass jemand Anspruch auf eine Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension hat.

Entscheidend ist vielmehr, wie stark die gesundheitlichen Einschränkungen die tatsächliche Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen. Die Pensionsversicherung unterscheidet dabei zwischen Invalidität bei Arbeiterinnen und Arbeitern und Berufsunfähigkeit bei Angestellten.

Ob Invalidität oder Berufsunfähigkeit vorliegt, wird im Rahmen einer medizinischen Begutachtung beurteilt. Dabei werden bestehende Funktions- und Leistungseinschränkungen festgestellt. Zusätzlich spielen berufskundliche und gesetzliche Kriterien eine Rolle.

Das macht einen wesentlichen Unterschied: Dieselbe Kniearthrose kann beruflich völlig unterschiedliche Folgen haben. Für einen Menschen, dessen Arbeit tägliches Knien, Hocken oder schweres Tragen verlangt, kann eine bestimmte Funktionseinschränkung erheblich schwerer wiegen als bei einer Tätigkeit, die körperlich angepasst werden kann.

Auch der sogenannte Berufs- beziehungsweise Tätigkeitsschutz kann bei der Beurteilung eine Rolle spielen. Ob auf eine andere Tätigkeit verwiesen werden kann, hängt von der individuellen beruflichen Situation und den gesetzlichen Voraussetzungen ab.

Arthrose vorbeugen und behandeln: Reha, Kur und GVA in Österreich

Grundsätzlich gilt in Österreich zudem das Prinzip „Rehabilitation vor Pension“. Bei einem Antrag wird daher zunächst geprüft, ob medizinische oder berufliche Rehabilitationsmaßnahmen eine Rückkehr ins Arbeitsleben ermöglichen können. Je nach Situation können beispielsweise berufliche Rehabilitation, Rehabilitationsgeld oder Umschulungsgeld infrage kommen.

Für Betroffene bedeutet das vor allem: Nicht das Röntgenbild und nicht das Wort „Arthrose“ allein entscheiden darüber, ob jemand noch arbeitsfähig ist. Entscheidend sind die tatsächlichen Einschränkungen und die individuelle berufliche Situation.

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Warum Arthrose mehr kostet als eine Operation

Die Auswirkungen auf das Berufsleben haben nicht nur persönliche Konsequenzen. Sie verursachen auch erhebliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Kosten.

In der Gesundheitsökonomie spricht man in diesem Zusammenhang von Produktivitätsverlusten. Gemeint sind damit nicht nur Krankenstände. Berücksichtigt werden können auch Situationen, in denen Menschen trotz Beschwerden arbeiten, aber weniger leistungsfähig sind, ihre Arbeitszeit reduzieren oder früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

Wie groß diese Auswirkungen sein können, zeigt eine Studie von Xingzhong Jin, Ilana Ackerman und Kolleginnen und Kollegen, die im Fachjournal Arthritis Care & Research veröffentlicht wurde.

Die Forschenden untersuchten die Folgen von Kniearthrose für Menschen im Erwerbsalter in Australien. Für das Jahr 2019 gingen sie von rund 913.000 Betroffenen aus.

Ihre Modellrechnung ergab:

  • Rund 1,94 Millionen produktivitätsbereinigte Lebensjahre gingen verloren.
  • Der damit verbundene Verlust an Wirtschaftsleistung wurde über die verbleibende Lebensarbeitszeit auf rund 424 Milliarden australische Dollar geschätzt.

Wichtig ist die Einordnung dieser enormen Zahl: Dabei handelt es sich nicht um Behandlungskosten und auch nicht um Kosten eines einzelnen Jahres. Berechnet wurde vielmehr, welche Wirtschaftsleistung durch die Auswirkungen von Kniearthrose auf die Produktivität über die verbleibende Erwerbslebenszeit der untersuchten Bevölkerung verloren gehen könnte.

Hinter diesen abstrakten Milliardenbeträgen stehen damit genau jene persönlichen Situationen, die Betroffene erleben: Fehlzeiten, Arbeiten trotz Beschwerden, reduzierte Arbeitszeit, Berufswechsel oder ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben.

Was „PALYs“ bedeuten

Für ihre Berechnungen verwendeten die Forschenden sogenannte PALYs – Productivity-Adjusted Life Years, also produktivitätsbereinigte Lebensjahre.

Vereinfacht gesagt soll dieses Maß zeigen, wie viel produktive Lebenszeit durch eine Erkrankung verloren geht.

Dabei geht es nicht nur darum, ob jemand aufgrund einer Erkrankung überhaupt nicht arbeiten kann. Auch eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit während der Arbeit oder ein früheres Ausscheiden aus dem Erwerbsleben kann berücksichtigt werden.

PALYs machen damit etwas sichtbar, das in klassischen Behandlungskosten kaum auftaucht: Eine chronische Erkrankung kann erhebliche Folgen haben, lange bevor ein Krankenhausaufenthalt oder eine Operation notwendig wird.

Arthrose als unterschätztes Public-Health-Thema

Die wirtschaftlichen Folgen von Kniearthrose stehen auch im Mittelpunkt einer aktuellen Folge des Joint Action Podcast von Professor David Hunter.

Gemeinsam mit Xingzhong „Jason“ Jin und Professorin Ilana Ackerman diskutiert er, wie Kniearthrose die Teilnahme am Arbeitsleben und die Produktivität beeinflusst.

Der Blick auf die Arbeitsfähigkeit verändert dabei auch die Perspektive auf die Erkrankung.

Eine gute Arthroseversorgung bedeutet nicht nur, Schmerzen zu behandeln. Es geht ebenso darum, Beweglichkeit, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe möglichst lange zu erhalten – und für Menschen im Erwerbsalter gehört dazu auch die Möglichkeit, weiter arbeiten zu können.

Was bedeutet das für Österreich?

Die australischen Zahlen lassen sich nicht einfach auf Österreich übertragen. Gesundheitssystem, Arbeitsmarkt, Bevölkerungsstruktur und wirtschaftliche Rahmenbedingungen unterscheiden sich.

Dass Erkrankungen des Bewegungsapparates aber auch hierzulande erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben, zeigt der österreichische Fehlzeitenreport 2026. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes verursachten 2025 19,1 Prozent aller Krankenstandstage bei unselbständig Beschäftigten.

Besonders interessant im Zusammenhang mit Arthrose: Bei Kniegelenksverschleiß waren die Krankenstände vergleichsweise lang. Die durchschnittliche Dauer eines Krankenstands lag laut Fehlzeitenreport bei 38 Tagen.

Die Zahlen zeigen zwar nicht die gesamten wirtschaftlichen Kosten von Arthrose in Österreich. Sie machen aber deutlich, dass Erkrankungen des Bewegungsapparates auch hier weit über die medizinische Versorgung hinausreichen und erhebliche Auswirkungen auf das Erwerbsleben haben können.

Gerade deshalb sollte Arthrose nicht erst dann zum gesundheitspolitischen Thema werden, wenn ein Gelenkersatz notwendig wird.

Arbeitsfähigkeit möglichst lange erhalten

Prävention, Bewegung und gezieltes Training, Gewichtsmanagement bei Übergewicht sowie eine frühzeitige und individuell passende Behandlung können dazu beitragen, Beschwerden zu reduzieren und die Funktionsfähigkeit möglichst lange zu erhalten.

Genauso wichtig kann es sein, früh darüber nachzudenken, wie sich ein Arbeitsplatz an gesundheitliche Einschränkungen anpassen lässt und welche medizinischen oder beruflichen Rehabilitationsmöglichkeiten bestehen.

Denn wenn Arthrose die Arbeitsfähigkeit bedroht, geht es um weit mehr als das betroffene Gelenk. Es geht um Beruf, Einkommen, Selbstständigkeit und nicht zuletzt um die persönliche Lebensplanung.

Arthrose ist deshalb nicht nur eine Frage der individuellen Gesundheit. Sie betrifft auch Arbeitswelt, Gesellschaft und Gesundheitssystem.

Und damit stellt sich neben der Frage, was die Behandlung von Arthrose kostet, noch eine zweite:

Was kostet es, wenn Menschen mit Arthrose ihre Arbeitsfähigkeit verlieren?

Weiterlesen:

Arthrosetherapie 2.0: Pilotprojekt für Kniearthrose in Niederösterreich

Hinweis: Die hier geteilten Informationen dienen der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzen keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung.

Redaktioneller Beitrag von Barbara Egger-Spiess, Gesundheitsjournalistin und Herausgeberin des Arthrose-Magazins.

Illustration: KI-generiertes Bild (Symbolbild)

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