Zuletzt aktualisiert am 29. Mai 2026 von tirolturtle
Knorpelschaden Knie und Therapie: Was ist ein Knorpelschaden? Warum ist die frühzeitige Therapie so wichtig? Knorpelexperte Dr. Wolfgang Zinser klärt auf!
Knorpelschaden Knie und Therapie, insbesondere regenerative Therapien, sind ein komplexes Thema. Für Arthrose Betroffene und Patient*innen mit Knorpelschaden am Knie ist es schwer, sich eine Übersicht über die neuesten Behandlungsmethoden zu verschaffen und sich in der Thematik zurechtzufinden.
Das beginnt bereits bei der Frage, warum ein Knorpelschaden am Knie frühzeitig behandelt werden sollte, warum Knorpelregeneration und Gelenkerhalt in Österreich leider immer noch unterrepräsentiert sind und warum zu früh und zu häufig vermeidbare künstliche Gelenke eingesetzt werden.
Dazu mehr im Beitrag: Knorpelschaden und regenerative Therapien
Knorpelschaden und regenerative Therapien: Gelenkerhalt vor Gelenkersatz!
Update: Mit den erstmals veröffentlichten „Österreichischen Experten-Empfehlungen zur Behandlung von Knorpelschäden am Kniegelenk 2025“ liegt nun auch für Österreich ein aktueller wissenschaftlicher Konsens zur gelenkerhaltenden Knorpeltherapie vor.
Die Empfehlungen wurden gemeinsam von führenden Knorpelexpert*innen des Landes, der ÖGOuT sowie der Gesellschaft für Knorpelregeneration und Gelenkerhalt (QKG) erarbeitet. Mitautor ist auch Dr. Wolfgang Zinser.
Die Empfehlungen betonen unter anderem:
- die zunehmende Abkehr von der alleinigen Mikrofrakturierung,
- die Bedeutung moderner matrixgestützter Verfahren,
- die matrixassoziierte autologe Chondrozytentransplantation (mACT) als Goldstandard bei größeren Knorpeldefekten,
- sowie die Bedeutung und Behandlung von Begleitfaktoren wie Fehlstellungen, Instabilitäten und Meniskusschäden.
Damit sich Betroffene einen verständlichen Überblick über moderne Knorpeltherapien verschaffen können, entstand dieses gemeinsame Aufklärungsprojekt von Knorpelexperte Dr. Wolfgang Zinser und der Gesundheitsjournalistin Barbara Egger-Spiess.
Gemeinsam wurden die wichtigsten Fragen rund um Knorpelschäden am Knie, Knorpelregeneration und gelenkerhaltende Therapien gesammelt und aus Patientensicht beantwortet. Die Antworten gibt Dr. Wolfgang Zinser in diesem Beitrag sowie in ergänzenden Aufklärungsvideos.
13 Fragen zu Knorpelschaden Knie und Therapie
1. Was ist ein Knorpelschaden und warum sollten Knorpelschäden am Knie so früh wie möglich therapiert werden?
Der Gelenkknorpel ist außerordentlich wichtig dafür, dass Druckbelastungen im Gelenk gleichmäßig verteilt werden und gleichzeitig zusammen mit der Gelenkflüssigkeit eine nahezu reibungslose Bewegung des Gelenks möglich ist.
Wenn ein Knorpelschaden entsteht, wird dieses System gestört, die Gelenkfunktion wird eingeschränkt und Schmerzen können entstehen.
Meistens entstehen diese Knorpelschäden an kleineren Stellen, die dann aber unbehandelt leider immer größer werden und dann über die Zeit in einen generalisierten Gelenkverschleiß münden – das nennt man dann Arthrose.
Ist erst einmal eine Arthrose entstanden, ist sie leider nicht mehr umkehrbar und bei hohem Leidensdruck bleibt dann nur das künstliche Gelenk!
Deshalb sollte man unbedingt Knorpelschäden, wenn sie entstanden sind, so früh wie möglich und richtig behandeln, damit eben möglichst keine solche Arthrose entsteht.
Wir wissen heute aus guten Studien, dass ca. 21 % der Knieprothesen durch eine rechtzeitige und korrekte Knorpeltherapie vermeidbar wären.
Also, die wichtigste Aussage ist: Arthrose ist oft keine unvermeidbare Folge des Älterwerdens, sondern häufig die Konsequenz einer nicht rechtzeitigen oder falschen Therapie eines lokalisierten Knorpelschadens.
Genau darauf weisen auch die österreichischen Experten-Empfehlungen hin: Unbehandelte Knorpelläsionen zeigen häufig eine fortschreitende Vergrößerung und können langfristig in eine generalisierte Arthrose übergehen. Eine frühzeitige gelenkerhaltende Therapie kann die Arthroseprogression verzögern oder verhindern.
2. Was sind die Voraussetzungen für eine Knorpeltherapie am Knie?
Damit eine Knorpeltherapie am Kniegelenk optimale Behandlungsergebnisse erzielen kann, sollten neben dem Knorpelschaden möglichst keine weiteren krankhaften Veränderungen vorliegen.
Wenn z. B. O-Beine oder X-Beine, größere Meniskus Schäden, Instabilitäten wegen z. B. Kreuzbandrissen, ein Fehllauf oder Instabilität der Kniescheibe vorhanden sind, müssen diese vor oder zusammen mit der geeigneten Knorpeltherapie möglichst korrigiert werden.
Außerdem spielt das biologische Alter eine Rolle: Mit zunehmendem Alter über 55 Jahre funktioniert eine Knorpelregeneration nicht mehr so gut wie in jüngeren Jahren.
Aber auch der Knorpeldefekt selbst sollte nicht zu alt sein und es sollte möglichst noch keine Arthrose entstanden sein.
Wenn man mit einem Knorpeldefekt länger als 3 Jahre mit der Behandlung wartet, werden die Ergebnisse schlechter.
3. Wovon hängt die Auswahl des geeigneten Therapieverfahrens für den einzelnen Patienten ab?
In erster Linie bestimmen die Größe und die Lokalisation des Knorpeldefekts die Auswahl des Knorpeltherapieverfahrens. Durch viele hervorragende Studien, die in der Vergangenheit hierüber durchgeführt wurden, wissen wir heute sehr genau, welche Therapien langfristig die besten Erfolge erzielen.
Außerdem ist noch wichtig, ob es sich um einen reinen Knorpeldefekt handelt oder aber auch der darunterliegende Knochen betroffen ist.
Ziel des Therapieverfahrens muss es sein, für den Patienten mit diesem Verfahren möglichst eine Regeneration des Knorpels in dem Defekt und eine entsprechende Beschwerdelinderung über mindestens 10–15 Jahre zu erreichen, und das Entstehen einer Arthrose zu verhindern oder zumindest hinauszuschieben.
4. Ist eine konservative Therapie von Knorpelschäden am Knie möglich? Welche Therapien und Hilfsmittel gibt es?
Für einen größeren lokalisierten Knorpeldefekt gibt es leider nach heutigem Wissensstand keine konservative Therapie, die zu einer Ausheilung dieses Schadens führt.
Konservative Therapie ist dann möglich und auch sinnvoll, wenn schon eine das ganze Gelenk betreffende Arthrose entstanden ist, oder eine operative Therapie aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich ist.
Zu den konservativen Therapieverfahren gehören eine Physiotherapie, medikamentöse Behandlung zur Reduktion der Schmerzen und einer Entzündung, eine geeignete Ernährung, gegebenenfalls Nahrungsergänzungsmittel, geeignete Hilfsmittel wie entlastende Schuheinlagen und Orthesen.
Zunehmend spielt auch wieder die Traktionsbehandlung, bei der durch längeren Zug am Bein die Gelenkflächen entlastet und somit ein verbesserter Stoffwechsel in Gang gesetzt werden kann.
Außerdem werden Injektionen mit Hyaluronsäure und plättchenreichem Plasma aus dem eigenen Blut gewonnen eingesetzt.
All diese konservativen Therapien können zwar die Symptome deutlich lindern und die Funktion des Gelenkes verbessern, aber nach heutigem Kenntnisstand den Knorpel nicht nachhaltig regenerieren.
5. Welche operativen Therapieverfahren bei Knorpelschäden am Knie gibt es? Welche Fortschritte gibt es in diesem Bereich und welche sind noch zu erwarten?
Grundsätzlich kann man unterscheiden zwischen Eingriffen, die das Gelenk erhalten und den Knorpel regenerieren sollen und denen, die das volle Gelenk oder Teile davon ersetzen, mit einem künstlichen Gelenkanteil.
Bei den knorpelregenerierenden Techniken unterscheiden wir zwischen einzeitigen und zweizeitigen Verfahren.
Bei den einzeitigen Verfahren wird eine Technik angewandt, die in derselben Operation durchgeführt werden kann und damit die operative Behandlung beendet ist.
Bei der zweizeitigen Technik handelt es sich im Allgemeinen um eine Knorpelzelltransplantation, bei der in dem ersten Eingriff Knorpelproben entnommen werden, aus denen dann Knorpelzellen in einem externen Labor isoliert, vermehrt und angezüchtet werden. Diese angezüchteten Zellen werden dann in einer zweiten Operation in den Knorpeldefekt transplantiert.
Die wichtigsten Fortschritte wurden in den vergangenen Jahren vorwiegend in der Entwicklung von minimalinvasiven und arthroskopischen Techniken für die etablierten Verfahren erzielt.
Große Hoffnungen werden auf die Nutzung von körpereigenen oder aber Spenderstammzellen zur Knorpelregeneration gesetzt.
Im Tierversuch zeigen diese vielversprechenden Ergebnisse, die aber aufgrund regulärer Hürden für den Menschen noch in weiterer Zukunft liegen.
6. Mikrofakturierung, Nanofrakturierung, Mikro-Drilling, matrix-gestützte Knochenmarkstimulation, Bone Marrow Stimulation (BMS), Minced Cartilage, Autocart®️, osteochondrale Läsion etc. Was bedeuten diese Begriffe?
Auf den ersten Blick sehen die Bezeichnungen für die unterschiedlichen Knorpelregenerationstherapien schon verwirrend aus.
Aber eigentlich ist es nicht so schwer, vor allem wenn man sich an den international publizierten Empfehlungen und Leitlinien der Fachgesellschaften orientiert.
Unter dem Oberbegriff Knochenmarkstimulation, in Englisch Bone Marrow Stimulation (BMS), fallen Begriffe wie
- Mikrofrakturierung
- Nanofrakturierung
- Mikro-Drilling
- Pridie-Bohrung.
Das Prinzip besteht darin, dass ursprünglich am knöchernen Boden des Knorpeldefektes mit speziellen Instrumenten kleine Löcher eingestanzt oder eingebohrt werden, aus denen dann aus dem darunterliegenden Knochenmark Stammzellen in den Defekt gelangen sollen, die dann in der Lage sein sollen, den Defekt mit einem Knorpelregenerat zu füllen.
Diese Technik war über viele Jahre weitverbreitet und tritt nun immer mehr in den Hintergrund, da die Weiterentwicklungen deutlich bessere und länger anhaltende Ergebnisse gezeigt haben.
Zusammenfassend wird die reine Knochenmarkstimulation oder Mikrofrakturierung am Kniegelenk immer seltener durchgeführt und allenfalls nur noch bei geringen Defekten bis 1,5 cm².
Die österreichischen Experten-Empfehlungen sehen die alleinige Knochenmarkstimulation bzw. Mikrofrakturierung nur noch bei winzigen, scharf begrenzten Knorpeldefekten bis etwa 1,5 cm² als sinnvoll an – bevorzugt bei jüngeren Patient*innen unter 40 Jahren.
Hintergrund sind schlechtere Langzeitergebnisse, die geringere Qualität des entstehenden Ersatzknorpels sowie mögliche Veränderungen des darunterliegenden Knochens.
Die matrixgestützte Knochenmarkstimulation, in Englisch als mBMS bezeichnet, ist eine deutliche Weiterentwicklung der BMS, die zu einem besseren Knorpelregenerat und länger anhaltenden Ergebnissen geführt hat.
Zu der Knochenmarkstimulation wird eine Membran verwendet, die in der Lage sein soll, Stammzellen, die potenziell Knorpel neu bilden können, in der Membran am Defektort zu halten.
Mit der Zeit bauen sich die Membranen ab und der neu gebildete Knorpel bleibt. Diese Techniken sind wirksam bis zu Knorpeldefektgrößen von 4 bis 4,5 cm².
Laut Expertenpapier 2025 zeigen matrixaugmentierte Verfahren (mBMS/AMIC) im Vergleich zur klassischen Mikrofrakturierung bessere Ergebnisse hinsichtlich Knorpelqualität und Langzeitfunktion.
Besonders die Kombination aus Knochenmarkstimulation und Membranabdeckung wird als wichtige Weiterentwicklung bewertet.
Die Technik wird auch häufig als AMIC Technik bezeichnet, obwohl eigentlich damit die Verwendung einer ganz speziellen Membran gemeint ist.
Bei einer Weiterentwicklung der matrixgestützten Knochenmarkstimulation werden im Defekt keine Löcher mehr in den Knochen gemacht, um Stammzellen daraus zu gewinnen, sondern man lässt den Knochen unter dem Knorpeldefekt in Ruhe und schädigt ihn nicht durch Bohrungen.
Die Stammzellen werden dabei an einer anderen Stelle – beispielsweise aus dem Beckenkamm – gewonnen und anschließend auf die Membran aufgebracht, die in den Defekt eingebracht wird.
Man nennt diese Weiterentwicklung das BMAC-Verfahren = Bone Marrow Aspirate Concentrate, zu deutsch „Konzentriertes abgesaugtes Knochenmark“.
Die österreichischen Empfehlungen stufen BMAC derzeit als „Verfahren mit Potenzial, aber begrenzter Evidenz“ ein. Zwar liegen erste Studien mit guten funktionellen Ergebnissen vor, allerdings fehlen bislang standardisierte Verfahren und belastbare Langzeitdaten.
Von einer osteochondralen Verletzung oder Läsion spricht man, wenn nicht nur der Knorpel, sondern auch der darunterliegende Knochen betroffen ist. Der Begriff setzt sich aus „Osteo“ (Knochen) und „Chondro“ (Knorpel) zusammen.
Dementsprechend ist eine osteochondrale Transplantation eine Transplantation eines Knorpel- und Knochenteils und eine osteochondrale Läsion ist ein gleichzeitiger Knochen- und Knorpeldefekt.
Bei der osteochondralen Transplantation werden Knorpelknochenzylinder aus einem wenig belasteten Bereich des Kniegelenks in den betroffenen Knorpel Knochendefekt gebracht.
Die Technik wird bis zu einer Defektgröße von 1,5 cm² und vorzüglich bei Knorpelknochendefekten empfohlen, da sie dann beide Gewebe ersetzt.
Der Nachteil ist, dass an anderer Stelle im Knie, wo wenig Belastung auftritt, ein Defekt für die Entnahme gesetzt werden muss, deshalb werden maximal 2 Zylinder empfohlen.
Mit minced Cartilage wird eine Technik bezeichnet, bei der Knorpel aus den Defekträndern oder aus wenig belasteten Bereichen in Stückchen geschnitten oder mit sogenannten Shavern geschreddert wird, der dann im Defekt homogen verteilt wird.
Die Technik ist relativ neu und wird außerordentlich unterschiedlich durchgeführt. Teilweise wird sie kombiniert mit Knochenmarkstimulation, teilweise mit Membranen, häufig mit plättchenreichen Plasma, manchmal mit allem zusammen.
Die spezielle Technik einer großen Firma zu diesem Verfahren wird Autocart ® genannt. Bisher liegen keine wissenschaftlich belastbaren Daten vor, die zeigen, dass dieses Verfahren einen Vorteil gegenüber den vorgenannten Verfahren bringt.
Darüber müssen die Patienten vor der Anwendung einer solchen Therapie aufgeklärt werden.
Auch die österreichischen Experten sehen Minced Cartilage derzeit als Potenzialmethode.
Kurzfristige Ergebnisse erscheinen vielversprechend, allerdings fehlen bislang ausreichend hochwertige Langzeitstudien und standardisierte Verfahren, um eine klare allgemeine Empfehlung auszusprechen.
7. Wie können sich Patient*innen einen Überblick über diese Verfahren verschaffen und welche Therapien entsprechen den Empfehlungen?
Einen Überblick können sich die Patienten z. B. auf der Webseite unserer Fachgesellschaft, der Gesellschaft für Knorpelregeneration und Gelenkerhalt QKG verschaffen.
Die aktuellen Behandlungsempfehlungen für Deutschland, Österreich und die Schweiz basieren auf den aktuell zu den Verfahren publizierten wissenschaftlichen Studien.
Am meisten verbreitet ist die 2022 publizierte Behandlungsempfehlung der AG klinische Geweberegeneration der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), die auch internationale Anerkennung gefunden hat.
Die aktualisierten österreichischen Experten-Empfehlungen zur Behandlung von Knorpelschäden am Kniegelenk wurden 2025 veröffentlicht.
Sie wurden vom „Expertenkreis Gelenkerhalt und Knorpelregeneration Österreich“ gemeinsam mit der ÖGOuT und der Gesellschaft für Knorpelregeneration und Gelenkerhalt (QKG) erarbeitet und fassen den aktuellen wissenschaftlichen Stand zur Knorpeltherapie zusammen.
Wenn man sich nach den Behandlungsempfehlungen orientiert, bestehen außer den üblichen Operationsrisiken eigentlich wenig Risiken für den Patienten und in Abwägung bei geeigneter Indikation deutlich mehr Chancen auf eine lang anhaltende Lebensqualität als Risiken.
8. Was kann man sich unter einer Chondrozyten-Transplantation (ACT) und einer matrixinduzierten autologen Chondrozytentransplantation (mACT) vorstellen? Weshalb werden diese Therapien als Goldstandard in der Knorpeltherapie am Knie eingestuft?
Die autologe Knorpelzelltransplantation oder autologe Chondrozytentransplantation (ACT) ist eines der am besten untersuchten Verfahren der Orthopädie und Unfallchirurgie.
Chondrocyt bedeutet Knorpelzelle, autolog bedeutet körpereigen. Zahlreiche Langzeitstudien haben bewiesen: 80 % der Patienten, die mit dieser Therapie behandelt werden, dürfen mit einer Beschwerdefreiheit und guter Mobilität auch nach 10–15 Jahren und länger rechnen.
Empfohlen wird die mACT ab 2 cm² Defektgröße und viele bezeichnen das Verfahren bei großen Defekten über 4 cm² als „alternativlos“.
Bisher konnte kein anderes bekanntes Verfahren bei den großen Defekten diese Ergebnisse erzielen, deshalb die Bezeichnung Goldstandard.
Die österreichischen Empfehlungen 2025 bezeichnen die matrixassoziierte autologe Chondrozytentransplantation (mACT) ab etwa 2 cm² Defektgröße als Goldstandard der Knorpeltherapie. Bei größeren Defekten über 4 cm² wird sie sogar als „alternativloser Goldstandard“ beschrieben.
9. Für wen ist diese Therapie der mACT geeignet und wie läuft eine Knorpeltransplantation ab? Warum kommt es bei einer Knorpeltherapie auf die Größe des Knorpelschadens an?
Die Therapie ist geeignet für Patienten mit einem lokalisierten Knorpelschaden ab einer Größe von 2 cm², möglichst ohne relevante Arthrosezeichen.
Dabei werden in einem ersten Eingriff arthroskopisch wenige Mengen körpereigenen Knorpels entnommen und zusammen mit Patientenblut an ein Labor gesendet, das dann die Knorpelzellen isoliert und vermehrt, bis ausreichend Knorpelzellen für die Behandlung des Knorpelschadens vorhanden sind.
Heutzutage wird nur noch die matrixinduzierte Chondrozytentransplantation mACT angewendet, da diese im Vergleich zur klassischen Methode, wo die Zellen flüssig unter einen wasserdicht vernähten Knochenhautpatch gespritzt wurden, deutliche Vorteile bringt.
Das bedeutet, dass die Zellen entweder auf einer Membran oder in einem dreidimensionalen Gel oder aber in einer selbst gebildeten Matrix zum Chirurgen zur Transplantation nach Anzüchtung zurückkommen.
Die Größe des Knorpeldefektes hat sich als entscheidender Faktor für die Auswahl des Knorpel-Therapieverfahrens in allen wissenschaftlichen Studien gezeigt.
Die mACT ist als einziges Verfahren auch bei sehr großen Knorpeldefekten in der Langzeituntersuchung wirksam.
10. Und was bedeutet das, wenn bei Patienten Arthrose oder ein Knorpelschaden diagnostiziert wird?
Häufig steht in einem MRT-Befund oder Röntgenbefund die Diagnose Arthrose oder Arthrose Grad XY.
Der Arthrosegrad und die Arthroseform, die häufig auch lokalisiert gemeint ist, spielen eine entscheidende Rolle, ob noch eine Knorpelregeneration möglich ist oder nicht.
Deshalb wird sich der Knorpelchirurg und Knorpelspezialist immer die MRT und Röntgenbilder persönlich ansehen und beurteilen und sich nicht nur auf den Befund des Radiologen verlassen.
Wichtig ist, dass zur richtigen Diagnostik neben dem MRT immer auch eine Röntgenuntersuchung des Kniegelenkes in zwei Ebenen und eine Kniescheibenaufnahme und immer eine Ganzbeinstandaufnahme zur Beurteilung der Beinachse erforderlich ist.
11. Wie hoch sind in etwa die Kosten für eine matrixinduzierte Autologe Chondrozytentransplantation (mACT), wer führt diese durch, wie viel Erfahrung braucht es dafür?
Die Kosten für eine mACT liegen bei 8.000-13.000 EUR – je nach Herstellerfirma – nur für die Zellzüchtung!
In Österreich und Deutschland gibt es mehrere Produkte für die mACT, die von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.
In der Schweiz, die formal nicht zur Europäischen Union gehört, sind Produkte mit einer europäischen Zulassung (zum Zeitpunkt des Interviews) noch in einem individuellen Erstattungsprozess.
In Deutschland wird die mACT zunehmend auch ambulant durchgeführt. Der Chirurg bzw. die Einrichtung benötigt eine offizielle Zulassung von den Behörden.
Zur erfolgreichen Behandlung von Knorpelschäden und gegebenenfalls auch der Begleitpathologien braucht es speziell dafür ausgebildete Ärzte und Knorpelspezialisten.
Es gibt von verschiedenen Fachgesellschaften dafür Ausbildungsprogramme, und ein Patient wäre gut beraten, einen Spezialisten aufzusuchen, der diese Ausbildungsprogramme absolviert hat und ein Zertifikat auf diesem Gebiet vorweisen kann.
12. Wie kann sich ein Patient auf eine Knorpeltransplantation optimal vorbereiten? Wie schaut es mit der Nachbehandlung aus? Was muss beachtet werden?
Inzwischen gibt es sogenannte präoperative Rehabilitationsprogramme, vor vielen Eingriffen so auch vor einem Knorpeleingriff.
Der Patient sollte vor der Knorpelprobenentnahme und im gesamten Heilungsprozess möglichst nicht rauchen, sich gesund ernähren und die Behandlungsprotokolle möglichst gewissenhaft einhalten.
Für die Nachbehandlung gibt es spezielle Empfehlungen der Fachgesellschaften und inzwischen auch speziell ausgebildete Physiotherapeuten, die eine Weiterbildung zur Nachbehandlung nach knorpelregenerativen Eingriffen absolviert haben.
Die QKG bietet etwa ein derartiges Ausbildungsprogramm nicht nur für Ärzte, sondern auch für Physiotherapeuten an. Damit der regenerierende Knorpel in der Anfangsphase geschützt wird, ist häufig eine längere Teilbelastung des Gelenks erforderlich.
Gleichzeitig braucht es aber eine kontinuierliche Bewegung z. B. auf einer Motorschiene für sechs Wochen täglich mehrere Stunden, damit die Zellen zu einem guten Knorpelaufbau angeregt werden.
Neuere Studien zeigen, dass Injektionen mit PRP und Hyaluronsäure nach der Operation und bestimmte Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine die Qualität des Knorpelregenerat verbessern können.
13. Warum ist eine erfolgreiche Knorpeltherapie nur bei gleichzeitiger Behandlung von Zusatzverletzungen (Kreuzbandriss, Meniskusschaden) zu erwarten? Warum sind in diesem Zusammenhang die Korrektur von O- und X-Beinen und die Korrektur von Bänderinstabilitäten im Kniegelenk wichtig?
Viele Knorpelverletzungen entstehen ursächlich aufgrund von Fehlstellungen oder Instabilitäten am Kniegelenk.
Das heißt, dass z. B. ein Knorpelschaden auf der Innenseite des Kniegelenkes vielfach auch mit einem O-Bein vergesellschaftet ist, da es dadurch zu einer Mehrbelastung der Innenseite des Kniegelenkes kommt.
Analog dazu die Mehrbelastung des äußeren Kniegelenks beim X-Bein. Auch Instabilitäten des Kniegelenks führen zu Knorpelschäden.
Wenn also diese Veränderungen nicht behandelt werden, so wird die Knorpelregeneration nicht gelingen, da ja die eigentliche Ursache nicht behandelt wurde.
Auch die österreichischen Experten-Empfehlungen betonen, dass Achsabweichungen über 5° ohne Korrektur als Kontraindikation für knorpelregenerative Eingriffe gelten. Selbst geringere Fehlstellungen können die Ergebnisse negativ beeinflussen und sollten gegebenenfalls mitbehandelt werden.
Ähnlich verhält es sich mit größeren Meniskusverletzungen. Deshalb sollte der gerissene Meniskus, wenn möglich, immer genäht werden, da er ein wichtiger Druckpuffer im Gelenk ist.
Über dieses Projekt:
Dieser Beitrag entstand als gemeinsames Aufklärungsprojekt von Dr. med. Wolfgang Zinser, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie, Knorpelexperte sowie Vorsitzender der Gesellschaft für Knorpelregeneration und Gelenkerhalt (QKG), Initiator und Gründungsmitglied des Expertenkreises für Gelenkerhalt und Knorpelregeneration Österreich und Barbara Egger-Spiess, Gesundheitsjournalistin, Gründerin des Arthrose Forum Austria und Herausgeberin des Arthrose Magazins Tirolturtle.
Ziel des Projekts war es, die wichtigsten Fragen rund um Knorpelschäden am Knie, Knorpelregeneration und gelenkerhaltende Therapien aus Patientensicht verständlich aufzubereiten. Ergänzend zu diesem Beitrag wurden zahlreiche kurze Aufklärungsvideos erstellt.
Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.
Foto: Shutterstock







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