Moderne Arthrosetherapien
Arthrose

Warum Arthrose heute anders behandelt wird als noch vor zehn Jahren

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Moderne Arthrosetherapien setzen zunehmend auf Biologie, Bewegung und individuelle Behandlungsstrategien. Ein Überblick über den aktuellen Wandel.

Lange Zeit folgte die Behandlung der Kniearthrose einem einfachen Muster: Schmerzmittel einnehmen, Belastung reduzieren, im Zweifel eine Cortisoninjektion. Für viele Betroffene brachte das kurzfristige Erleichterung – doch selten eine nachhaltige Verbesserung.

Heute ist klar: Arthrose ist keine reine Verschleißerkrankung. Sie ist ein aktiver Prozess, der Entzündung, Stoffwechsel, Mechanik und biologische Steuerung miteinander verbindet. Und genau dieses neue Verständnis verändert derzeit die Therapie grundlegend.

Arthrose ist mehr als „abgenutzter Knorpel“

Das Kniegelenk besteht nicht nur aus Knorpel. Zum sogenannten Gelenkorgan gehören auch Knochen, Gelenkinnenhaut, Menisken, Bänder, Sehnen und der Fettkörper im Gelenk. Diese Strukturen stehen in ständigem Austausch – sie reagieren auf Belastung, Bewegung, Entzündung und Stoffwechsel.

Arthrose entsteht daher nicht einfach durch Alter oder Nutzung, sondern durch ein Ungleichgewicht im gesamten System. Wird dieses Gleichgewicht nicht adressiert, bleiben Schmerztherapien oft an der Oberfläche.

Warum Schmerzmittel und Cortison an Grenzen stoßen

Nicht-steroidale Schmerzmittel können Schmerzen lindern, greifen aber nicht in den Krankheitsprozess ein. Sie verändern weder die Gelenkbiologie noch bremsen sie das Fortschreiten der Arthrose. Zudem sind sie bei längerer Anwendung mit bekannten Nebenwirkungen verbunden.

Auch Cortisoninjektionen wirken vorwiegend kurzfristig. Sie können die Entzündung dämpfen, verändern das Gelenkmilieu jedoch nicht nachhaltig. Bei wiederholter Anwendung mehren sich Hinweise, dass sie langfristig ungünstige Effekte auf den Knorpel haben können. Entsprechend werden sie heute deutlich zurückhaltender eingesetzt.

Der Paradigmenwechsel: vom Betäuben zum Verstehen

Moderne Arthrosetherapie setzt nicht mehr primär auf Ruhigstellung, sondern auf gezielte Aktivierung und biologische Regulation. Entscheidend ist dabei die Frage, welcher Mechanismus bei einer Person im Vordergrund steht.

Bei manchen dominieren entzündliche Prozesse, bei anderen Fehlbelastungen, Muskeldefizite oder Stoffwechselveränderungen. Diese Unterschiede lassen sich zunehmend klinisch erfassen – und eröffnen die Möglichkeit, Therapien individueller auszurichten.

Bewegung wird Teil der Therapie – nicht ihr Gegner

Ein zentraler Wandel betrifft die Rolle der Bewegung. Während früher Schonung empfohlen wurde, weiß man heute: Gezielte Bewegung ist eine der wirksamsten Maßnahmen bei Arthrose.

Richtig dosiertes Kraft- und Ausdauertraining verbessert die Durchblutung des Gelenks, stabilisiert die Muskulatur und wirkt entzündungsmodulierend. Bewegung ist damit kein Risiko, sondern eine therapeutische Maßnahme – vorausgesetzt, sie wird angepasst und begleitet.

PRP als Beispiel für biologisches Denken

Im Zuge dieses neuen Verständnisses gewinnen biologische Therapien an Bedeutung. Ein bekanntes Beispiel ist plättchenreiches Plasma (PRP), das aus dem eigenen Blut gewonnen wird. Es enthält körpereigene Botenstoffe, die entzündliche Prozesse beeinflussen und regenerative Mechanismen unterstützen können.

PRP ist kein Wundermittel und ersetzt weder Bewegung noch Lebensstiländerung. Es steht aber exemplarisch für einen neuen Ansatz: nicht Symptome zu unterdrücken, sondern das biologische Umfeld im Gelenk positiv zu beeinflussen.

Nicht jede Arthrose ist gleich

Ein wichtiger Gedanke moderner Konzepte ist die sogenannte Phänotypisierung. Arthrose verläuft nicht bei allen Menschen gleich. Manche Gelenke reagieren besonders entzündlich, andere vor allem auf mechanische Belastung oder metabolische Faktoren.

Diese Unterschiede zu erkennen, ist entscheidend für sinnvolle Therapieentscheidungen – und erklärt, warum eine Maßnahme bei einer Person gut wirkt, bei einer anderen aber kaum.

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Was das für Betroffene bedeutet

Der Wandel in der Arthrosetherapie bedeutet nicht, dass alles Bewährte falsch war. Er bedeutet aber, dass Einzellösungen selten ausreichen. Nachhaltige Behandlung kombiniert heute mehrere Ebenen: gezielte Bewegung und Muskelaufbau, realistische Belastungssteuerung, gegebenenfalls biologische oder entzündungsmodulierende Maßnahmen sowie Unterstützung durch Ernährung und Lebensstil.

Arthrose wird damit nicht „wegtherapiert“, aber aktiv beeinflusst.

Ein neues Rollenverständnis

Moderne Arthrosetherapie versteht das Gelenk als lebendiges System – und den Menschen als aktiven Teil der Behandlung. Der Fokus verschiebt sich vom reinen Schmerzmanagement hin zu einem langfristigen, biologisch orientierten Ansatz.

Genau dieser Paradigmenwechsel prägt derzeit viele Diskussionen in der Fachwelt – und wird Schritt für Schritt auch in der Versorgung von Arthrose-Betroffenen sichtbar.

Lesetipp: 

Kombi-Injektionen bei Arthrose: Was Hyaluron mit PRP, Chondroitin oder Kortison leisten kann

Injektionstherapie bei Kniearthrose: PRP, Hyaluron & Stammzellen im Vergleich

Weiterführende Lektüre (Fachhintergrund)

Der hier beschriebene Paradigmenwechsel wird aktuell auch intensiv in der orthopädisch-sportmedizinischen Fachwelt diskutiert.

Ein ausführlicher, wissenschaftlich fundierter Beitrag zur biologisch orientierten Arthrosetherapie – inklusive PRP, Phänotypisierung und moderner Injektionskonzepte – ist kürzlich in der Sportärztezeitung erschienen.

Zum Fachartikel:
Paradigmenwechsel in der Gonarthrosebehandlung
https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/20910/paradigmenwechsel-in-der-gonarthrosebehandlung/

Der verlinkte Beitrag richtet sich primär an medizinisches Fachpersonal.

Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.

Redaktioneller Beitrag von Barbara Egger-Spiess, Gesundheitsjournalistin & Herausgeberin des Arthrose Magazins

Bild: Illustration, KI-gestützt erstellt / Redaktion tirolturtle.at

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