Zuletzt aktualisiert am 18. März 2026 von tirolturtle
Das Pilotprojekt „Arthrosetherapie 2.0“ läuft seit 2024 in Niederösterreich. Mit dem Ziel, Menschen ein Programm für Kniearthrose zu bieten, das Bewegungstherapie, Aufklärung und Gewichtsmanagement kombiniert.
Kniearthrose zählt zu den häufigsten Gelenkerkrankungen und kann Mobilität und Lebensqualität deutlich einschränken. Gleichzeitig zeigt sich in der Versorgung häufig ein wiederkehrendes Muster: einzelne Maßnahmen, wenig Struktur und oft ein früher Weg in Richtung Operation.
Genau hier setzt das Konzept der „Arthrosetherapie 2.0“ an. Entwickelt wurde das Konzept vom Orthopäden Dr. Andreas Stippler, Gründer und ärztlicher Leiter des David Instituts Krems, gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Sozialversicherung.
Ziel sei es, eine strukturierte Basistherapie für Arthrose zu etablieren, die auf Bewegung, Aufklärung und Ernährung basiert und in dieser Form in Österreich bisher gefehlt habe, so der Orthopäde Dr. Andreas Stippler.
Bewegung, Aufklärung und Gewichtsmanagement
Das Programm basiert auf drei zentralen Säulen:
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Bewegungstherapie
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Edukation (Aufklärung über die Erkrankung)
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Gewichtsmanagement
Diese Kombination gilt international als Grundlage der konservativen Arthrosebehandlung.
Im Rahmen eines strukturierten Programms werden Trainings- und Therapieeinheiten mit Wissensvermittlung kombiniert. Ziel ist es, Beschwerden zu reduzieren, die körperliche Aktivität zu steigern und die Eigenkompetenz im Umgang mit der Erkrankung zu stärken.
Auch das Hinauszögern oder Vermeiden von Operationen ist ein zentraler Aspekt dieses Ansatzes.
Orientierung an internationalen Programmen
Die Idee hinter „Arthrosetherapie 2.0“ orientiert sich an erfolgreichen internationalen Modellen. Programme wie GLA:D in Dänemark oder NEMEX in Australien zeigen, dass strukturierte Trainingsprogramme einen messbaren Einfluss auf Beschwerden und Funktionsfähigkeit haben können.
In Studien konnte gezeigt werden, dass ein Teil der Patientinnen und Patienten durch solche Programme auf eine geplante Operation verzichten kann.
Prähabilitation: frühzeitig aktiv werden
Ein zentraler Gedanke des Konzepts ist die sogenannte Prähabilitation. Dabei geht es darum, frühzeitig aktiv zu werden – also nicht erst dann, wenn eine Operation bereits im Raum steht.
Bewegung, Aufklärung und ein besseres Verständnis der eigenen Erkrankung spielen dabei eine entscheidende Rolle. Ziel ist es, Betroffene in die Lage zu versetzen, selbst aktiv Einfluss auf den Verlauf der Arthrose zu nehmen.
Der Ansatz zielt darauf ab, Arthrose möglichst früh zu behandeln und Operationen wenn möglich hinauszuzögern oder zu vermeiden.
Ein möglicher Ansatz für die Versorgung
Das vorgestellte Konzept versteht sich als integrierter Versorgungsansatz. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten frühzeitig zu erreichen und ihnen konkrete Strategien für den Alltag zu vermitteln.
Auch aus Sicht der Versorgung wird diesem Ansatz Potenzial zugeschrieben, da durch frühzeitige Maßnahmen langfristig Kosten reduziert und Behandlungsverläufe verbessert werden könnten.
Bedeutung von Bewegung und Selbstmanagement
Wie wichtig ein strukturierter Ansatz mit Bewegung, Aufklärung und Selbstmanagement ist, zeigen auch aktuelle wissenschaftliche Arbeiten.
Eine Übersichtsarbeit (Review), veröffentlicht in der Fachzeitschrift JAMDA, hat sich mit Ursachen und Behandlung von Knieschmerzen beschäftigt. Demnach zählen Kniearthrose, patellofemorale Schmerzen und Meniskusschäden zu den häufigsten Auslösern. Insgesamt machen Knieschmerzen rund fünf Prozent aller Arztbesuche aus.
Weltweit sind schätzungsweise mehr als 650 Millionen Menschen von Kniearthrose betroffen.
Die Autorin Dr. Vicky Duong vom Kolling Institute kommt zu dem Schluss, dass die Erstbehandlung dieser Erkrankungen in vielen Fällen auf konservative Maßnahmen ausgerichtet sein sollte – insbesondere auf Bewegung, Aufklärung und aktives Selbstmanagement.
Weiterführende Informationen
Aktuelle Informationen zum Programm sowie zur konkreten Umsetzung finden sich auf der Website und den Social-Media-Kanälen des David Instituts Krems.
Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.
Redaktioneller Beitrag von Barbara Egger-Spiess, Gesundheitsjournalistin & Herausgeberin des Arthrose Magazins
Foto: Shutterstock









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