Arthrose Tagebuch

Zwei AA, die einfach nicht zusammenpassen. Oder doch?

Warum man mit Arthrose in den Handgelenken einen der spannendsten Outdoorparks Europas nicht besuchen sollte. Oder bietet die Area 47 trotzdem Spass?

Ein Samstag im August 2015. Es ist ein Jahrhundertsommer. Die Sonne glüht. Täglich hat es nicht nur gefühlte sondern echte über 30 Grad im Schatten. In der AREA 47 – dem Outdoorpark am Einang des Tiroler Ötztales gelegen – ist es der bisher stärkste Besuchertag des Jahres. Ich bin natürlich auch da. Im Schlepptau zwei Kids, den eigenen Nachwuchs und dessen Schulfreund. Das ist auch gut so. Denn so habe ich wenigstens ein Alibi, warum ich mich genau an einem der heißesten Tage des Jahres unter die tausenden Besucher der AREA 47 mischen muss. Die Jungs wollten es so.

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Ich selbst zähle ja nicht unbedingt zum Zielpublikum eines Outdoorparks, wo nur eines oder besser drei Dinge zählen, nämlich Fun, Adrenalin und Party: Beim Klettern im Hochseilgarten unter der Autobahnbrücke, beim Raften, beim Mountainbiken, beim Hydrospeed, beim Blobben, beim Wakeboarding, beim Jumpen, beim Waterbouldern, beim Chillen…und ja auf den ersten Blick sehe ich nur Jugendliche, auf den zweiten Blick sehe ich, dass  sehr viele in Gruppen organisiert sind und auf den dritten und genaueren Blick sehe ich auch unterschiedliche Altersstufen, auch ältere Semester.

Auf den ersten Blick ist das Besucheralter nicht sofort erkennbar, weil für das Hydrospeed, das Blobbing, oder das Zipfelbobrutschen sind alle Adrenalinjunkies in Neoprenanzügen und Helmen verpackt. Ich beginne mich schon wohler zu fühlen.

Für alle die noch nie in der AREA 47 waren: zum Sonnenbaden ist das nix. In Begleitung von Kindern schon gar nicht. Alle, auch die großen Kinder, sind ständig am Springen, Rutschen, Blobben, Tuben, Slacklinen oder Bouldern. Und man selbst: ist ununterbrochen am Schauen. Ja, man kann gar nicht oft genug hinschauen, wenn sich ausgewachsene Manns- und Frauenbilder per Zipfelbob über die Wasserschanze stürzen, mit dem Speedtube über die Schanze rutschen oder „blobben“ und dabei mit den unglaublichsten Verrenkungen durch die Luft wirbeln und teils höchst unsanft im Wasser landen.

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Das alles macht unglaublich Spass. Muss ich zugeben. Ich meine das Zuschauen. Es wird einem nie langweilig in der AREA 47. Am Tag unseres Besuches in der AREA 47 hatten wir sogar das Glück, einen der weltbesten, wenn nicht besten Cliffdiver, Orlando Duque, beim Springen aus 27 Meter Höhe zu beobachten. Mitten drin im Treiben zwischen Sprungtürmen, Rutschen und bereitete sich der kolumbianische Klippenspringer, eigentlich fast unbeobachtet von der lärmenden Masse, in aller Stille und ohne jegliche Allüren mental vor und machte nur diesen einen einzigen Sprung:

Das steckt einen an. Nein, natürlich nicht um selbst von 27 Meter Höhe zu springen. Auf diese Sprunghöhe zu kommen, ist übrigens per eingebauter Hydraulik in der Sprungturmanlage möglich. Aber es steckt an mitzumachen beim Outdoorspass im kühlen Nass. Aber zum einen bin ich irgendwie raus aus dem Alter und zum anderen kommen wir jetzt zu den zwei AAs, die irgendwie nicht zusammenpassen. Mit Arthrose in den Handgelenken kann man in der AREA 47 keinen Zipfelbob festhalten, oder auf bäuchlings auf einem Hydrospeed liegen, sich daran klammern, um damit im Höllentempo eine steile Rampe hinunterzurutschen.

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Ich meine, es würde schon gehen.Aber die nackte Angst würde einen dazu verleiten, die Sportgeräte verkrampft und mit eiserner Kraft festzuhalten. Ja sich daran festzuklammern, wie eine Ertrinkende. Dann der Aufprall auf dem Wasser. Bei Knieproblemen oder Arthrose in den Kniegelenken, denke ich gibt es da weniger Spass-Hürden. Höchstens beim Blobben sollte man aufpassen und beim Sprung auf die Blobbing-Area mit dem Po landen und nicht mit den Füßen oder Knien zuerst. Also Arthrose in den Handgelenken und AREA 47 das passt einfach irgendwie nicht zusammen. Oder doch?

Schon lange hatte ich in einem Schwimmbad – sorry, ich nenne es so, weil ich im Wasser schwimmend oder auf den Holzpritschen am Beckenrand sitzend das actionreiche Szenario genoss – nicht mehr so viel Spass! Diesem ersten Besuch heuer in der AREA 47 folgte wenige Tage später gleich ein zweiter. Und wieder verging die Zeit wie im Flug. Man kommt aus dem Beobachten, Stauen, Lachen, Mitleiden, aah und ooh schreien nicht heraus und bedauert es keine Minute lang am Geschehen selbst nicht teilhaben zu können.

Ganz ehrlich: Einige Jährchen jünger und ohne Arthrose in den Handgelenken hätte ich mich dreiviertel der in der Area 47 angebotenen adrenalingeladenen Action-Programme  auch nicht getraut.

 

 

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