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Vortrag Dr. Christian Fulghum
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Arthrose Experte Dr. Christian Fulghum: Vortrag über Gelenkersatz

Arthrose Experte Dr. Christian Fulghum hält beim ersten Treffen der Arthrose Selbsthilfegruppe TEPFIT einen Vortrag über Gelenkersatz. Ich war als Zaungast dabei.

Arthrose Vortrag Dr. Christian Fulghum über Gelenkersatz – das war einer der Programmpunkte des ersten analogen Treffens der Selbsthilfegruppe TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken (Hüfte und Knie). TEPFIT bedeutet übersetzt etwa „Fit mit TotalEndoProthese“.

Warum ein analoges Treffen? Die TEPFIT Selbsthilfegruppe ist im Rahmen einer Facebookgruppe online organisiert. Das soziale Netzwerk Facebook bietet seinen Usern die Möglichkeit zum Austausch in geschlossenen Gruppen.

Das heißt, Betroffene können sich in einem geschützten virtuellen Raum untereinander austauschen. Und das zu allen möglichen Themen. So auch zu den Themen Arthrose und künstliche Gelenke.

Der Gründer der TEPFIT Gruppe fungiert als Gruppen-Admin und Moderator. In diesem Fall ist das Peter Herrchen, der selbst zwei künstliche Hüftgelenke trägt und auf Endoprothese und Sport über seine persönlichen Erfahrungen bloggt.

In der Administration und Moderation der TEPFIT Facebookgruppe unterstützt wird Peter Herrchen von Theresa Schreiber und Ulrike Steyrer. Beide Damen sind ebenfalls von Arthrose betroffen und Trägerinnen künstlicher Gelenke.

Vortrag Dr. Christian Fulghum

Die ModeratorInnen der TEPFIT Facebookgruppe Theresa Schreiber, Peter Herrchen und Ulrike Steyer (v.l.) mit Dr. Christian Fulghum (l.)

Die TEPFIT Gruppe habe ich in meinem Blogbeitrag „Arthrose und Facebookgruppen: Liste und Anleitung“ bereits vorgestellt. Die mittlerweile über 1.000 Mitglieder tauschen sich online über Fragen rund um ihre Hüft- und Knieoperationen aus oder diskutieren über alltägliche und sportliche Aktivitäten mit künstlichen Knie- und Hüftgelenken.

Edit Mai 2020: Mittlerweile sind es über 3.700 Gruppenmitglieder. Zudem gibt es zum Thema Arthrose Selbsthilfegruppen in sozialen Netzwerken einen weiteren Blogbeitrag.

In meinem Artikel „Arthrose Selbsthilfegruppen auf Facebook: Die aktuelle Liste“ findest du eine Übersicht der digitalen deutschsprachigen Arthrose Selbsthilfegruppen.

Arthrose Experte Christian Fulghum klärt über Gelenkersatz auf

Zum ersten analogen TEPFIT Treffen vom 17. bis 19. November 2016 geladen hatten Heidi Rauch und Peter Herrchen. Sie sind gemeinsam die Autoren des Mutmach-Ratgeber „Mut zur neuen Hüfte – Mut zum neuen Knie“.

Auch Heidi Rauch ist doppelte Hüft-TEP-Trägerin und bloggt ebenfalls über ihre persönlichen Erfahrungen mit Arthrose und künstlichen Gelenken.

Da ich als selbst Gründerin und Admin der digitalen österreichischen Arthrose Selbsthilfegruppe Arthrose Forum Austria – Hilfe, Infos, Tipps die Idee eines analogen Treffens super fand, habe ich kurzerhand beschlossen, dabei zu sein. Und nicht zuletzt das Treffen für eine erstes persönliches Kennenlernen und für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen der österreichischen und deutschen Selbsthilfegruppe zu nutzen.

Von Innsbruck bis zum Tagungsort im Schloss Aufhausen in Erding bei München war es ja nicht allzu weit. Und so kam es, dass ich als österreichische Arthrose Bloggerin beim ersten Treffen der TEPFIT-Selbsthilfegruppe als Zaungast dabei war.

 

Vortrag Dr. Christian Fulghum

Gelenkexperte Dr. Christian Fulghum von der endogap-Garmisch-Partenkirchen trifft auf eine interessierte TEPFIT-Zuhörerschaft.

 

Das Treffen selbst war als Wochenend-Veranstaltung konzipiert. Ich konnte nicht das gesamte Wochenende dabei sein und habe mir daher den Arthrose Vortrag von Dr. Christian Fulghum am Samstag herausgepickt. Früh morgens losgefahren, erreichte ich nach einer Fahrzeit von knappen zwei Stunden den Tagungsort.

Überrascht beim ersten „Beschnuppern“ der 27 angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer war ich vom Altersschnitt. Ich erlebe es in meinem persönlichen Umfeld immer wieder, dass viele Menschen glauben Arthrose und künstliche Gelenke betreffe nur Ältere. Dass dem nicht so ist, zeigte das erste TEPFIT-Treffen ganz deutlich. Es waren so gut wie alle Altersstufen vertreten.

Gelenkexperte Dr. Christian Fulghum: locker vom Hocker

Erstaunt hat mich auch als Dr. Christian Fulghum, Chefarzt der endogap-Klinik für Gelenkersatz im Klinikum Garmisch-Partenkirchen zu Beginn seines Vortrags fragte: „Wer ist Hüfte, wer ist Knie?“ und sich ausschließlich „Hüften“ meldeten. Es waren also ausschließlich künstliche Hüftgelenke zum ersten TEPFIT-Treffen gekommen. Insgesamt ca. 40 an der Zahl. Wie das geht bei insgesamt 27 Teilnehmern? Na ja, einige haben beidseits künstliche Hüftgelenke implantiert.

Warum jetzt kein „Knie“ beim Treffen dabei war, dürfte dem Zufall geschuldet sein. Vielleicht waren Hüften zu diesem Zeitpunkt das drängendere Thema für die Betroffenen. Es war ja beispielsweise ein Teilnehmer dabei, der mir im persönlichen Gespräch erzählte, dass er noch gar keine künstliche Hüfte habe, aber kurz vor einer möglichen OP stehe und das TEPFIT-Treffen nutze, um sich mit Betroffenen auszutauschen und Informationen aus erster Hand einzuholen.

Auf jeden Fall wurde das erste TEPFIT-Treffen intensiv für den Austausch genutzt. Auch die Vorträge dienten zum Einholen von Informationen. Ich denke, mein persönlicher Eindruck – ich war ja nur ein paar Stunden dabei – täuscht mich nicht, dass das Treffen den „TEPFITTERN“ gut gefallen hat.

Zum Vortragenden selbst kann ich persönlich nur eines sagen: sympathisch und kompetent. Zudem zählt die Enodogap-Klinik in Garmisch-Partenkirchen deutschlandweit zu den Top Five der endoprothetischen Spezialkliniken.

Vielleicht hat auch der intime Rahmen und das echte Interesse der TEPFITler dazu beigetragen, dass Dr. Fulghum locker aus dem Nähkästchen plauderte. Auf jeden Fall hat der erfahrene Chirurg ausdrücklich den engagierten Austausch innerhalb der TEPFTI-Facebookgruppe gelobt. Selbst Mitglied meinte er wörtlich:

Ich komme meist gar nicht zum Kommentieren, weil schon von anderer Seite kompetent geantwortet wurde.

Last but not least hat selbstverständlich die mehr als 30-jährige Erfahrung von Dr. Christian Fulghum dazu beigetragen, dass alle Themen rund um künstliche Gelenke aufs Tapet kamen. Ich sage es mal so. Da wurde nicht lange um den heißen Brei herumgeredet und sich auch kein Blatt vor den Mund genommen. Die Dinge wurden benannt, wie sie zu benennen sind. Zumindest habe ich es so empfunden.

Arthrose Vortrag Dr. Christian Fulghum: die wichtigsten Aussagen

Auch ging Dr. Fulghum mit Geduld auf alle Fragen, die den Vortragsfluss zwar immer wieder ein wenig unterbrachen, ausführlich ein. Den gesamten Vortrag von Dr. Christian Fulghum gibt es übrigens auf YouTube zu sehen. Alle Infos zum TEPFIT-Treffen, Programm und Vorträge gibt es auf dem Endoprothese und Sport Blog von Peter Herrchen.

Als Zaungast beim gelungenen ersten deutschen TEPFIT-Selbsthilfetreffen habe ich die wichtigsten und vor allem knackigsten Aussagen aus dem Arthrose Vortrag Dr. Christian Fulghum für dich zusammengefasst:

„Was ist ein gutes Hüftimplantat? Es muss von Körper auf lange Zeit vertragen werden. Es muss eine gute und frühe Stabilität haben.“

„Was hat sich geändert im Vergleich zu früher? Früher musste man zum Teil zwei Wochen vor der OP in die Klinik einrücken und anschließend sechs Wochen bleiben. Man hat nicht gewagt, die Patienten auf das WC zu schicken. Die Schüssel kam zum Bett. Heute weiß man, dass das eine höhere Belastung für Frischoperierte an der Hüfte war, als das es das Aufstehen gewesen wäre.“

„Zur Lebensdauer von Implantaten. Es gibt viele verschiedene Implantate. Jeder Mensch ist anders. Es gibt daher auch keine Garantie auf die Lebensdauer. Wenn z.B. jemand mit 30 ein Implantat bekommt, gilt als Faustregel ein Austausch ca. alle 20 Jahre.“

„Zur Größe von Implantaten. Geht beim Einsatz eines eher klobigen künstlichen Gelenks zu viel Substanz verloren, kann diese nicht nachwachsen. Daher ist eine substanzerhaltende Implantation stets wünschenswert. Es gibt auch Implantate, die so stark verankert sind, dass man bei der Entfernung viel kaputt machen muss.“

 

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„Zum Preis-Leistungsverhältnis. An und für sich für den versicherten Patienten auf den ersten Blick keine vorrangige Frage. Andererseits werden in bestimmten europäischen Ländern zum Teil ab 70 Jahren Endoprothesen nicht mehr bezahlt.“

„Zum Standard von Implantaten. Selbstverständlich hat sich die Medizin weiterentwickelt, ebenso die Qualität und Standard von künstlichen Gelenken. Würde man heute noch so operieren wie vor 30 Jahren, wäre das natürlich nicht zielführend. Andererseits muss man mit Neuerungen vorsichtig umgehen. Es sind nach wie vor die Langzeiterfahrungen, die Aufschluss über so wichtige Fragen geben, etwa wie lange ein Schaft hält oder welche Verschleisserscheinungen es gibt. Daher braucht man keine revolutionären Dinge. Wichtig ist eine konsequente Weiterentwicklung von Dingen, von denen man weiss, dass sie gut sind.“

„Welcher Schaft? Viele Patienten wüssten gerne im vorhinein, welcher Schaft sich eignet, oder welche Schaftgröße eingesetzt wird. Zum einen braucht es dazu genügend Aufklärung seitens des behandelnden Arztes. Zum anderen lässt sich das vor einer OP manchmal auch nicht exakt bestimmen. Die Entscheidung kann vom behandelnden Arzt dann erst während der OP gefällt werden welche Schaftgröße in Frage kommt.“

„Entscheidung für eine OP. Wer noch nicht so weit ist, soll es nicht machen lassen. Man muss soweit sein und natürlich zählt der Leidensdruck. Dazu kommen Faktoren wie beeinträchtigte Lebensqualität, starke Belastungs- und Bewegungsschmerzen und wenn Schmerzmittel nicht mehr wirken.“

„Entscheidung für eine Klinik. In Deutschland gibt es über 500 zertifizierte Endoprothesen Zentren. Bei der Entscheidung für eine OP solle weniger die Suche nach der richtigen Technik im Vordergrund stehen, sondern der Operateur, die Klinik und die Beratung. Unbedingt sich mehrere Kliniken anschauen. Als Anhaltspunkt gilt: In einer guten Klinik wird man Schnitte so klein wie möglich machen.“

Hinweis: Die hier geteilten Informationen sollen zur Stärkung der persönlichen Gesundheitskompetenz beitragen, ersetzen aber in keinem Fall die ärztliche Diagnose, Beratung und Behandlung.

Fotos und Video: Barbara Egger