Blogbeitrag über den Vortrag "Die Arthrose Lüge" von Liebscher und Bracht in Innsbruck
Expertenwissen

Liebscher und Bracht Arthroselüge Vortrag in Innsbruck

Ich war beim Vortrag von Roland Liebscher-Bracht in Innsbruck und habe mir angehört warum Arthrose eine Lüge sein soll.

Bevor ich von meinem Besuch des Arthroselüge Vortrages von Roland Liebscher-Bracht am 14. November 2017 in Innsbruck erzähle, möchte ich dir meinen Blogbeitrag „Liebscher und Bracht Arthroselüge: Kann Knorpel nachwachsen?“ empfehlen: Einen Tag vor dem Arthroselüge Vortrag in Innsbruck ist Roland Liebscher-Bracht am 13. November 2017 in der ORF-Sendung Konkret aufgetreten und hat dort das Buch „Die Arthroselüge“ und die Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht vorgestellt.

Da der Link zur ORF-Sendung in der ORF-TVthek nicht mehr verfügbar ist, habe ich den Sendungsinhalt und die Statements der Österreichischen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (ÖGO) sowie des Berufsverbands österreichischer Fachärzte für Orthopädie (BVdO) in einem eigenen Blogbeitrag zusammengefasst.

Hier gehts zum Blogbeitrag: „Liebscher und Bracht Arthroselüge: Kann Knorpel nachwachsen?“

Über den Liebscher & Bracht Arthroselüge Vortrag in Innsbruck:

Beim Betreten des Veranstaltungsortes, dem Barocksaales im Hotel Europa in Innsbruck war ich fürs Erste etwas erstaunt. Die überwiegende Besucherschar war deutlich jünger, als man es bei Arthrose-Betroffenen vermuten würde. Ich befragte deshalb meine Sitznachbarn – eine Traube sehr junger Leute – ob sie denn von Arthrose betroffen wären. Natürlich nicht. Und meine Vermutung, dass es sich um Physiotherapeuten handeln müsse, wurde auch umgehend von den jungen Leuten bestätigt.

Dann startete auch schon der Vortrag von Roland Liebscher-Bracht. Seine Thesen vertritt der deutsche Schmerzspezialist mit Verve und man ist geneigt zu sagen, auch mit sehr großem Selbstbewusstsein. Denn immerhin ist Roland Liebscher weder Arzt noch Physiotherapeut, sondern kommt, wie er selbst erzählt aus der Technik und dem Maschinenbau. Roland Liebscher darf auch nicht selbst behandeln. Beziehungsweise darf er das nur in Gegenwart seiner Frau einer Allgemeinmedizinerin, wie er dem Publikum mitteilt. Im O-Ton sagte er dazu: „Ich passe auf. Ich weiß inzwischen, dass es Leute gibt, die mich auffliegen lassen wollen.“

Insgesamt ist der Vortrag von Roland Liebscher etwas technisch aufgebaut bzw. wird mehr und mehr klar, dass sich der Arthroselüge Vortrag in Innsbruck in erster Linie an Physiotherapeuten und Ärzte richtet. Das habe ich wohl in der Beschreibung des Vortrages falsch oder ungenau interpretiert bzw. ging das für mich bei der Anmeldung nicht wirklich hervor.

Es saßen zwar im Publikum durchaus auch Betroffene. Um mich zu vergewissern, habe ich eine Dame, die gegen Ende des Vortrages den Raum verließ, befragt. Da sie eine Krücke benutzte, tippte ich, dass die Dame von Artrose betroffen ist. Das bejahte sie und bestätigte, dass sie auch geglaubt habe, dass der Vortrag für Arthrose Betroffene sei. Ob nun im Publikum Ärzte vertreten waren, kann ich nicht nachvollziehen. Aufgrund der anschließenden Fragen, bestätigte sich aber meine anfängliche Einschätzung, dass zumindest viele PhysiotherapeutInnen anwesend waren.

Doch schon einmal vor Ort, habe ich mir den ganzen Vortrag und vor allem die anschließenden Fragen und „Vorführungen“ angehört und angeschaut. Während des Vortrages präsentierte Roland Liebscher-Bracht naturgemäß sein Behandlungsmodell, verwies auch hier – wie in der TV-Sendung Konkret am Vortag – auf die holländische Studie, die er als Bestätigung der Liebscher & Bracht Schmerztherapie sieht und machte im Rahmen der Veranstaltung Eigenwerbung für sein Buch und die von Liebscher & Bracht für Physiotherapeuten, Heilpraktiker, etc angebotene viertägige Schmerztherapie-Ausbildung.

Spannend wurde es dann noch ganz zum Schluss. Roland Liebscher-Bracht demonstrierte an Betroffenen, wie er feststellen kann, ob sich ein vorhandener Schmerz therapieren lässt oder nicht. Dazu stellten sich jeweils Betroffene mit Knieschmerzen, Rücken- und Nackenschmerzen zur Verfügung. Der Dame mit Knieschmerzen erklärte Roland Liebscher nach wenigen Minuten, dass deren Knie nicht wegen Arthrose schmerze, sondern wegen Fehlspannungen der Faszien und Muskulatur. Es könne ihr geholfen werden und die Dame möge einen Liebscher & Bracht Schmerztherapeuten aufsuchen.

Wie Roland Liebscher-Bracht im Vortrag ausführte, kostet eine einstündige Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht (zumindest bei Herrn Liebscher selbst) 450,– Euro. Doch funktioniere die Osteopessur so, dass sie bereits nach einer Sitzung wirke. Die Betroffenen müssten aber konsequent die gezeigten Übungen daheim ausführen. Das System der Liebscher & Bracht Schmerztherapie sei für Therapeuten in vier Tagen erlernbar und ermögliche es, damit Resultate zu erzielen, wie diese Roland Liebscher-Bracht selbst erzielen würde, der diese Therapie nach eigenen Aussagen seit 25 Jahren äußerst erfolgreich anwende. Darüber hinaus würden bereits von über 3.000 Therapeuten in Ö, D und der Schweiz die L&B Therapie praktiziert.

Eine Dame aus dem Publikum meldete sich schließlich und trug vor, dass sie eine Liebscher & Bracht Therapie wegen Nackenschmerzen gemacht habe, jetzt zwar keine Nackenschmerzen mehr habe, dafür aber Schulterschmerzen bzw. einen Schmerz im Oberarm. Roland Liebschers Antwort darauf: „Gehen Sie wieder zum Therapeuten und lassen sich auch die Schulter nach L&B therapieren.“ Für ihn ergäbe das eine logische Entwicklung. Das Aufweichen der Spannungen im Nacken hätten eben weitere Spannungen zu Tage gefördert.

Was nehme ich vom Liebscher und Bracht Arthroselüge Vortrag in Innsbruck mit?

Mich hat der Liebscher und Bracht Arthroselüge Vortrag in Innsbruck bestärkt, weiterhin am persönlichen Selbstmanagement für Arthrose festzuhalten. Mich über alle Behandlungsmethoden zu informieren und diese auszuwählen, die mir gut tun oder von denen ich glaube, dass sie für mich passend sind. Ich halte es da mit der von Dr. Tobias Weigl von Video-Visite und mir im gemeinsamen Video propagierten „Blumenstrauß-Therapie“.

Schaut euch gerne das Video dazu an. Ich habe stellvertretend für meine Facebookgruppe Arthrose Forum Austria – Hilfe, Infos, Tipps Fragen zum Thema Arthrose und Behandlungsmöglichkeiten von Arthrose an Arzt, Schmerzforscher und Online-Mediziner Dr. Tobias Weigl gestellt.

 

 

Da ich als selbst Betroffene mit Rhizarthrose immer wieder auch meinen persönlichen Therapie-Blumenstrauß hinterfrage und/oder ergänze, habe ich mir auch einige der Schmerzvideos von Liebscher & Bracht auf deren YouTube Kanal angeschaut. Ich bin durchaus bereit und geneigt, die dort gezeigten Übungen zum Thema Rhizarthrose über einen bestimmten Zeitraum anzuwenden. Meiner besseren Hälfte (hat bereits ein künstliches Kniegelenk wohlgemerkt schmerzfrei seit der OP 2009) ist nun auch von Arthroseschmerzen im anderen Kniegelenk geplagt. Auch ihm habe ich die Videos mit den Knieübungen gezeigt. Warum auch nicht?

Ob ich einen Liebscher & Bracht Schmerztherapeuten aufsuchen würde? Ich glaube, eher nicht. Ich gebe Roland Liebscher-Bracht aber Recht, wenn er wie in Innsbruck darauf verweist, dass vor einer OP alles versucht werden solle. Eben auch seine Therapie. Auch der Punkt, dass man teures Geld für Hyaluron- oder Kortisonspritzen ausgibt, und nach wenigen Wochen oder Monaten wieder alles beim Alten ist, geht an Roland Liebscher-Bracht. Das kann ich als Betroffene bestätigen.

Was mir persönlich missfällt, ist der nach meinem subjektiven Empfinden zu aufdringliche und marktschreierische Auftritt von Liebscher & Bracht.

Als Administratorin der österreichischen Facebookgruppe Arthrose Forum Austria – Hilfe, Infos, Tipps und Gründerin der Plattform Arthrose Forum Austria stehe ich allen Behandlungsmöglichkeiten und Therapieformen von Arthrose offen gegenüber. So ist auch die Ausrichtung der Facebookgruppe. Alles darf und kann diskutiert und Erfahrungen miteinander geteilt werden. Kritisch sehe ich bei Liebscher & Bracht aber das offensive Marketing verbunden mit einem definitiven Heilversprechen.

Und das von Ärzten, Wissenschaft und Physiotherapie bisher kaum widersprochene Weltbild von Liebscher & Bracht. An diesem hat Roland Liebscher-Bracht zumindest im Rahmen des Arthroselüge Vortrages in Innsbruck keinen Zweifel gelassen. Das es so wenig Widerspruch gibt, könnte auch daran liegen, dass es bereits Therapieformen gibt, die ähnlich wirken, nicht aber so offensiv vermarktet werden. Als Laie maße ich mir dazu keine Beurteilung an, das müssen schon Ärzte und Therapeuten selbst tun.

Berücksichtigen sollte man auch, dass Liebscher & Bracht durch seine starke Präsenz in sozialen Medien seinen (wenn überhaupt vorhandenen) Kritikern weit voraus ist. Mit knapp 260.000 Fans auf Facebook, über 130.000 YouTube-Abonnenten und knapp 6.000 Mitgliedern in der Liebscher & Bracht Facebookgruppe, Newsletter-Marketing auf der Homepage, Instagram-Account, etc. und Kombination aus klassischem Marketing mit Vorträgen, Büchern, um auch die zu erreichen, die nicht online sind, verfügt Liebscher & Bracht über eine enorme Reichweite. Und weiß diese auch sehr gut zu nutzen.

Schade in dem Zusammenhang finde ich, dass es beispielsweise bei der ORF-Konkret Sendung keine direkte Konfrontation zwischen einem Mediziner und Roland Liebscher-Bracht im TV-Studio gab.

Was immer dafür die Gründe waren. Roland Liebscher-Bracht hat diesen Umstand beim Vortrag in Innsbruck übrigens mit dem Sager „.. man hat ein Manifest verlesen lassen und dabei altes Wissen zum Besten gegeben…“ quittiert. Liebscher-Bracht spielte dabei auf das von der Konkret-Moderatorin verlesene Statement von Prof. Dr. Bernd Stöckl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (ÖGO) an. Inzwischen hat auch Univ. Prof. Dr. Ronald Dorotka, Präsident des Berufsverbandes der Österreichischen Fachärzte für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (BVdO) auf den TV-Auftritt und das Buch „Die Arthroselüge“ reagiert. Beide Statements kanst du in meinem Blogbeitrag Liebscher und Bracht Arthroselüge: Kann Knorpel nachwachsen? nachlesen.

Doch zurück zur Reichweite. Wenn Facebook-Postings von Liebscher & Bracht hundert mal geteilt und tausende Mal geliked und deren Videos hunderttausende Male abgerufen werden, dann sollte man bei diesen aus der Sicht des Onlinemarketings doch sehr beeindruckenden Zahlen auch daran denken, dass diese Postings zum Teil auch über Facebook-Werbeanzeigen beworben werden. Auch kann die Google Suche nach zB. Suchbegriffen wie „Arthrose behandeln“ oder „Arthrose heilen“ mit Google AdWords, dem Werbeprogramm von Google, befeuert werden.

Wenn aber tausende Menschen Online und auf Facebook beschwören, dass ihnen die Liebscher & Bracht Bewegungsübungen helfen, dann kann man dem eigentlich wenig entgegenhalten. Außer vielleicht noch, dass es auf der Homepage von Liebscher & Bracht einen Shop gibt, wo Betroffene Faszienrollen, Nahrungsergänzungsmittel, etc. erstehen können. Interessant und aufschlussreich wären aus meiner Sicht neutrale Langzeit-Studien, inwiefern sich durch die Liebscher & Bracht Methoden tatsächlich OPs, künstliche Gelenke, etc. hinauszögern und Schmerzen langfristig vermeiden ließen, ja Arthrose – so wie es Liebscher & Bracht behauptet – wirklich geheilt wurde.

Mein Tipp:

Wir Betroffene sollten uns darauf konzentrieren, worauf es bei #Arthrose ankommt. Nämlich auf das so wichtige (kritische und hinterfragende) #Selbstmanagement! Jeder kann für sich selbst entscheiden und immer im direkten Arztgespräch, was ihm gut tut oder wie er sich behandeln lassen oder wofür er Geld ausgeben möchte. Letztlich behauptet ja nicht nur Liebscher & Bracht, dass Arthrose heilbar ist, auch die GAT Ganzheitliche Arthrose Therapie geht davon aus, dass Arthrose durch Ernährung heilbar ist.

Wie sich nun die Therapie jedes einzelnen Betroffenen gestaltet, ob nun eine Blumenstrauß-Therapie (also eine Vielzahl oder Mischung aus Therapien, die auch oder ausschließlich die GAT-Methode oder Liebscher & Bracht Schmerztherapie und Übungen beinhalten können), ist letzten Endes immer Entscheidung der Betroffenen. Hauptsache der Alltag lässt sich mit weniger Schmerzen oder gar schmerzfrei gestalten. Hauptsache eine OP steht erst am letzten Ende der Kette. Hauptsache Bewegung ist möglich!

Meine Empfehlung:

An dieser Stelle  möchte ich noch den Blogbeitrag von Peter Herrchen, Autor des Ratgebers „Mut zur neuen Hüfte – Mut zum neuen Knie“ und Administrator der Facebookgruppe TEPFIT – Fit mit künstlichen Gelenken (Hüfte und Knie) über Liebscher & Bracht empfehlen sowie weitere Blogbeiträge, die sich kritisch mit der Liebscher & Bracht Schmerztherapie auseinander setzen.

 

Link zum Artikel „Liebscher & Bracht – wer heilt hat (immer) Recht?“ von Peter Herrchen vom 19.11.2017

https://endoprothese-und-sport.de/2017/11/18/liebscher-bracht-wer-heilt-hat-immer-recht/#comment-11719

Link zum Artikel „Liebscher & Bracht – eine Kritik (aktuelle Version) von Tobias  Saueressig vom 28. 11. 2017

http://physiomeetsscience.com/die-arthrose-luge-von-liebscher-und-bracht-die-nachste-luge/

Link zum Artikel „Die Liebscher & Bracht Therapie – Eine Kritik“ vom 28.10.2016

https://evidenzbasiertephysiotherapie.de/die-liebscher-und-bracht-therapie-krtitk/

Link zum Artikel „Fibromyalgie – gibt`s doch gar nicht“ von der Bloggerin Fibrofee vom 12.3.2017

http://fibrofee.de/fibromyalgie-gibts-doch-gar-nicht-die-ignoranten/

 

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